Donnerstag, 13.06.2013
Gesundheitliche Vorsorgeleistungen für Mitarbeiter sind im Mittelstand selten.

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Gesundheitliche Vorsorgeleistungen für Mitarbeiter sind im Mittelstand selten.

Personal
Fachkräftemangel

Mittelstand vernachlässigt Mitarbeiter-Vorsorge

Wenn es um Versicherungen und Vorsorgeleistungen für Mitarbeiter geht, herrscht im deutschen Mittelstand großer Nachholbedarf. Auch eine regelmäßige Prüfung des Versicherungsschutzes wird häufig außer Acht gelassen.

Mittelständische Unternehmen kümmern sich wenig um Angebote zu Gesundheitsleistungen oder Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Gothaer Versicherung, für die im April 1.016 Unternehmen befragt worden waren. Demnach bieten nur 32 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe ihren Mitarbeitern Leistungen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements an. Gegenüber dem Jahr 2010 bedeutet dieser Wert zwar eine Steigerung um 12 Punkte, der Wert liegt aber immer noch vergleichsweise niedrig. Angebote aus einer kollektiven Krankenversicherung gibt es derzeit nur bei einem Fünftel aller Unternehmen, 2010 lag dieser Wert allerdings noch bei 12 Prozent. Am häufigsten wird derzeit die betriebliche Altersvorsorge genutzt, die bei 51 Prozent der befragten Unternehmen zum Einsatz kommt. Die geringe Resonanz ist vor allem deshalb verwunderlich, da Zusatzleistungen der Arbeitgeber beim Werben um Fachkräfte wichtige Argumente sein können, mit denen Mittelständler sich von der Konkurrenz abgrenzen können.

Die befragten Unternehmen begründeten ihre Zurückhaltung zum einen mit zu geringen Vorteilen, zu umständlichen Angeboten und zu hohen Kosten. 27 Prozent empfinden beispielsweise auch die betriebliche Altersvorsorge als zu teuer. Die Versicherungsbranche begründet diese Wahrnehmung hingegen vor allem mit fehlenden Informationen. So erklärte Thomas Leicht, Chef der Gothaer Allgemeine Versicherung, dass den Arbeitgebern noch immer nicht alle Angebote zur betrieblichen Unterstützung des Arbeitnehmers bei der Vorsorge bekannt seien.

Fachkräftemangel: Mittelstand prüft Versicherungen zu selten

Andere Versicherungen werden deutlich häufiger genutzt. So verfügen 88 Prozent der befragten Mittelständler über eine Betriebshaftpflicht-Versicherung, eine betriebliche Gebäude-Versicherung besitzen 67 Prozent der Befragten.
Um mehr Unternehmen als Kunden zu gewinnen und die bestehenden stärker zu binden raten die befragten Unternehmen der Versicherungsbranche vor allem zu einer unkomplizierten Schadenregulierung und langfristigen Partnerschaften. Niedrige Tarife seien hingegen weniger wichtig als vielleicht gedacht. Auf der Wunschliste der Unternehmen stehen außerdem feste Ansprechpartner bei den Versicherern und eine kurze Reaktionszeit im Schadensfall. Gute Erfahrungen mit den Versicherern tragen massiv zur Kundenbindung bei, so die Befragten.

Die Versicherer raten den Unternehmen im Gegenzug vor allem zu einer jährlichen Überprüfung ihres Versicherungsschutzes. Der Umfrage zufolge ist dies aber derzeit nur bei 57 Prozent der Unternehmen der Fall. 35 Prozent der mittelständischen Unternehmen prüfen ihren Schutz hingegen nur alle zwei Jahre, acht Prozent verzichten ganz darauf. „Die jährliche Überprüfung des Versicherungsschutzes ist ein Muss“, betont Gothaer-Manager Leicht. Durch Innovationen, neue Anschaffungen oder neue rechtliche Vorgaben ändere sich nicht selten auch der Versicherungsschutz.