Freitag, 20.04.2012
Personal
Arbeitsrechtler raten dennoch Bewerbern Absage zu begründen

Kein Recht auf Begründung der Absage

Bewerber, die von einem Unternehmen abgelehnt wurden und sich diskriminiert fühlen, haben keinen Anspruch auf Auskunft welcher Kandidat eingestellt wurde und die Auswahlkriterien. Doch kann die Verweigerung von Informationen als Indiz für Diskriminierung herangezogen werden und somit rechtliche Folgen haben.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am Donnerstag entschieden, dass Unternehmen nicht dazu verpflichtet sind Bewerbern Auskunft zu geben, ob und wer auf eine ausgeschriebene Stelle eingestellt wurde. Noch müssen sie das Bewerbungsverfahren mit den Einstellungskriterien offenlegen. Gleichzeitig kann eine Verweigerung von Informationen "ein Gesichtspunkt sein, der im Rahmen des Nachweises von Tatsachen, die das Vorliegen einer unmittelbaren oder mittelbaren Diskriminierung vermuten lassen, heranzuziehen ist", teilte die Zweite Kammer des EuGH mit. Aufgrund der Entscheidung der EU-Richter ist die bisherige Empfehlung von Arbeitsrechtlern möglichst nichtssagende Absagen zu formulieren zu überdenken.

Ausgangspunkt der richterlichen Entscheidung war die Klage einer 45-jährigen Ingenieurin, russischer Herkunft, die sich als Softwareentwicklerin bei einem deutschen Unternehmen beworben hatte. Nachdem Sie keine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhielt, obwohl die Stellenanzeige ein zweites Mal ausgeschrieben wurde, reichte sie eine Klage auf Schadensersatz, da sie sich aufgrund ihres Geschlechts, Alters und Herkunft diskriminiert fühlte. Zudem forderte sie die Vorlage der Bewerbungsunterlagen des eingestellten Kandidaten, um ihre vermeintlich bessere Eignung beweisen zu können.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Markt und Mittelstand