Montag, 19.08.2013
Solarbranche verzeichnet Umsatz- und Beschäftigungsrückgang

Lifesize/Thinkstock / Getty Images

Solarbranche verzeichnet Umsatz- und Beschäftigungsrückgang

Personal
Arbeitsplätze Energiesektor

Grüne Jobs: Studie warnt vor zu hohen Erwartungen

Der ökologische Umbau der deutschen Wirtschaft soll neue Arbeitsplätze schaffen, damit werben Politiker oft. Eine neue Studie wirft jedoch Zweifel an der Umsetzbarkeit auf. In der Solar-Branche zeigt sich schon jetzt ein Rückgang der Umsätze.

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht bis 2050 eine überwiegende Energieversorgung Deutschlands durch erneuerbare Energien vor. Dies geht einher mit dem Vorhaben neue Arbeitsplätze in diesem Bereich zu schaffen. Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, sprach auf dem Grünen-Länderrat im Juli 2013 von rund einer halbe Million potenziell möglicher Stellen in diesem Bereich. Die Euphorie für die sogenannten „grünen Jobs“ ist groß, doch eine neue Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) warnt vor zu hohen Erwartungen an die „Green Economy“ in Deutschland.
Bereits im vergangenen Wahlkampf hatten die Grünen mit rund einer Millionen neuer Jobs durch den ökologischen Umbau der Wirtschaft geworben. Auch die SPD unterstützte dies und hielt dieses Vorhaben im Rahmen der nächsten zehn Jahre für realistisch.

 

Nur geringer Anteil an Gesamtbeschäftigung

Autor Nico Pestel sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Ausgabe vom heutigen Montag, er glaube nicht, dass grüne Jobs auf absehbare Zeit für ein Beschäftigungswunder sorgen würden. Die Auswertung der vorliegenden Daten fällt eher negativ aus: Eine 2008 vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Studie ging von etwa 2 Millionen Beschäftigten im Umweltschutz aus. Diese Zahl entspricht allerdings nur rund 5 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland. Die Arbeitnehmerzahl im Bereich der Erneuerbaren Energien im Bau von Anlagen hat sich von 2004 bis 2012 zwar von 160.000 auf 380.000 mehr als verdoppelt, jedoch entspricht dies im Vergleich mit der Gesamtbeschäftigung in Deutschland weniger als 1 Prozent. Zudem seien zwei Drittel dieser Arbeitsplätze durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu erklären und die Jobs somit stark von der Subventionierung durch private und gewerbliche Stromverbraucher abhängig. Zwischen 2011 und 2012 war die Anzahl der Beschäftigten im Bereich der Erneuerbaren Energien sogar erstmals seit Erhebung der Daten rückläufig, so Pestel in der Anfang August diesen Jahres veröffentlichten Studie. Dies wird vor allem auf den Einbruch der Photovoltaik-Branche zurückgeführt, in welchem Unternehmer sich der zunehmenden Konkurrenz aus Niedriglohnländern ausgesetzt sehen. 

Skeptischer Ausblick

Das Fazit der Studie ist daher eher skeptisch und weist auch auf die Betrachtung der Netto-Bilanz hin: So müsse auch betrachtet werden ob nicht-grüne Jobs im Zuge des grünen Wandels der Wirtschaft wegfallen. Bis jetzt, so der Autor, werde nur eine Brutto-Bilanz der entstehenden Arbeitsplätze gezogen. Eine ökologische Umwandlung der Wirtschaft könne nur positiv ausfallen, wenn entstehende grüne Jobs wegfallende nicht-grüne Jobs ausgleichen oder der Wegfall nicht-grüner Jobs gering ausfalle. Ganz allgemein sei die Datenlage hierzu jedoch unzureichend, sowie eine international vergleichbare Definition von „grünen Jobs“ notwendig.

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