Mittwoch, 25.07.2012
Personal
Wirtschaftskriminalität

Hohe Wirtschaftskriminalität in NRW

Über die Hälfte der nordrhein-westfälischen Unternehmen klagt über kriminelle Wirtschaftsaktivitäten in ihrem Geschäftsumfeld. 2011 belief sich der wirtschaftliche Schaden durchschnittlich auf 3,38 Millionen Euro je Unternehmen.

Korruption, Wirtschaftsspionage sowie Diebstahl vertraulicher Kundendaten – für jeden Unternehmer ein Graus. Die sechste Studie der Prüfungsgesellschaft PwC  und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zur Wirtschaftskriminalität bestätigt ein besorgniserregendes Bild: 57 Prozent der nordrhein-westfälischen Unternehmen beklagen, bereits Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein. Damit liegen sie über dem Bundesdurchschnitt von 52 Prozent. Allen voran klagen die Unternehmer über Vermögensdelikte. Bundesweit sind 32 Prozent der befragten Unternehmer betroffen, an Rhein und Ruhr sind es immer noch 30 Prozent. Verstöße gegen Marken- und Patentrechte machen 19 Prozent aller Unternehmen in NRW zu schaffen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 17 Prozent.

Deutlich höhere Dunkelziffer

Um auch die Dunkelziffern in die Berechnungen einzuschließen, wurden ebenfalls sogenannte „konkrete Verdachtsfälle“ ausgewertet, die Unternehmen in ihrem Geschäftsumfeld äußerten. Diese eingeschlossen, steigt die Zahl der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen auf 75 Prozent.  Bei einzelnen Deliktarten liegen die Dunkelziffern noch deutlicher über der Zahl nachgewiesener Fälle. Während 5 Prozent der Unternehmer konkrete Fälle von Wirtschaftsspionage berichteten, so hatten 13 Prozent einen zumindest greifbaren Verdacht.

Hoher Schaden durch Wirtschaftskriminalität

Der finanzielle Schaden für die Unternehmen ist immens. Im Bundesdurchschnitt kostet Wirtschaftskriminalität die Unternehmen rund 8,39 Millionen Euro pro Jahr. In NRW mussten Unternehmer mit finanziellen Schäden von 3,83 Millionen rechnen. Besonders schwer wiegen hier die Korruptionsdelikte, denn je betroffenem Unternehmen entstanden 2011 Schäden in Höhe von durchschnittlich 7,07 Millionen Euro.

In den vergangenen Jahren hat sich die Medienberichterstattung über Korruptionsfälle intensiviert und stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert. Dementsprechend reagieren Unternehmer sensibler auf den entstehenden Image-Verlust. 40 Prozent der deutschen Unternehmer fürchteten 2011 um ihre Reputation infolge von Wirtschaftskriminalität, zehn Jahre zuvor waren es gerade einmal 10 Prozent. Korruption, Verstöße gegen das Marken- und Patentrecht sowie der Diebstahl vertraulicher Kundendaten haben die gravierendsten Folgen für das Ansehen eines Unternehmens.

Anti-Korruptionsprogramme nehmen zu

Viel stärker noch leiden die Unternehmen jedoch unter dem finanziellen und zeitlichen Aufwand, den sie in das Management der Delikte investieren müssen. Für 90 Prozent der nordrheinwestfälischen Unternehmer sind diese Folgen gravierend.
Prävention lohnt sich also immer mehr. Bereits 58 Prozent der Unternehmen in NRW haben Anti-Korruptionsprogramme in ihre Unternehmensstrategie integriert. Ein kleiner Erfolg hat sich bereits eingestellt: Die Zahl der Unternehmen, die durch Korruption seitens eines Mitbewerbers Auftragsverluste fürchteten, sank innerhalb von vier Jahren um drei Prozent.

Quelle: PwC Deutschland, Martin-Luther-Universität Halle-Lichtenberg, Markt und Mittelstand

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