Mittwoch, 26.02.2014
Demographischer Wandel fordert Umdenken. Unternehmer setzen auf Mitarbeiterbindung.

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Die Betriebliche Altersvorsorge (bAV) rückt in das Blickfeld der Unternehmer.

Personal
Demographischer Wandel fordert Umdenken

Mitarbeiterbindung durch betriebliche Altersvorsorge

Unternehmer setzen auf Mitarbeiterbindung. Die Verbesserung von Angeboten für die betriebliche Altersorge gewinnt dabei an Bedeutung.

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) rückt in das Blickfeld der Unternehmer. Neben Fördermöglichkeiten für ältere Angestellte sollen Angebote im Bereich der bAV die Mitarbeiter an den Betrieb binden. Auf diese Weise wollen sich Arbeitgeber Problemen durch demographischen Wandel und Fachkräftemangel stellen. Dies ist das Ergebnis einer europaweiten Studie der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Towers Watson. 57 der befragten 480 Unternehmen (12 Prozent) haben ihren Sitz in Deutschland. Die meisten sind Großunternehmen.

Sicherung des Renteneinkommens gewinnt an Bedeutung

Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Angebote im Bereich der bAV. Für die befragten Unternehmer (Towers Watson 2013) ist ihre rechtliche Pflicht jedoch nicht Hauptgrund für den Einsatz im bAV-Bereich. Es ist die Mitarbeiterbindung. 38 Prozent nennen sie als ausschlaggebenden Faktor. Während der Einfluss der Mitarbeiterbindung bis 2020 sinkt (32 Prozent), gewinnt die Sicherung des Renteneinkommens der Mitarbeiter an Bedeutung für die Prioritätensetzung der Unternehmer (von derzeit sechs auf 17 Prozent für 2020). Gleich bleiben laut der Befragten die Gründe Gewinnung von Talenten (24 Prozent) und Planung im Bereich Personalmanagement (15 Prozent). Compliance, die Einhaltung bestehender Gesetze, wird nur von 16 Prozent der Unternehmer als Hauptgrund für die Bereitstellung von bAV-Optionen genannt. Bis 2020 soll sie auf 11 Prozent sinken.

Betriebliche Altersvorsorge: Zwei Drittel der Unternehmer sehen Manko

„Gerade in den Bereichen Alters- und Gesundheitsversorgung gibt es eine starke Erwartungshaltung der Arbeitnehmer”, erklärte Thomas Jaspers, Mitarbeiter von Towers Watson. „Viele fühlen sich unwohl dabei, diese komplexen Themen alleine zu verantworten und wünschen sich Unterstützung durch ihren Arbeitgeber.“

Angebote im Bereich der bAV bleiben von Arbeitnehmern derzeit häufig ungefragt. Die befragten deutschen Unternehmer der Tower-Watson-Studie rechnen mit einem Trendwechsel. 38 Prozent glauben, dass die Bildung von Rücklagen für das Rentenalter das wichtigste Thema ihrer Mitarbeiter wird. Zur derzeitigen Lage sagen das nur 23 Prozent. „Die Unternehmen haben verstanden, dass sich die Bedürfnisse und Ansprüche ihrer Mitarbeiter im Zuge des demografischen Wandels verändern und stellen sich darauf ein“, kommentierte Thomas Jaspers, Towers Watson-Mitarbeiter. 62 Prozent der kleinen und 59 Prozent der mittleren Betriebe bieten Arbeitnehmern bAV-Angebote (2012). Gewappnet für die künftigen Ansprüche ihrer Mitarbeiter sehen sich nur 32 Prozent unter den 2013 befragten Unternehmern.

86 Prozent der Unternehmer wählen Direktversicherung

Zwischen fünf Wegen können sich Unternehmer bei der BAV entscheiden. Die meisten von ihnen wählen die Direktversicherung (86 Prozent). Zu weiteren Versorgungswegen gehören die Pensionskasse (65 Prozent) oder die Direktzusage (32 Prozent) [2012].

Die Direktversicherung ist eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber auf das Leben eines Arbeitnehmers abschließt. Der Arbeitgeber entscheidet sich für einen Versorgungsträger – eine Bank oder Versicherung – der Geld für den Mitarbeiter des Unternehmens zurücklegt und es im Bedarfsfall auszahlt. Der Unternehmer zahlt dafür während der Beschäftigungszeit seines Angestellten monatlich einen Teil dessen Lohns an den Versorgungsträger. Der Vorteil für den Unternehmer: Entscheidet sich der Arbeitnehmer für die bAV, reduziert sich für den Arbeitgeber der Betrag des Lohns, für den Sozialversicherungsbeiträge anfallen – und zwar genau um die Höhe, die er für den Arbeitnehmer monatlich von dessen Lohn an den Versorgungsträger abführt. Die Direktversicherung unterliegt der staatlichen Versicherungsaufsicht durch die BaFin.

Für die Studie der Towers Watson Studie „Is 75 the new 65? Rising to the challenge of an ageing workforce“ wurden im Zeitraum Oktober bis November 2013 Unternehmen europaweit befragt. Die Deutschen Mittelstandsnachrichten haben die Ergebnisse für die deutschen Unternehmen ermittelt.

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