Freitag, 13.09.2013
Mittelständische Unternehmen brauchen personelle Vielfalt und Innovation, um sich durchzusetzen.

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Mittelständische Unternehmen brauchen personelle Vielfalt und Innovation, um sich durchzusetzen.

Personal
Wachstumsstrategien für den Mittelstand

Lang erprobtes Erfolgsrezept Vielfalt

Mittelständische Unternehmen stehen vor globalen Herausforderungen. Um diese zu meistern, braucht es personelle Vielfalt, da ist sich Ralf Sturm, Personalleiter von ebm-papst Mulfingen, sicher. Denn Vielfalt ist entscheidend, um Kundenwünsche im globalen Umfeld optimal zu erfüllen. Warum, erklärt er im Interview.

 

Markt und Mittelstand: ebm-papst hat mit 35 Mitarbeitern als kleines, regionales Unternehmen angefangen und ist inzwischen in über 50  Ländern mit Standorten vertreten. Welchen Beitrag hat die personelle Vielfalt hier geleistet?
Ralf Sturm:
Man kann nur wachsen – und das gilt im Besonderen für globale Aktivitäten –, wenn man die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden erkennt und erfüllt. Und hierfür ist die personelle Vielfalt ausschlaggebend. Wir sind auf allen Kontinenten vertreten, und überall haben Kunden und Märkte ihre ganz eigenen Anforderungen. Je vielfältiger die Talente der Mitarbeiter sind, desto breiter und gezielter können wir auch auf die diversen Kundenbedürfnisse eingehen.
Schon seit den Anfangsjahren entwickelte sich bei ebm-papst Mulfingen eine personelle Vielfalt, die das überdurchschnittliche Wachstum des Unternehmens über die Jahre begleitet hat. Im ländlich strukturierten Raum Hohenlohe-Franken wurden zunächst viele ehemalige Landwirte beschäftigt, dann auch südeuropäische Gastarbeiter. Diese vielfältige Mitarbeiterschaft ist bis heute im Unternehmen präsent.

Ralf Sturm ist Personalleiter des mittelständischen Unternehmens ebm-papst Mulfingen

Ralf Sturm ist Personalleiter des mittelständischen Unternehmens ebm-papst Mulfingen

MuM: Das heißt, mit individueller Verschiedenheit der Belegschaft lassen sich die individuellen Kundenbedürfnisse besser erfüllen. Und das führt zu größerem Umsatz?
Sturm: Ja, denn die Verschiedenheit der Mitarbeiter fördert die Kreativität und den Ideenreichtum im Unternehmen. Diese Ideen verhelfen uns zu neuen Innovationen und Produktentwicklungen. Wir setzen dadurch stetig neue Marktstandards und überzeugen schließlich unsere Kunden. Das sichert uns die Auftragslage und damit auch den Umsatz.


MuM: Wie fördern Sie Diversität?
Sturm: Die Förderung der Frauen etwa hat bei uns einen hohen Stellenwert. Denn heutzutage bekommen die Frauen oft erst Kinder, wenn sie über 30 und bereits hochqualifiziert sind. Gerade mit Blick auf den derzeitigen Fachkräftemangel sind sie für das Unternehmen unentbehrlich. Also setzen wir auf flexible Arbeitszeitmodelle. 15-20 Stunden-Wochen nach der Rückkehr aus der Elternzeit sind Standard bei uns, so können sich die Mitarbeiterinnen wieder Schritt für Schritt  in das Unternehmen eingliedern.  


MuM: Sie betreuen 2.800 Mitarbeiter. Rekrutieren Sie gezielt sehr unterschiedliche Menschen?
Sturm: Wir haben eine sehr vielfältige und ausgewogene Mitarbeiterstruktur, aber nicht nur durch Recruiting. Es geht hier um die individuellen, besonderen Fähigkeiten und Talente unserer Mitarbeiter, die wir gezielt fördern. Beim Recruiting achten wir eher darauf, dass die Kompetenzen und die Aufgaben des Mitarbeiters gut zusammen passen, dies muss nicht immer mit einem hervorragenden Schulzeugnis einhergehen. In Einzel- und Gruppenseminaren können sich die Mitarbeiter überdies weiterentwickeln. Führungskräfte werden außerdem darin geschult, mit unterschiedlichen Mitarbeitergruppen zu arbeiten, die einzelnen Potenziale zu erkennen und diese aufgabenorientiert gezielt einzusetzen.  


MuM: Sie sagen, Sie hätten von Anfang an auf Diversität gesetzt. Wann haben Sie die Vorteile von Vielfalt erkannt?
Sturm: Vor fast 50 Jahren brauchten wir natürlich in erster Linie neue Mitarbeiter – aber wir haben schnell erkannt, dass Verschiedenheit sehr viel Positives mit sich bringen kann. Eine kleine Anekdote zeigt das ganz gut: Wir hatten vor 40 Jahren einen wichtigen Auftrag, den wir unbedingt ausliefern mussten, aber dafür wäre es erforderlich gewesen, am Karfreitag zu arbeiten. Dies konnten wir den katholischen und evangelischen Mitarbeitern nicht zumuten. Damals jedoch hatten wir auch viele griechische Mitarbeiter, die aufgrund ihres julianischen Kalenders (griechisch orthodox) Ostern später feiern und deshalb unseren Karfreitag nicht als Feiertag begingen. Also entschieden sie sich kurzerhand, an dem Tag anzupacken – und das brachte dem Unternehmen die pünktliche Lieferung und viele Folgeaufträge.