Donnerstag, 05.04.2012
Personal
Arbeiten nach Mass

Flexible Arbeitszeitmodelle

Um die Arbeitszeit nach dem betrieblichen Bedarf auszurichten, helfen flexible Arbeitszeitmodelle. Mittelständler sollten dabei mit einfachen Maßnahmen die Kontrolle behalten.

„Im Mittelstand sind flexible Arbeitszeitmodelle eher mehr verbreitet“, sagt Dr. Claudia Hahn von Naegele Kanzlei für Arbeitsrecht. Denn dort sind die Personalverantwortlichen nah am Mitarbeiter und haben den Überblick über das Arbeitspensum. Die Kontrolle fällt leichter. Zudem stellen flexible Arbeitszeitmodelle einen entscheidenden Vorteil im Kampf um Arbeitskräfte dar. Welches Modell gelten soll, sollten Unternehmer abteilungsabhängig entscheiden. In der Produktion bieten sich flexible Schichtmodelle an, im kaufmännischen Bereich Jahresarbeitszeitkonten und in Forschungsabteilungen Lebensarbeitszeitkonten. Dennoch gilt der allgemeine Gleichheitsgrundsatz. Ein Arbeitnehmer darf nicht anders als ein anderer behandelt werden. Deshalb führen viele Mittelständler einheitliche Modelle im Unternehmen ein.

Arbeitszeitmodell implementieren

Bei stark schwankenden Auftragssituationen bietet sich eine großzügige Gleitzeitregelung mit wöchentlichen Arbeitszeitkonten an. Hier kann der Arbeitgeber aber mit einer Frist von vier Tagen Mehrarbeit oder gar einen Freiraum anordnen. Wichtig ist, die Mitarbeiter von dem Arbeitszeitmodell zu überzeugen.

Bei Schönberger Stahlbau & Metalltechnik hat die Geschäftsführung eine Mitarbeiterversammlung einberufen. Schon seit 1972 gab es ein Gleitzeitkonto. Mitte der 90er Jahre wurde dann ein Lebensarbeitszeitkonto eingeführt. Auf der Versammlung erklärte die Geschäftsführung wie Mehrstunden aufgebaut werden können – aber auch dass die Mitarbeiter ins Minus rutschen können. Liegt das Konto im Plus, wird es ausbezahlt, beim Minus wird es mit offenen Urlaubstagen oder ausstehenden Boni verrechnet. Auch bei einer Kündigung würden Gleitzeitkonten so ausgeglichen werden.

Die Änderungen zu Konten und Zeitrahmen müssen immer in der Betriebsvereinbarung vermerkt werden.

Direktionsrecht des Arbeitgebers festlegen

Die Aspen Bad Oldesloe GmbH ist gerade dabei die Rahmenbedingungen für das neue Arbeitszeitmodell in der Betriebsvereinbarung festzuhalten. Bisher gab es in dem Unternehmen das klassische Schichtmodell von jeweils fünf Früh-, Nacht- und Spätschichten. Aber damit waren die Mengenschwankungen nicht aufzufangen und die Gesundheit der Mitarbeiter stand zu wenig im Mittelpunkt.

Flexi-Schicht an betriebliche Bedingungen angepasst

In der Diskussion um ein neues Arbeitszeitmodell hat das Unternehmen die Produktionszeit und -menge festgelegt und geschaut, wie viele Mitarbeiter dazu an den Maschinen gebraucht werden. Nun soll es bald drei Schichtmodelle für „wenig“, „normal“ und „viel zu tun“ geben. Jede Woche haben zwei bis drei Mitarbeiter die Flexi-Schicht und erfahren erst zwei Wochen im Voraus, ob Sie Spät-, Früh- oder Nachtschicht haben. So gibt es keine Extra-Schichten mehr und die Wochenenden sind soweit es die Auftragslage zulässt, frei.

Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpfumgeht teure Mehrarbeit fast komplett. Die Mehrarbeitskonten wurden mit der Einführung des neuen Arbeitszeitmodells im vergangenen Jahr aufgelöst. Vorgesetzte können Mehrarbeit anordnen. Die Stunden werden dann einem Regelarbeitszeitkonto gutgeschrieben. „Im Arbeitsvertrag ist geregelt, dass diese Stunden keine Überstunden sind, sondern dass nur zeitweise mehr, aber auch zeitweise weniger gearbeitet wird“, sagt Dr. Gerhard Rübling, Arbeitsdirektor und Geschäftsführer Personal- und Sozialwesen bei Trumpf.
So kann Trumpf je nach den betrieblichen Bedürfnissen mehr oder weniger Arbeit anordnen, ohne dass das Einkommen der Mitarbeiter angepasst wird. Bei einer 35-Stunden-Woche können so maximal 5,5 Stunden und bei einer 40-Stunden-Woche maximal 3,5 Stunden Mehrarbeit angeordnet werden. Diese Stunden hat Trumpf als Bündnisstunden definiert, von denen jeder Mitarbeiter 70 Stunden im Jahr ohne Einkommensanpassung leistet, und die zur Sicherung des Arbeitsplatzes und des Standortes beitragen sollen.

Flexibel mit festen Regeln

Neben diesem Regelarbeitszeitkonto, gibt es noch zwei weitere Zeitkonten bei dem Werkzeugmaschinenhersteller: Das Gleitzeitkonto und das Familien- und Weiterbildungszeitkonto. Alle zwei Jahre entscheiden die Mitarbeiter über ihre Wochenarbeitszeit von 15 bis 40 Stunden. Bis zu 1.000 Stunden können Mitarbeiter auf dem Familien- und Weiterbildungszeitkonto ansparen, um Freizeit zu nehmen. Im Herbst meldet jeder Mitarbeiter seine gewünschte Stundenzahl, die er im folgenden Jahr sparen möchte an. Den geplanten Stundenabbau müssen die Mitarbeiter sechs Monate vor dem gewünschten Beginn ihrem Vorgesetzten melden.

Bei Trumpf hat sich die Sorge nicht bestätigt, dass die Mitarbeiter durch das neue Arbeitszeitmodell weniger arbeiten. 500 Mitarbeiter haben sich bis jetzt für das neue Modell entschieden. 90 Prozent davon arbeiten mehr als vorher. Zudem gingen seit der Bekanntgabe 50 Prozent mehr Bewerbungen ein. „Wir kriegen zusätzlich die Arbeitskräfte, die nur halbtags arbeiten können oder wollen“, sagt Rübling. „Dennoch war die interne Organisation aufwendig und das Umdenken, dass mehr Flexibilität für die Mitarbeiter für das Unternehmen nicht schlecht ist, bedurfte viel Überzeugungsarbeit.“ Schließlich bedeutet mehr Flexibilität für Arbeitnehmer auch mehr Flexibilität für Unternehmen.



Info

Das sollte in einer Betriebsvereinbarung zur flexiblen Arbeitszeit geregelt sein:

  • Vertragsparteien

  • Geltungsbereich
  • Betriebszeiten / Servicezeiten
  • Dauer der Arbeitszeit
  • Arbeitszeitrahmen
  • Regelung zu Mehrarbeit bzw. Spielregeln für Auf- und Abbau von Zeitkonten
  • Zeitkontenrahmen
  • Administration der Arbeitszeiten