Donnerstag, 15.08.2013
Von Führungskräften werden heute häufiger Soft Skills erwartet

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Von Führungskräften werden heute häufiger Soft Skills erwartet

Personal
Anforderungsprofil Führungskräfte

Firmen-Patriarch ist das Zukunftsmodell

Führungskräfte sind für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend, aber was macht sie aus? Prof. Manfred Becker, Wissenschaftlicher Leiter der Eo ipso Personal- und Organisationsberatung, ist sich sicher: Dem altbewährten Patriarchen gelingt es im Mittelstand noch immer am besten, auch neue Ansprüche zu erfüllen.

Markt und Mittelstand: Eine kürzlich erschienene Boyden-Studie sagt, dass von Führungskräften zunehmend Soft Skills erwartet werden. Expertenmeinungen gehen hier aber stark auseinander. Wie wichtig sind Ihres Erachtens Soft Skills bei Führungskräften?
Manfred Becker:  Sehr wichtig. Es gibt zwei Formen des Führens. Transaktionales Führen, das heißt „Mach!“ und Transformationales Führen, das heißt „Lass uns darüber reden.“ Diese Art von Führung ist nun gefragt. Wir reden heute von einer nachwachsenden Generation, die ich die „ Generation Double P“ nennen möchte. Double P steht für Prinz und Prinzessin. Es sind jene jungen Menschen, die gut ausgebildet und als nachwachsende Generation sehr rar sind. Diese jungen  Menschen wachsen als Prinzen und Prinzessinnen auf,  einige haben 4 akademische Großeltern und 2 akademische Eltern, sind finanziell bereits am Beginn ihrer Karriere abgesichert. Diese Generation funktioniert nicht über Anweisungen. Sie brauchen empathische Führungskräfte, die sich mit ihnen beschäftigen, ihre Talenten erkennen und sie insgesamt wahrnehmen, anerkennen, menschlich und beruflich fördern.

 

MuM: Offenheit und Sensibilität sind laut der Boyden-Studie bei Führungskräften besonders gefragt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Becker: Voraussetzung für eine gute Sozialbeziehung der Führungskräfte zu ihren Mitarbeitern ist Zeit. Eine Führungskraft muss Zeit für seine Mitarbeiter haben. Man spricht ja nicht ohne Grund vom Siegeszug des strukturierten Mitarbeitergesprächs.  Hier kommen Führungskraft und Mitarbeiter in fairem Dialog zusammen und besprechen die Aufgaben und die Anliegen. Man muss zuhören können und das Gehörte gemeinsam umsetzen.  Es gilt, die richtige Balance zwischen Beziehungsorientierung und Aufgabenorientierung zu finden. Das ist eine alte Weisheit, die nach wie vor uneingeschränkt gilt.

 

 

Soft Skills befördern den Umsatz

Manfred Becker ist emeritierter Professor für BWL, Personal und Organisation an der Martin-Luther-Universität Halle-Witteberg und Wissenschaftlicher Leiter der eo ipso Personal- und Organisationsberatung in Mainz.

MuM: Bedeutet mehr Zeit für Mitarbeiter nicht weniger Zeit für die Zahlen?
Becker: Das gute soziale Verhältnis zu den Mitarbeitern ist ein notwendiger und sehr produktiver Umweg zu Erfolg und Zufriedenheit.

 

MuM: Also hat der Patriarch von gestern heute ausgedient?
Becker: Der Patriarch eines familiengeführten Unternehmens ist eigentlich die ideale Führungskraft. Er ist der pater familias, der Mitarbeitern Schutz und Sicherheit gibt, die Mitarbeiter über Generationen kennt, Durchsetzungskraft besitzt und gleichzeitig ein soziales Netzwerk mit den Mitarbeitern pflegt. Vor dem Patriarchen hat man Ehrfurcht, aber man kann mit ihm auch Pferde stehlen.


MuM: Heißt das, dass der Mittelstands-Patriarch die Führungskraft der Zukunft ist?
Becker:  Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen haben wegen der flachen Hierarchien und der direkten sozialen Beziehungen darin zu ihren Mitarbeitern besonders gute Chancen, den richtigen Führungsstil für die „Generation Double P“ zu treffen.


MuM: Herr Becker, Sie haben zehn  Jahre bei Opel im Personalmanagement gearbeitet und zahlreiche Studenten für Masterstudiengänge ausgewählt. Auf welche Fähigkeiten würden Sie achten, wenn Sie eine neue Führungskraft einstellen?
Becker:
1.    Vorauswahl: Ausbildung, Tätigkeitsstation, Brüche in der Biographie (kann sowohl positiv als auch negativ sein)
2.    Auswahl: Authentizität (so wie er ist, nicht gelernt, sondern wie er ist), verbirgt er sich hinter seinem Amt, Nachhaltigkeit in der Durchsetzung von Dingen, Durchhaltevermögen, Teamplayer oder Einzelgänger.


MuM:  Vielen Dank für Ihre Einschätzungen.