Donnerstag, 20.11.2014
30 Prozent lautet die Zielvorgabe für Frauen in Führungspositionen. Doch noch ist das Gesetz dazu nicht beschlossen.

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30 Prozent lautet die Zielvorgabe für Frauen in Führungspositionen. Doch noch ist das Gesetz dazu nicht beschlossen.

Personal
Frauenquote ist Herausforderung für Mittelstand

Führt die Frauenquote zur Quotenfrau?

Dass sie kommt, ist klar. Umstritten sind allerdings die Details der Frauenquote. Wie hoch wird sie sein? Welche Ausnahmen wird es geben? Und immer wieder tauchen auch Zweifel auf, ob sie überhaupt zielführend ist.

Anfang November sollte der Referentenentwurf über das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ vom Kabinett beschlossen werden. Bislang wurde allerdings keine Einigung erzielt. Mit der geplanten Umsetzung ab 2015 könnte es daher knapp werden.

Frauenquote: Fixe und freie Quoten

Bislang ist folgendes vorgesehen: Für Unternehmen, die börsennotiert und mitbestimmt sind, soll es ab dem Jahr 2016 eine fixe Quote von 30 Prozent für Aufsichts- und Verwaltungsräte geben. Aktiengesellschaften, die dem MitbestG unterliegen, müssen also je zwei weibliche Aufsichtsräte für Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite haben, soweit das Gremium insgesamt 12 Mitglieder hat. Bei größeren Aufsichtsräten sind es jeweils drei Frauen. Da die Plätze bei Nichterfüllung der Quote unbesetzt bleiben, haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer einen Anreiz, Vertreterinnen zu finden.

Eine freie Quote ist für Unternehmen vorgesehen, die börsennotiert oder mitbestimmt sind. Bis zum 30. Juni 2015 sollen sie verbindliche Zielgrößen festlegen, diese veröffentlichen und über die Erreichung berichten. Die Quote soll für Vorstand, Aufsichtsrat und zwei Managementebenen unter dem Vorstand gelten. Bislang sind die gesetzlichen Formulierungen recht schwammig: Besonders mittelständische Unternehmen fordern Klarstellungen, Ausnahme- und Härtefallregelungen. Neben der Höhe der Quote – als Ziel werden 30 Prozent genannt, eine Untergrenze gibt es aber nicht – sind mögliche Sanktionen bei Nichterfüllen der Anforderungen offen. Denkbar ist, dass ein Wirtschaftsprüfer bei Nichterreichen der selbst gesteckten Ziele das Testat verweigert. Möglich auch, dass Unternehmen sich unter starkem Druck der Öffentlichkeit sehen.

Gefahr „Vorzeigefrau“

Die größte Hürde der neuen Regulierung wird für alle Unternehmen, egal ob fixe oder freie Quote, die Suche nach entsprechend qualifizierten Mitarbeiterinnen sein. Die Personalsuche wird erhebliche personelle sowie finanzielle Kapazitäten binden. „Meine Sorge gilt vor allem der Besetzung“, sagt Dr. Tatjana Schroeder, Corporate-Partnerin bei SKW Schwarz in Frankfurt. „Wird die fixe Quote in einem Unternehmen nicht erreicht, ist eine Besetzung der offenen Stellen mit Männern nicht wirksam. Das zuständige Gericht müsste dann eine Zwangsbesetzung vornehmen.“ Ob in einem solchen Prozedere dann eine geeignete Kandidatin gefunden würde, ist offen.

Besonders schwierig mag sich die Erfüllung der Quote in einigen technischen Bereichen darstellen, in denen die Zahl der qualifizierten Frauen allein dadurch begrenzt ist, dass die entsprechenden Ausbildungs- und Studiengänge von deutlich weniger Frauen durchlaufen werden.  „In diesen Unternehmen ist nicht unwahrscheinlich, dass eine „Vorzeigefrau“ aufgestellt wird, um den gesetzlichen Vorgaben genüge zu tun“, befürchtet Dr. Schroeder. „Fachliche Qualifikationen blieben unter Umständen auf der Strecke. Ob damit dem Unternehmen, dem Klima im Unternehmen oder auch der Sache der Gleichbehandlung langfristig gedient ist, bleibt fraglich.“

So lange keine klaren Ausnahmeregelungen getroffen sind, werden die Unternehmen versucht sein, Schlupfwinkel zu finden.  „Wer der Quote ausweichen will, wird entweder nur scheinbar einflussreiche Positionen kreieren, auf die er Quotenfrauen setzt, oder neue Führungsebenen einziehen, um die tiefer gelegenen vor den Zielvorgaben zu bewahren“, meint Prof. Brun-Hagen Hennerkes, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Familienunternehmen. Dass über den Referentenentwurf bislang nicht entschieden ist, scheint also gute Gründe zu haben.