Freitag, 06.09.2013
Nokia Konzernzentrale: 32.000 Nokia Mitarbeiter wechseln zu Microsoft.

Nokia

Nokia Konzernzentrale: 32.000 Nokia Mitarbeiter wechseln zu Microsoft.

Personal
Microsoft kauft Nokia-Handysparte

Microsoft-Deal: Mitarbeiterübernahme bei M&A

Microsoft kauft die Handysparte von Nokia und muss alle Mitarbeiter übernehmen. Auch auf dem mittelständischen M&A-Markt in Deutschland herrscht wieder Bewegung. Die Übernahme von Mitarbeitern ist dabei meist ein zentrales Thema.

Befreiungsschlag oder letzter Strohhalm?  Schafft der Konzern damit den Anschluss an Apple und Samsung, oder wird der Deal zum Milliardengrab? Fakt ist: Mit der 5,4 Milliarden Euro teuren Übernahme steigt Microsoft offiziell ins Handygeschäft ein. Bisher lieferte Microsoft das Betriebssystem Windows Phone und Nokia produzierte die entsprechende Hardware, darunter die Lumia-Serie. Künftig bietet Microsoft alles aus einer Hand – ähnlich wie Apple, wo Telefone und das Betriebssystem iOS ebenfalls unter einem Dach entstehen. Microsoft übernimmt mit dem Deal nicht nur die Handy-Sparte, sondern muss auch alle Mitarbeiter in den Konzern integrieren.

Im Rahmen der Übernahme wechseln rund 32.000 bisherige Nokia-Angestellten zu Microsoft, 4.700 von ihnen in Finnland und 18.300 an den verschiedenen Produktionsstandorten in aller Welt. Auch der bisherige Nokia-Chef Stephen Elop, der erst im Jahr 2011 von Microsoft zu Nokia gewechselt war, kehrt zu Microsoft zurück. Gerade was die Frage des Personals angeht gelten insbesondere in Deutschland, aber auch in Europa besondere Richtlinien, die ein Käufer beachten muss.

Besondere Regeln: Mitarbeiter übernehmen und integrieren

Ein zentraler Punkt ist bei M&A-Deals  die Integration der übernommenen Mitarbeiter. Denn ähnlich wie im Fall von Microsoft und Nokia wechseln im Fall einer Übernahme in der Regel auch die Mitarbeiter des Zielunternehmens zum neuen Eigentümer. In Deutschland geschieht dies im Rahmen des gesetzlichen Betriebsübergangs nach § 613a BGB, wo festgelegt wird, dass die Arbeitsverhältnisse der Angestellten mit allen Rechten und Pflichten zum Käufer wechseln. Ein Kündigung der Angestellten ist hingegen nicht ohne weiteres möglich: „Grundsätzlich ist es nicht möglich, dass sich ein Erwerber beim Asset Deal die Rosinen herauspickt. Ausnahmen sind nur im Dialog mit den Mitarbeitern möglich, beispielsweise im Rahmen eines Auflösungsvertrags mit entsprechender Abfindung. Auch eine flächendeckendes Regelung über einen Sozialplan ist möglich, dieser benötigt aber objektive Kriterien und ist meist sehr teuer“, erklärt der M&A-Experte Johannes Weisser von avocado Rechtsanwälte. Ähnliche Regeln gibt es auch in den übrigen EU-Staaten.

M&A-Aktivitäten im Mittelstand

Nicht nur Großkonzerne wie Microsoft sind derzeit auf dem M&A-Markt aktiv. Wie eine aktuelle Studie des Datendienstleisters S&P Capital IQ zeigt, nehmen gerade Transaktionen, bei denen kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 100 Millionen Euro Jahresumsatz das Ziel sind, derzeit stetig zu. Während es im Jahr 2009 in Deutschland und Österreich noch 179 dieser Transaktionen gab, waren es im Jahr 2012 bereits 290 M&A-Deals – ein Plus von rund 62 Prozent. Rund zwei Drittel der Käufer kamen dabei selbst aus Deutschland und Österreich. Und auch wenn die Transaktionszahl damit noch weit unter dem Rekordwert von 450 Deals liegt, zeigt der Trend dennoch nach oben – gerade auf dem deutschen M&A-Markt, auf dem nach wie vor Flaute herrscht, eine bemerkenswerte Entwicklung.

Auch Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei Angermann M&A International, bestätigt diese Entwicklung: „2013 erleben wir eine Belebung der Transaktionen im Mittelstand. Wir registrieren ein gestiegene Verkaufsbereitschaft angesichts guter Ergebnisse und wieder ansteigender Multiples. Zusätzlich hat sich die Nachfrage nach deutschen Unternehmen in diesem Marktsegment insbesondere aus Asien verstärkt. Deutsche Technologie und deutsches Know How sind nach wie vor die Dealtreiber.“ Bethge verweist allerdings auch darauf, dass die bevorstehende Bundestagswahl sich derzeit hemmend auf die Transaktionen auswirkt, da viele Unternehmen erst den Ausgang der Wahl abwarten möchten.