Montag, 04.03.2013
Die Unternehmensnachfolge rechtzeitig und konsequent zu regeln setzt sich immer stärker durch.

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Die Unternehmensnachfolge rechtzeitig und konsequent zu regeln setzt sich immer stärker durch.

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Unternehmensnachfolge

Lerneffekte bei der Unternehmensnachfolge

Eine misslungene Unternehmensnachfolge birgt enorme Risiken, die selbst die Existenz eines Unternehmens bedrohen können. Umso erfreulicher, dass Familienunternehmen diesen wichtigen Prozess immer besser in den Griff bekommen.

Familienunternehmen werden immer besser darin, die Risiken eines  Generationenwechsels zu meistern und Chancen daraus zu generieren. Sowohl in der Führungs- als auch in der Beteiligungsnachfolge werden wichtige Erfolgsfaktoren inzwischen deutlich besser und klarer geregelt als dies noch in der letzten Nachfolge der betreffenden Familienunternehmen der Fall war. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der INTES Akademie für Familienunternehmen in Kooperation mit Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und dem Verband Die Familienunternehmer – ASU / Die jungen Unternehmer – BJU, für die die Lerneffekte in Familienunternehmen seit der letzten Nachfolge untersucht wurden.

Für die Studie wurden insgesamt weit über 100 deutsche Familienunternehmen gefragt, die im Schnitt mit 850 Mitarbeitern einen Umsatz von über 100 Millionen Euro erwirtschaften. „Jeder Inhaber eines Familienunternehmens ist Teil von zwei Nachfolgeprozessen – beim ersten Mal als jener, der in eine Rolle im Unternehmen eintritt, beim zweiten Mal als jener, der an die nächste Generation abgibt“, erläutert Prof. Dr. Peter May, Gründer der INTES Akademie für Familienunternehmen. „Aus diesem Grund haben wir erstmals nicht nur die eine Nachfolge als singuläres Ereignis untersucht, sondern die Verknüpfungen von Nachfolge eins und Nachfolge zwei.“

Ermutigende Ergebnisse

Inzwischen werden demnach viele Aspekte der Nachfolgeplanung deutlich klarer und besser geregelt. Darüber hinaus haben Familienunternehmen heute mit veränderten Rahmenbedingungen und einem anderen Zeitgeist zu tun, was dazu führt, dass Entscheidungen verstärke im Dialog gefällt werden und seltener als reine  Patriarchen-Entscheidung.

Aus den positiven Erfahrungen lassen sich außerdem Lehren für die Zukunft ableiten. Wer die Unternehmensanteile an mehrere Nachkommen überträgt, muss diese einbinden und heranführen. Dies zeigt sich auch bei der nachträglichen Bewertung der Nachfolgen. Wer seine Nachfolge als gelungen einstufte, hat die Mitgesellschafter in jedem zweiten Fall (50 Prozent) bereits im Vorfeld ausgebildet und gefördert. Bei den als schlecht empfundenen Nachfolgen wurden gerade einmal 13 Prozent fortgebildet, um Ihrer Rolle besser gewachsen zu sein. Die betroffenen Unternehmen ziehen daraus entsprechende Lehren: 83 Prozent der erfolgreichen Nachfolger (bzw. 63 Prozent bei den erfolglosen) wollen es bei der nächsten Übergabe besser machen.

Lehren für die Unternehmensnachfolge

Neben einer frühen Förderung der Nachfolger helfen noch weitere Faktoren bei einer gelungenen Unternehmensnachfolge, beispielsweise ein konkreter Zeitplan. Bei der letzten Überhabe hatten dies nur 46 Prozent der Unternehmen, heute planen dies 70 Prozent. Auch eine vorherige externe Karriere des Nachfolgers wird in immer mehr Unternehmen als hilfreich und angesehen und kann Konflikte vermeiden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausstiegsplanung für den Senior. Nur jeder vierte Unternehmer (38 Prozent) hat im Vorfeld seiner Übergabe eine feste Regelung dafür getroffen. Schon kurz nach der Übergabe steigt die Zahl derer, die solch eine Regelung festschreiben wollen auf über 80 Prozent.

„Erfolgreiche Familienunternehmer haben bewiesen, dass es immer dann gelingt, die Herausforderungen des Generationenwechsels in eine Chance zu verwandeln, wenn die Veränderungen planbar gemacht werden“, resümiert Stephan Rupprecht, Partner bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. „Zwar kann auch eine gute Nachfolgeplanung ein Scheitern im Zuge des Generationenübergangs nicht gänzlich verhindern. Aber sie erhöht die Chancen immens, zu den Familienunternehmen zu gehören, die den Sprung in die nächste Generation erfolgreich bewältigen.“