Mittwoch, 18.09.2013
Um auch unter Stress erfolgreich zu führen, brauchen Führungskräfte sechs wichtige Kompetenzen.

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Um auch unter Stress erfolgreich zu führen, brauchen Führungskräfte sechs wichtige Kompetenzen.

Personal
Erfolgsstrategien für Führungskräfte

Führungskräfte: Die 6 wichtigsten Kompetenzen

Mit der richtigen Strategie lässt sich auch unter Stress erfolgreich führen. Sechs Kompetenzen brauchen Führungskräfte dafür, sagt Dr. Waldemar Pelz, Professor an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Welche das sind, erklärt er im Interview.

Markt und Mittelstand: Sie haben in Ihrer Studie Geschäftsführer der Hidden Champions interviewt und insgesamt rund 10.000 Führungskräfte in einer Online-Umfrage befragt. Ihr Ergebnis ist, dass „transformationales Führen“ der effektivste Führungsstil ist. Was genau bedeutet das?
Dr. Waldemar Pelz:  Dieser Begriff bezeichnet einen Führungsstil, der das Verhalten und die Einstellungen von Mitarbeitern verändern (transformieren) kann. Wenn sich die Erwartungen der Kunden, die technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer schneller verändern, müssen sich auch die Menschen – Vorgesetzte wie Mitarbeiter – verändern, damit sie langfristig erfolgreich sein können.

MuM: Was müssen Führungskräfte tun, um sich auf diese Veränderungen einzustellen?
Pelz:
Will eine Führungskraft diesen Wandel aktiv gestalten und ihre Mitarbeiter „mitziehen“, muss sie vor allem Vorbild sein. Das wissen die meisten, nur wenige verhalten sich aber im Alltag so, dass sie als Vorbilder wahrgenommen werden. Diese konkreten Verhaltensweisen machen die erste Kompetenz aus. Demnach muss eine vorbildliche Führungskraft unter anderem ihre Werte leben, authentisch und glaubwürdig sein, meinen, was sie sagt, sich Respekt, Vertrauen und Anerkennung erarbeiten. Die Vorbildfunktion hat den größten Einfluss auf das Verhalten anderer Menschen.

MuM: Wo hapert es denn am meisten bei der Umsetzung?
Pelz:
Viele behaupten oder glauben, Vorbild zu sein, die wenigsten sind es aber tatsächlich. Der größte Fehler ist zu wissen, was zu tun ist, es aber doch nicht zu praktizieren. Viele Führungskräfte sind Wissensriesen aber Umsetzungszwerge. Es sind die Zauderer, die „Aussitzer“, die Distanzierten – aber auch die Hyperaktiven mit niedrigem Wirkungsgrad.

Dr. Waldemar Pelz ist Professor für Internationales Management und Marketing an der Technischen Hochschule Mittelhessen.

Dr. Waldemar Pelz ist Professor für Internationales Management und Marketing an der Technischen Hochschule Mittelhessen.

MuM: Das klingt, als könne einiges falsch laufen. Welche Fehler beobachten Sie am häufigsten bei Führungskräften?
Pelz:
Gravierende Fehler sind beliebte, aber unwirksame oder kontraproduktive Führungsmethoden und Praktiken. Ein Beispiel sind materielle und immaterielle Anreize, die einen zu großen Stellenwert haben und somit zum Selbstzweck degenerieren. Das hat schon vor dreißig Jahren – wenn überhaupt – schlecht funktioniert. Dazu gehören auch (oft unrealistische) Karriereversprechen, Vorteile und Privilegien in Aussicht zu stellen, wenn die Mitarbeiter sich entsprechend „anstrengen“.  Genauso unproduktiv sind Dominanzstreben, Imponiergehabe, Machtspiele und Druck ausüben. Um es ganz klar zu sagen: Es gibt kein ideales Unternehmen; Tatsache ist aber, dass es vielen sehr gut gelingt, diesen gesunden Menschenverstand anzuwenden - und andern eben nicht.

