Samstag, 08.03.2014
Immer mehr Mittelständler erkennen die Vorteile von Gender-Diversität. So geben bereits 65 Prozent von ihnen an, dass sie Frauen als Führungspersonal beschäftigen.

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Immer mehr Mittelständler erkennen die Vorteile von Gender-Diversität. So geben bereits 65 Prozent von ihnen an, dass sie Frauen als Führungspersonal beschäftigen.

Personal
8. März: Weltfrauentag

Frauenfrage im Mittelstand

Mehr Weiblichkeit in den Chefetagen - ein schwieriges Thema? Nicht im Mittelstand - rund zwei Drittel aller Mittelständler rühmen sich ihrer Frauen in Führungspositionen. Doch es gibt weiter Handlungsbedarf.

65 Prozent aller Mittelständler können heute Frauen in Führungspositionen aufweisen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Hays und dem Institut für Beschäftigung und Employability (IBE), bei der 550 Entscheider von Unternehmen in der DACH Region befragt wurden. 41 Prozent aller Entscheider messen dem Thema Diversität und Frauenförderung sogar eine große bis sehr große Bedeutung zu.  Damit stehen Mittelständler im klaren Gegensatz zu Großkonzernen. Zwar planen auch hier 54 Prozent aller Unternehmen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu steigern.Die Realität überzeugt jedoch nicht: Nur 5 Prozent aller Toppositionen in Vorständen großer Unternehmen sind mit Frauen besetzt. 

 Dabei sind die Vorteile eindeutig. So lassen sich durch personelle Vielfalt Kundenwünsche besser erfüllen und der Marktzugang wird erleichtert. Damit die Frauenförderung auch in Zukunft weiter Erfolg zeigt, müssen Mittelständler jedoch verstärkt Instrumente zur Frauenförderung praktisch umsetzen – denn bekannt sind die Instrumente den meisten Entscheidern.

Instrumente zur Frauenförderung umsetzen

Auch wenn zwei Drittel aller Unternehmen bereits Frauen in Führungspositionen beschäftigen, alle Instrumente um Gender-Diversität zu fördern werden noch nicht umgesetzt. So hält jeder zweite Befragte Wiedereinstiegsprogramme nach Auszeiten für ein geeignetes Instrument um Gender-Diversität am Arbeitsplatz zu fördern, nur jeder Dritte Unternehmer setzt diese Programme allerdings auch um. Auffällig ist dieser Unterschied auch bei Unterstützung in bestimmten Lebenssituationen: 73 Prozent der befragten Mittelständler halten dies für wichtig und geeignet, jedoch setzen nur 58 Prozent diese Unterstützung um. Lediglich flexible Arbeitsmodelle werden ausreichend eingesetzt. 

 So wie bei Bode Chemie aus Hamburg. Der Mittelständler aus der Chemie-Branche setzt schon lange auf Frauen in Führungspositionen. „Dass sich insgesamt mehr Frauen am Erwerbsleben beteiligen und durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch kontinuierlich Aufstiegschancen wahrnehmen können, ist erklärtes Ziel und auch bereits ein Erfolg unserer Unternehmenskultur“, erklärt Jenny Rauhut, Pressesprecherin des Unternehmens im Gespräch mit Markt und Mittelstand.  So ist das Leitungsgremium von Bode Chemie  mit 3 Frauen und 4 Männern besetzt. Von den 20 Abteilungen des Unternehmens  werden 11 Abteilungen von Frauen mit Leitungsaufgaben geführt – dies entspricht 58 Prozent aller Führungspositionen im Unternehmen. Auch Bode Chemie setzt dabei auf Instrumente zur Frauenförderung. „Flexible Arbeitszeitmodelle - Teilzeit, Home-Office, Anwesenheitsflexibilität – spielen gerade für Frauen eine enorme Rolle und tragen zur Attraktivität des Unternehmens bei“, sagt Rauhut.

Mittelständler profitieren von Frauenförderung

Positiv wird der Anteil an Frauen in Führungspositionen bei Mittelständlern auch in einer neuen Studie der KFW-Bankengruppe bewertet. Laut Autorin Dr. Margarita Tchouvakhina stehen bei etwa 20 Prozent der rund 3,6 Millionen deutschen Mittelständler Frauen an der Spitze. Das sind drei Mal so viele wie  bei DAX-Unternehmen. Deutsche Mittelständler  nehmen damit die Vorreiterrolle ein und lehnen eine Frauenquote konsequent ab. 63 Prozent aller Befragten der Hays-Studie messen einer festgeschriebenen Frauenquote eine geringe oder gar keine Bedeutung zu. Denn dass sie von intensiver Frauenförderung profitieren haben viele Mittelständler längst erkannt. „Von einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis profitiert das Unternehmen nicht nur kulturell, sondern auch im Hinblick auf die Produktivität. Know-how wird entwickelt und verbleibt im Unternehmen“, erklärt Rauhut von Bode Chemie die Vorteile  für das Unternehmen. 

 Auch unter Experten herrscht heute größtenteils Einigkeit über die Vorteile von Gender-Diversität im Unternehmen. „Marktzugang und Rekrutierung werden erleichtert, da Kundengruppen ebenfalls geschlechtergemischt sind und Unternehmen mit einem Geschlechterggleichgewicht attraktiver für Bewerber sind. Außerdem können innovativere und kreativere Ideen entstehen“, erklärt Dr. Sabine Boerner, Professorin für Management, Strategie und Führung an der Universität Konstanz, die Vorteile von Unternehmen in den denen Geschlechterausgewogenheit herrscht. 

Gender-Diversität weiter fördern

Trotz dieser positiven Ergebnisse gibt es weiter Hindernisse, die Frauen in Führungspositionen im Wege stehen. Laut Hays-Studie  nennen die befragten Unternehmen vor allem die schlechte Vereinbarkeit von Berufs- und Familiensituation (63 Prozent), klassische Rollenbilder (56 Prozent), sowie  fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten (46 Prozent). Frauen nennen darüber hinaus die  fehlende Akzeptanz von Kollegen. Unternehmen, die hier erfolgreich agieren wollen, sollten vor allem auf die Sensibilisierung für bestehende Klischees setzen, Kinderbetreuungsangebote ausbauen und an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch flexible Arbeitsmodelle, arbeiten. 

 Insgesamt bewertet eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der befragten Mittelständler ihre bereits umgesetzten Maßnahmen zur Frauenförderung als erfolgreich. Ein Unterschied besteht hier vor allem zwischen dem Öffentlichen Sektor, in dem 60 Prozent mit ihren Ergebnissen zufrieden sind, und dem Industriesektor. Hier bejahen 44 Prozent der Befragten, umgesetzte Maßnahmen hätten bereits zum gewünschten Ergebnis geführt. Somit heißt es für viele mittelständische Unternehmen trotz positiver Zahlen, weiter an der Frauenförderung im Unternehmen zu arbeiten.