Donnerstag, 01.03.2012
Personal
Fachkräfte aus Krisenländern

Import-Fachkräfte-Check

Fachkräfte in Krisenländern anzuwerben, klingt erst einmal gut und scheint auch zu funktionieren, wie das aktuelle Beispiel in Schwäbisch Hall zeigt. Aber Unternehmen unterschätzen dabei oft den Aufwand und naheliegendere Lösungen.

„Die Stadt, wo die Jobs Leute suchen" – die portugiesische Wirtschaftszeitung "Diário Económico" machte gute Werbung für die Stadt Schwäbisch Hall. Ende Januar hat die Stadt Journalisten aus Spanien, Griechenland, Italien und Portugal eingeladen und um Fachkräfte aus den Ländern geworben. Und es scheint gewirkt zu haben: Rund 10.000 Portugiesen haben seitdem bei Arbeitsagentur, Stadtverwaltung und den ansässigen Unternehmen ihre Jobbewerbung eingereicht.

Ganz schön viel Auswahl für die rund 40.000-Einwohnerstadt. Laut Arbeitsagentur gab es im Februar rund 1.600 offene Stellen. Die Stadt freut sich, denn die Aktion hat rund 10.000 Euro gekostet. 1 Euro für eine Bewerbung: Der Aufwand ist überschaubar. Aber nur für die Stadt.

Die Idee mit dem Anwerben in Krisenstaaten ist nicht schlecht, aber Mittelständler wie Klafs Sauna, Verpackungsmaschinenhersteller Optima oder auch Voith und Würth dürfen nicht denken, dass der ganze Aufwand von der Stadt getragen wird. Denn die Investitionskosten, die die Unternehmen tätigen müssen, um die neuen Fachkräften voll einsetzen zu können, sind hoch. Dass investiert werden muss, ist klar, denn schließlich wollen die Unternehmen auch gute Kräfte gewinnen. Aber der Aufwand wird meist unterschätzt.

Zuerst einmal müssen Sprachkurse übernommen werden und in dieser Zeit ist die neue Fachkraft keineswegs voll einsetzbar. Oft ist ein Mentor aus dem deutschen Unternehmen nötig, der zur Seite steht. Die Hilfe bei der Wohnungssuche und bei Ämtergängen kostet Zeit und Geld. Zudem haben Südeuropäer andere Erwartungen an ihren Arbeitgeber. So wird zum Beispiel Familienfreundlichkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorausgesetzt. Deutsche Mittelständler haben da einen Vorteil. Trotzdem ist der Aufwand oft größer als der Nutzen. Warum nicht einfach das ungenutzte Potenzial in Deutschland nutzen und zum Beispiel Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund stärker in der Aus- und Weiterbildung fördern?

 

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