Montag, 31.10.2016
In wenigen Metern vom Bett ins Büro: Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden wird immer beliebter.

Foto: AnaBGD/Thinkstock/Getty Images

In wenigen Metern vom Bett ins Büro: Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden wird immer beliebter.

Personal
Stolperfallen bei der Heimarbeit

Home-Office: Das müssen Arbeitgeber beachten

Home-Office-Tätigkeiten erfordern spezielle Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und doch kommt es immer wieder zu Streitigkeiten - vor allem, wenn während der Arbeitszeit ein Unfall passiert.
Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden wird immer beliebter. Eine Home-Office-Tätigkeit erfordert jedoch eine spezielle Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Führt der Arbeitnehmer von zu Hause gelegentlich geschäftliche Telefonate, kann eine mündliche Absprache unter Umständen ausreichen. Sind feste Einsatzzeiten in den eigenen vier Wänden vorgesehen, sollte die Vereinbarung immer schriftlich erfolgen - entweder direkt im Arbeitsvertrag oder als separate Zusatzvereinbarung.

Der Vertrag sollte etwa genau festlegen, an wie vielen Tagen in der Woche zu Hause gearbeitet wird und welche Pausenzeiten gelten. Darüber hinaus sollte vereinbart werden, wie die Arbeitszeit erfasst wird und unter welchen Umständen vergütete Mehrarbeit zulässig ist. Überstunden sollten nur nach vorheriger Absprache erfolgen können.

Nicht zuletzt ist zu vereinbaren, welche Kosten der Arbeitgeber für IT, Telefon- und Internetanschluss übernimmt. Auch sollte geklärt sein, ob und in welchem Umfang der Arbeitgeber Zugang zum Heimarbeitsplatz erhält. 

Einseitige Vereinbarungen schnell unwirksam

Wichtig sind nicht nur die Modalitäten, sondern auch die Frage, wie eine Vereinbarung zustande gekommen ist. Einseitige Vereinbarungen zum Vorteil des Unternehmens sind schnell unwirksam. Laut Urteil des Landesarbeitsgericht Düsseldorf (LAG Düsseldorf, Az. 12 Sa 505/14) ist die Kündigung einer Home-Office-Regelung ungültig, wenn sie auf einer einseitig vom Arbeitgeber formulierten allgemeinen Vertragsbedingung beruht, deren Widerrufsklausel die Interessen des Arbeitnehmers nicht ausreichend berücksichtigt.

Dies gilt selbst dann, wenn der Arbeitgeber die vertraglich vereinbarte Widerrufs- und Kündigungsfrist einhält. Unter Umständen bleibt dem Unternehmen nur der Weg einer Änderungskündigung, um die Heimarbeit zu beenden. Ein Erfolg ist jedoch nicht garantiert, da gegebenenfalls Kündigungsschutz besteht. Grundsätzlich gilt: Je ausgewogener der Vertrag ausgehandelt ist, desto geringer ist das Konfliktpotential mit dem Arbeitsgericht.

Auch versicherungsrechtliche Dinge können in der Homeoffice-Vereinbarung berücksichtigt werden. Über die gesetzliche Unfallversicherung sind nur Unfälle direkt am heimischen Arbeitsplatz abgedeckt. Laut Urteil des Bundessozialgerichts (BSG, Az. B 2 U 5/15 R) ist jedoch der Weg vom Home-Office in andere Räumlichkeiten, wie etwa zur Küche, nicht versichert. Wer als Arbeitnehmer auf dem Weg ins Büro bisher sein Kind noch vorher in den Kindergarten gebracht hat, ist über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Auf dem Weg zum oder vom Kindergarten zurück ins heimische Büro besteht ein solcher Versicherungsschutz nicht. Nach Auffassung der Richter des Sozialgerichts Hannover (SG Hannover, Az. S 22 U 1/15) handelt es sich dabei nicht um einen versicherten Weg von der oder zur Arbeitsstätte. Die Parteien sollten daher sicherstellen, dass der verbleibende Versicherungsschutz ausreichend ist.
Autor

Rebekka De Conno, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei WWS Wirtz, Walter, Schmitz und Partner mbB in Mönchengladbach.