Dienstag, 12.02.2013
Personal
Lebensmittelpreise

Kartellamt untersucht Lebensmittelhändler

Das Bundeskartellamt nimmt die oft kritisierte Marktmacht der großen Handelsketten im Lebensmittelmarkt unter die Lupe. Bis Ende 2013 sollen Daten gesammelt und Unternehmen befragt werden.

Das Bundeskartellamt will bis Ende 2013 Daten zur Macht der großen Handelsketten im Lebensmittelmarkt vorlegen. Das kündigte Kartellamtspräsident Andreas Mundt in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" an. „Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, werden wir bis Ende dieses Jahres Ergebnisse vorlegen.“ Die Prüfung war bereits im Jahr 2011 gestartet worden. „Im Fokus der Untersuchung stehen die Wettbewerbsbedingungen auf den Märkten für die Beschaffung von Nahrungs- und Genussmitteln durch die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels“, hieß es damals.

Wie Mundt nun berichtete bekommt das Bundeskartellamt regelmäßig Beschwerden von Lebensmittelherstellern, die die Einkaufspraktiken des Handels kritisieren. „Ob sich dieses Verhalten noch im Bereich des "harten Verhandelns" bewegt oder ob wir es bereits mit kartellrechtlich relevanten Fragen zu tun haben, gilt es genauer zu analysieren“, sagte Mundt.

Fragebögen an 200 Hersteller

Um weitere Daten zu sammeln und die Einkaufsmacht der Handelsunternehmen zu bewerten, hat das Kartellamt umfangreiche Fragebögen an 21 Handelsunternehmen und rund 200 Hersteller verschickt. Darin werden größere Warengruppen untersucht, aber stichprobenhaft Produktmärkte, wie beispielsweise Beispiel Gemüsekonserven, Milch, Butter oder Tiefkühlpizza und Röstkaffee. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die führenden Handelsunternehmen Einkaufsvorteile gegenüber ihren Wettbewerbern genießen und worauf diese beruhen. „Wir wollen uns einen Überblick darüber verschaffen, ob dieser Wettbewerb zwischen Lebensmittelhändlern und Herstellern noch in allen Bereichen mit fairen Mitteln geführt wird“, erklärte Mundt.

Er verwies außerdem auf den hohen Konzentrationsgrad im deutschen Lebensmittelhandel: „Am Ende des vergangenen Jahrtausends gab es bundesweit noch acht verschiedene größere Handelsketten. Heute konzentrieren sich 85 Prozent des Lebensmittelumsatzes auf gerade noch vier Unternehmen.“ Auch die Aussage, dass die eher niedrigen Lebensmittelpreise in Deutschland einen funktionierenden Wettbewerb belegen, will er nicht stehen lassen: „Ich habe noch keine belastbare Studie gesehen, die diese gemeinhin pauschalen Aussagen tatsächlich stützt. Wir liegen beim Preisniveau europäisch eher im Mittelfeld.“