MuM:
Für Führungskräfte gehören Stress-Situationen zum Alltag. Wie können sie lernen richtig damit umzugehen?
Pelz:
Stress ist etwas Positives und treibt uns zu Höchstleistungen. Ein Fußballspiel oder ein Formel-1-Rennen sind ohne Stress kaum denkbar. Das gilt sowohl für sportliche als auch für unternehmerische Spitzenleistungen. Stress wird nur dann problematisch, wenn Führungskräfte nicht lernen, mit emotionalen Belastungen konstruktiv umzugehen. Wir nennen diese Kompetenz Emotions- und Stimmungsmanagement. Die Frage ist dabei, ob oder wie gut es der Führungskraft gelingt, sich selbst und Andere in eine positive Gefühlslage zu versetzen. Erfolgreiche Manager verstehen eigenes und fremdes Verhalten besser als Andere und können es gezielt beeinflussen. Es sind nicht die sachlichen, sondern die emotionalen Probleme, die uns die meiste Zeit, Energie und Freude an der Arbeit rauben und somit Stress verursachen.

MuM:
Lässt sich dieser negative Stress vermeiden?
Pelz:
Sicherlich kann man als Unternehmer auch mit Angst, Druck, „Belohnungen“ und „Bestrafungen“ kurzfristig einiges erreichen. Damit erzeugt man allerdings negative Energie, die längerfristig das Klima vergiftet. Wesentlich produktiver und „wirtschaftlicher“ ist dagegen positive Energie. Die Quelle für diese Energie sind Werte wie Kreativität, Ehrgeiz, Integrität, Vertrauen, Optimismus, Mut und persönliche Reife.

MuM:
Sie sprechen von insgesamt sechs Kompetenzen, die wichtig sind um erfolgreich zu führen. Welche sind dies, neben der Vorbild-Funktion?
Pelz:
Eine weitere Kompetenz ist die Fähigkeit, Ziele und Perspektiven zu vermitteln. Nur so können Mitarbeiter Erfolgserlebnisse haben und stolz auf ihre Leistungen sein. Hohe Maßstäbe, attraktive Ziele und persönliche Erfolge sind die stärksten Motivatoren. Weil aber alle Menschen soziale Wesen sind, kommt eine weitere Kompetenz hinzu, nämlich die Fähigkeit, für eine offene Kommunikation und Zusammenarbeit zu sorgen, die auf fairen Spielregeln gründet. Im Team muss jeder seine Stärken kennen und wissen, wie er einen Beitrag zum Erfolg der Gemeinschaft leisten kann. Das bedeutet aber auch null Toleranz für Gerüchte, Intrigen, spitze Ellbogen und Egoismen.

MuM:
Wie lässt sich ein gutes Miteinander fördern?
Pelz:
Damit jeder auf seine Leistungen stolz sein und sich Respekt und Anerkennung im Team erarbeiten kann, ist es extrem wichtig, die fachlichen und menschlichen Stärken weiterzuentwickeln. Im Grunde möchte jeder Mensch vorankommen und das geht nur durch regelmäßiges, offenes Feedback. Für Lernfähigkeit und Feedback zu sorgen, ist die vierte Kompetenz, über die eine erfolgreiche Führungskraft verfügen muss. Die fünfte und sechste Kompetenz sind Ergebnisorientierung und unternehmerische Haltung. Bei unseren Gesprächen mit Geschäftsführern der Hidden Champions ist uns immer wieder aufgefallen, dass sie menschlich und charakterlich äußerst unterschiedlich waren. Wenn sie etwas Gemeinsames haben, dann sind es nicht „visionäre“ oder „charismatische“ Eigenschaften, sondern die Fähigkeit, Ziele in messbare Resultate umzusetzen. Sie wissen, was zu tun ist, und setzen es einfach um. Dass nennen wir die unternehmerische Umsetzungskompetenz.

MuM:
Haben Sie einen einfachen, aber effektiven Tipp für Führungskräfte?
Pelz:
Beachten Sie vor allem eine Regel im Alltag: Seien Sie Vorbild, indem Sie das vorleben, was Sie von Anderen erwarten.