Montag, 20.08.2012
Personal
Flexible Arbeitszeitmodelle

Flexible Arbeitszeitmodelle nach Maß

Um die Arbeitszeit nach dem betrieblichen Bedarf auszurichten, helfen flexible Arbeitszeitmodelle. Wie aber installieren Mittelständler diese und behalten trotzdem noch die Oberhand, falls sich kurzfristig Änderungen ergeben?

Wer flexible Arbeitszeitmodelle im Unternehmen einführen will, muss das unternehmenseigene Modell am geltenden Tarifvertrag der jeweiligen Branche ausrichten. Denn dort finden sich oft Vorgaben, die die flexible Arbeitszeit regeln, wie zum Beispiel: „Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, Mehrarbeit anzuordnen.“ Diese Aussagen sind oft sehr allgemein gehalten, aber müssen dennoch beachtet werden. In Unternehmen mit Betriebsrat muss zusammen mit diesem das konkrete Arbeitszeitmodell festgelegt werden. In der Betriebsvereinbarung wird es beispielsweise durch Bestimmungen zur Dauer der Arbeitszeit sowie zu den Betriebszeiten festgesetzt.

Rechtliches zu flexiblen Arbeitszeitmodellen

Gilt nur der Arbeitsvertrag,hat der Arbeitgeber ein weites Direktionsrecht,um flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen. Dadurch kann ein Unternehmer zum Beispiel per Rundschreiben Schichten, Gleitzeit oder eine Kernarbeitszeit nachträglich einseitig anordnen. Das Direktionsrecht regelt kurzfristige Änderungen der Verteilung der Arbeitszeit.„Mehr- und Kurzarbeit hingegen – also eine Veränderung der Arbeitsdauer – kann der Arbeitgeber nicht nur Kraft seines Direktionsrechts einseitig anordnen.Dies muss schon im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag detailliert geregelt sein, damit Unternehmer diese einseitig anordnen können“, sagt Dr. Claudia Hahn von Naegele Kanzlei für Arbeitsrecht. Macht der Mitarbeiter die Mehrarbeit, hat er sich stillschweigend damit einverstanden erklärt.

Unternehmer können aber auch Bandbreiten zur Verlängerung oder Verkürzung der Arbeitszeit vereinbaren.Dann müssen sie jedoch die maximale Verlängerung der Arbeitszeit beachten (siehe Tabelle). Mehrarbeitsstunden,die auch als Überstunden vergütet werden müssen, gelten nur dann als solche, wenn der Arbeitgeber sie anordnet.Ratsam ist es zu vereinbaren, dass sie auf einem Überstundenzettel gegengezeichnet werden müssen. Hier liegt die Nachweispflicht beim Arbeitnehmer.

Teure Mehrarbeit umgehen

Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf umgeht mit seinem flexiblen Arbeitszeitmodell fast komplett teure Mehrarbeit. Die Mehrarbeitskonten wurden mit der Einführung des Modells im vergangenen Jahr aufgelöst. Vorgesetzte können sie weiterhin anordnen. Die Stunden werden einem Regelarbeitszeitkonto gutgeschrieben. „Im Arbeitsvertrag ist geregelt, dass diese Stunden keine Überstunden sind, sondern dass nur zeitweise mehr, aber auch zeitweise weniger gearbeitet wird“, sagt Dr. Gerhard Rübling, Arbeitsdirektor und Geschäftsführer Personal- und Sozialwesen bei Trumpf.

So kann das Unternehmen je nach den betrieblichen Bedürfnissen mehr oder weniger Arbeit anordnen, ohne dass das Einkommen der Mitarbeiter angepasst
wird. Bei einer 35-Stunden-Woche können so maximal 5,5 Stunden und bei einer 40-Stunden-Woche maximal 3,5 Stunden Mehrarbeit angeordnet werden. In konjunkturell schwierigen Zeiten können bis zu 15 Stunden pro Woche aus den Regelarbeitszeitkonten abgebaut werden. Gleitzeitkonten sind weitverbreitet.

Bei flexiblen Arbeitszeitmodellen sollten Unternehmer genau berechnen, wie viele Arbeitsstunden das Unternehmen braucht, um Auftragsschwankungen auszugleichen, und demnach das jeweilige Stundenkonto deckeln. „Je flexibler die Arbeitszeit, desto stärker muss die Führung sein“, rät Guido Zander, Geschäftsführender Partner der Arbeitszeitberatung Dr. Scherf Schütt & Zander. „Mindestens viermal im Jahr sollte die Entwicklung der Gleitzeitkontenstände mit der Auftragslage verglichen werden. „Bei gegenläufiger Entwicklung von Arbeitspensum und Gleitzeitstand sollten Gespräche mit Mitarbeitern geführt werden, um die Ursachen für die Abweichung zu klären.“

Für Mittelständler bieten sich Drei-Konten-Lösungen als flexibles Arbeitszeitmodell an. Sollten die Stunden auf dem Gleitzeitkonto nicht ausreichen, fließen die Mehrstunden auf ein Beschaffungssicherungskonto. Dieses wird geöffnet, wenn das Unternehmen einen Mehrbedarf hat. Dabei kann eine Jahresarbeitszeit im Arbeitsvertrag festgelegt werden. Der Unternehmer kann dieses Konto aber auch geschlossen halten,wenn es keine betriebsbedingten Gründe zur Mehrarbeit gibt.

So können Stunden bei diesem Flexiblen Arbeitszeitmodell verfallen und müssen nicht vom Arbeitgeber bezahlt werden. Sollte aber auch das Beschaffungssicherungskonto nicht ausreichen, um die Produktivität auf Dauer zu sichern, kann ein Lebensarbeitszeitkonto geöffnet werden. Dazu muss der Unternehmer wieder die Betriebsvereinbarung anpassen.Aber Achtung: Das Lebensarbeitszeitkonto bietet Mitarbeitern einen großen Anreiz zum Sammeln von Arbeitsstunden.Deshalb sollte auch hier genau festgelegt sein, wie viele Stunden der Arbeitnehmer für welchen Zweck ansammeln darf.

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