Freitag, 21.02.2020
Ben Palmer ist Chefdirigent bei der Deutschen Philharmonie Merck.

Foto: Jochen Kratschmer

Ben Palmer ist Chefdirigent bei der Deutschen Philharmonie Merck.

Personal
Von Anderen lernen

Was Führungskräfte von Dirigenten lernen können

Führungskräfte gibt es nicht nur in klassischen Unternehmen. Was Geschäftsführer von Dirigenten lernen können und wie er sich auf Konzerte vorbereitet, berichtet Ben Palmer, Chefdirigent der Deutschen Philharmonie Merck.

“Ein klassisches Konzert ist ein bisschen wie eine Dinnerparty. Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen kommen zu unseren Konzerten zusammen und wollen eine gute Zeit haben. Als Dirigent sehe ich meine Aufgabe vor allem darin, ein guter Gastgeber sein – für mein Publikum, aber auch für meine Musiker.

Bei manchen Orchestern ist der Dirigent regelrecht verhasst, weil er wie ein Diktator auftritt. Das will ich keinesfalls, das wäre respektlos und ist nicht mein Führungsstil. Unsere Musiker sind allesamt Vollprofis, die ihr Instrument meisterhaft beherrschen. Als Dirigent kann ich ihnen nicht vorschreiben, was sie zu spielen haben. Mein Part ist es vielmehr, eine stimmige Interpretation des Stückes zu finden und die Klangfarben der einzelnen Konzertpartien festzulegen. Die musikalische Feinjustierung erarbeiten wir dann in den Proben zusammen. Bei der Umsetzung der Partitur spielen die Stimmführer eine wichtige Rolle: Sie haben in ihrer jeweiligen Instrumentalgruppe das Sagen und sprechen für die ganze Gruppe. Wenn ein Erster Geiger oder Trompeter bei einem Stück eine andere Akzentuierung vorschlägt, bin ich dafür immer offen. Nicht selten haben die Musiker sogar bessere Ideen als ich.

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Meine Hauptaufgabe als Dirigent besteht darin, für disziplinierte und konzentrierte Proben zu sorgen und sicherzustellen, dass das Orchester als symphonischer Klangkörper funktioniert. Die Deutsche Philharmonie Merck (DPM) besteht aus bis zu 120 Musikern, je nachdem, wie viele Musiker mitwirken. 2018 habe ich mehr als 80 Konzerte dirigiert, nicht nur bei der DPM. Für ein solches Pensum muss man sich organisieren können – und ein gutes Gespür fürs Timing haben. Wenn wir viele neue Stücke einüben – vielleicht sogar noch eines mit Chor –, ist die Vorbereitung besonders komplex. Damit ich mich für die Proben gut präparieren kann, besorge ich mir die Noten bis zu zwei Jahre vor dem Konzerttermin. Ich arbeite die Partitur gründlich durch und versuche zu verstehen, was der Komponist ausdrücken wollte. Zugleich will ich jedes Werk natürlich auch eigenständig interpretieren. Jedes Profi-Orchester will eine Marke werden, wie die Berliner Philharmoniker. So weit sind wir freilich noch nicht. Beim Publikum sind wir aber schon jetzt beliebt. Unsere Konzerte sind meistens ausverkauft.

Obwohl wir zum Großteil ein regionales Publikum haben und lokal verwurzelt sind, sind wir auch international erfolgreich. Das Orchester ist bereits in der ganzen Welt aufgetreten. Musiker aus unserem Ensemble gehen regelmäßig zu bedeutenden anderen Orchestern, etwa nach Rotterdam, nach Kopenhagen oder auch zur Staatsoper nach Hamburg, wo sie zum Teil fest engagiert sind. Die Verbindung zu uns geht jedoch fast nie verloren. Zu Gastauftritten kommen alle gern wieder zurück nach Darmstadt. Das hat auch einen banalen, aber extrem wichtigen Grund: Meine Orchestermusiker und ich als Dirigent haben großen Spaß an dem, was wir tun. Das spürt unser Publikum – und man hört es.“

 

Protokoll: Jens Kemle