Freitag, 01.05.2020
Drastische Entscheidungen: Taugt die Bienenkönigin nichts, wird sie zerquetscht und ersetzt.

Foto: Ratikova/ iStock/ Getty Images

Drastische Entscheidungen: Taugt die Bienenkönigin nichts, wird sie zerquetscht und ersetzt.

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Was Führungskräfte von Imkern lernen können

Führungskräfte gibt es nicht nur in klassischen Unternehmen. Was Geschäftsführer von Imkern lernen können und wann eine Bienenkönigin bei ihm abdanken muss, berichtet Holmer Drews, Präsident des Imkervereins Bee Friends Frankfurt.

„Als gute Führungskraft müssen meine Entscheidungen überzeugend sein und dem Wohle der anderen dienen. Für mich als Imker bedeutet das, manchmal auch drastische und sogar gnadenlose Entscheidungen treffen zu müssen. Das heißt: Taugt die Königin nichts, muss ich sie zerquetschen. Ob eine Bienenkönigin gut oder schlecht ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Viele Imker messen den Erfolg in Kilogramm, das heißt, wie viel Honig sie ernten können. In der Regel werden Königinnen nach ein bis zwei Jahren ersetzt. Ich sehe meine Bienen aber weniger als Wirtschaftsvolk, es geht mir hauptsächlich um einen guten Bestand und das Überleben. Königinnen müssen bei mir nur dann abdanken, wenn das Erbgut schlecht ist. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass das Volk für Krankheiten anfällig ist oder die Population unabhängig von externen Faktoren drastisch schrumpft.

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Die Bienen können sich selbst eine neue Königin ziehen, wenn ich die Waben mit Eiern aus einem anderen Bienenstock bestücke. Manchmal kaufe ich aber einfach eine neue beim Fachhändler. Eine Bienenkönigin kostet – je nach Art – zwischen ein paar Euro und fast 100 Euro. Aber unabhängig vom Preis merkt man immer erst im Nachhinein, ob man eine gute Wahl getroffen hat oder nicht. Ein schlechtes Händchen zeigt sich, wenn die Arbeiterinnen wenig Honig produzieren. Außerdem stechen mich die Bienen häufiger, wenn sie unzufrieden sind.

Grundsätzlich sind Bienen friedvolle und fleißige Tiere. Was viele nicht wissen: Sie sind zudem autonom und motivieren sich selbst maximal. Gehen zum Beispiel die Vorräte zur Neige, kundschaften sie die Umgebung selbständig aus und teilen den Kollegen den neuen Fundort mit. Die Arbeitsabläufe sind dabei klar nach Aufgaben definiert. Gleichzeitig passen sich Bienen aber auch sehr schnell und permanent den sich verändernden Umweltbedingungen an.

Um den Ertrag künstlich zu erhöhen, kann ich das Volk an einem anderen Ort ansiedeln, wo es mehr Nahrung gibt. Einige Imker „wandern“ auch. Das bedeutet, dass sie die Bienenstöcke an mehreren Orten stationieren, um so unterschiedliche Honigsorten zu kreieren. Das finde ich egoistisch. Die Bedürfnisse der Bienen spielen bei mir eine große Rolle. Aber klar habe auch ich wirtschaftliche Interessen. Jeder Imker ist ein Honigräuber, der in die natürlichen Abläufe eingreift und stört. Im Gegenzug muss ich Ersatz schaffen: Damit die Bienen nicht verhungern, bekommen sie ein Gemisch aus Zucker und Wasser. Den geernteten Honig verkaufe ich in der Region, womit ich einen Teil meiner Kosten decke.

Führung ist bei Imkern immer auch eine Frage von Leben und Tod. Manchmal muss man diese Entscheidung bewusst treffen, es kann aber auch die Folge von Missmanagement sein. Am Ende des Winters wird Bilanz gezogen. Wenn man auch nur den kleinsten Fehler gemacht hat, ist im schlimmsten Fall das gesamte Bienenvolk tot.“

 

Protokoll: Alexandra Jarchau