Donnerstag, 01.06.2017

Foto: Huntstock/Thinkstock/Getty Images

Arbeiten im Alter: Was früher eher schwierig war, erleichtert der Gesetzgeber in Zukunft durch die Einführung der Flexi-Rente.

Personal
Interview mit Andrea Hellmann

Flexi-Rente vereinfacht Weiterbeschäftigung im Alter

Durch die Flexi-Rente und neue Regelungen im Sozialgesetzbuch können Angestellte leichter auch über das Rentenalter hinaus weiter arbeiten, wenn sie wollen. Welche Möglichkeiten das Gesetz bietet, erklärt Fachanwältin Andrea Hellmann.

Inzwischen beschäftigen Unternehmer zunehmend Mitarbeiter jenseits des Renteneintrittsalters. Welche Möglichkeiten sieht das Gesetz vor?
Schon seit Juli 2014 gibt es eine interessante Regelung im 6. Sozialgesetzbuch, die noch wenig bekannt ist. Sie sieht vor, die Regelaltersgrenze einmal oder mehrfach hinauszuschieben. Damit setzten Bundestag und Bundesrat zunächst den arbeitsrechtlichen Teil der Flexi-Rente um. Vorher war es eher schwierig, Rentner zu beschäftigen, zumal Befristungen früher kaum erlaubt waren.

Foto: Hellmann

Andrea Hellmann ist Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Astraia Fachanwälte.

Unter welchen Voraussetzungen ist jetzt das Verschieben der Regelaltersgrenze erlaubt?
Erstens muss eine Vereinbarung vorliegen, die eine Regelaltersgrenze festlegt, zum Beispiel ein Arbeitsvertrag, eine Betriebs- oder eine Tarifvereinbarung. Zweitens müssen Arbeitgeber und Mitarbeiter das Verschieben beschließen, bevor dieser die Regelarbeitsgrenze erreicht. Drittens ist die Schriftform vorgeschrieben.

Und wer in Teilzeit weiterarbeiten möchte?

Dafür sieht die Regelung keine explizite Möglichkeit vor. Was aber möglich ist: Firmenchef und Mitarbeiter können einige Zeit vor Renteneintritt das Arbeitsverhältnis auf Teilzeit umstellen und danach das Verschieben der Regelaltersgrenze beschließen. Dann arbeitet der Beschäftigte später in Teilzeit.

Welche weiteren Verbesserungen bringt das vor einem halben Jahr verabschiedete Gesetz zur Flexi-Rente?

Ältere Mitarbeiter profitieren von der ab Juli 2017 geltenden Möglichkeit, vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Teilzeitarbeit mit einer Teilrente zu kombinieren. Denn sie können jetzt Teilrente und Zuverdienst flexibel miteinander verknüpfen. Überschreitet ihr Hinzuverdienst bei einer vorgezogenen Rente 6.300 Euro im Jahr, werden künftig 40 Prozent des darüber liegenden Betrages von der Rente abgezogen. Die Teilrente passt sich stufenlos dem tatsächlichen Hinzuverdienst an, jedoch nur bis zur Höhe des früheren Bruttoverdienstes, der übersteigende Betrag wird voll auf die Rente angerechnet. Wer nach dem regulären Renteneintritt weiter arbeitet und auf die Rente verzichtet, erhält einen Zuschlag von monatlich 0,5 Prozent, wobei die Sozialversicherungsbeiträge entfallen. Das alles macht es attraktiver für Mitarbeiter, auch im Alter weiterzuarbeiten.

Profitieren auch Firmen?
Auch für Arbeitgeber wird es dann attraktiver, Rentner einzustellen. Für die nächsten fünf Jahre müssen sie keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlen.

Welche weiteren Möglichkeiten sieht das Recht vor, als Rentner zu arbeiten?

Wer Dienstleistungen gegen Honorar erbringt, ist selbständig tätig. Diese Möglichkeit steht ihm auch im Ruhestand offen. Allerdings ist es bei dieser Variante besonders wichtig, dass er nicht nur einen, sondern mehrere Auftraggeber hat. Nur so lässt sich der Verdacht der Scheinselbständigkeit vermeiden. Auf dem Arbeitsmarkt können Rentner auch in Form einer geringfügigen Beschäftigung tätig sein.

 

 

Info

Zur Person
Andrea Hellmann ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und Wirtschaftsmediatorin bei Astraia Fachanwälte in München.