Dienstag, 07.03.2017
Oben wird's einsam: Auch im Mittelstand steigt der Anteil weiblicher Führungskräfte nur langsam.

Foto: Peshkova/Thinkstock/Getty Images

Oben wird's einsam: Auch im Mittelstand steigt der Anteil weiblicher Führungskräfte nur langsam.

Personal
Interview zum Weltfrauentag

Frauen in Führungspositionen: „Verhältnisse ändern sich nur langsam“

Zwar ist der Frauenanteil unter den Führungskräften im Mittelstand höher als bei Konzernen. Doch von einer ausgeglichenen Verteilung ist die Wirtschaft in Deutschland weit entfernt. Wieso, erklärt Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung, im Interview zum Weltfrauentag.
Foto: IfM Dr. Rosemarie Kay ist stellvertretende Geschäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn und forscht seit Jahren über Frauen in Führungspositionen.

Foto: IfM

Dr. Rosemarie Kay ist stellvertretende Geschäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn und forscht seit Jahren über Frauen in Führungspositionen.

Frau Kay, wie hat sich der Anteil von Frauen in mittelständischen Führungspositionen in den vergangenen Jahren verändert?
Da müssen wir unterscheiden: In der obersten Führungsebene, also zum Beispiel bei den Geschäftsführern, hat sich nichts Nennenswertes getan. Darunter aber gibt es einen leichten Trend zu einem höheren Frauenanteil.

Gibt es Unterschiede je nach Branche oder Größe der Unternehmen?
Zumindest auf den ersten Blick haben es Frauen in kleineren Unternehmen leichter. Allerdings hängt das auch ganz stark von der Branche ab. Denn zum Beispiel in der Finanzwirtschaft und dem produzierenden Gewerbe ist der Frauenanteil noch immer besonders niedrig. Und gerade hier dominieren oft die größeren Unternehmen.

Wird es in absehbarer Zeit ein ausgeglichenes Verhältnis geben?
Das ist nicht zu erwarten. Ich befasse mich schon relativ lange mit dem Thema, und bestimmte Verhältnisse ändern sich eben nur sehr langsam. Da brauchen wir noch einen langen Atem.

Was wären Initiativen oder Maßnahmen, wie sich die Entwicklung beschleunigen ließe?
Es gab ja immer wieder politische Initiativen, mit denen das versucht wurde. Aber die Frauenquote, die damals von der rot-grünen Koalition angedacht wurde, wurde nie eingeführt. Auch die später stattdessen beschlossenen Selbstverpflichtungen hatten keinen Erfolg. Dazu kommt ja noch die persönliche Situation vieler Frauen, die die Wahrnehmung einer Führungsposition erschwert. Denn auch die gut qualifizierten Frauen legen heute viel Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Männer auch?
Ausgehend von einem geringeren Niveau schon. Und das könnte sich sogar zu einem Trigger entwickeln. Noch ist es ja häufig so, dass gerade Männer das Gefühl haben, dass es ungern gesehen wird, wenn sie zum Beispiel Elternzeit nehmen oder keine Überstunden machen wollen. Aber gerade hier muss sich die Denkweise – auch bei den Vorgesetzten – ändern.

Info

Der Frauenanteil auf der obersten Führungsebene stagniert. Im Deutschen Mittelstand liegt er bei 18 Prozent. Auf diesen Wert kommen Auswertungen sowohl von Ernst & Young als auch von der KfW. Eine weitere, regelmäßig von Bisnode Deutschland und dem Kompetenzzentrum Frauen im Management der Hochschule Osnabrück erhobene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in der Gesamtwirtschaft 21 Prozent der Führungskräfte weiblich sind. Im Topmanagement sind es jedoch nur 11,7 Prozent.