Montag, 02.11.2020
Mario Ohoven: Der Präsident des Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft wurde nur 74 Jahre alt.

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Mario Ohoven: Der Präsident des Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft wurde nur 74 Jahre alt.

Personal
Mario Ohoven verstorben

Mr. Mittelstand ist tot

Mario Ohoven ist bei einem Autounfall gestorben. Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft hat wie kein zweiter vor und hinter den Kulissen die Interessen des Mittelstands vertreten. Er war der Schmied einer machtvollen Institution. Es wird schwer, seine Nachfolge zu organisieren.

Wenn einer mitten herausgerissen wird aus dem öffentlichen Leben, dann sieht das so aus: Am Donnerstag wandte er sich noch wortgewaltig gegen den neuerlichen Lockdown: „Die Bundeskanzlerin konnte in ihrer Regierungserklärung keine für den Mittelstand zufriedenstellende Begründung für den von ihr und den Ministerpräsidenten der Länder verfügten zweiten Lockdown liefern“, stellte Mario Ohoven fest. Als Folge dieser Entscheidung drohte nun tausenden Mittelständlern das wirtschaftliche Aus. Am Freitag dann, einen Tag vor dem Reformationstag, ließ sich Ohoven, der stets auf maximale Wirkung bedacht war, den Gag nicht entgehen und nagelte 95 Thesen des Mittelstands für eine moderne Bildungspolitik zwar an keine Kirche, aber zeitgemäß ins Internet. Seit Samstag herrscht Schweigen.

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Mario Ohoven, 74 Jahre alt, ist tot. Er starb bei einem Unfall, als sein schwarzer Bentley nahe seinem Wohnort Düsseldorf gegen den Pfeiler einer Autobahn prallte. „Mr. Mittelstand“ ist verstummt. „Super-Mario“, wie nicht nur der ehemalige EZB-Präsident genannt wurde, sondern wie auch Ohoven bei denjenigen hieß, die ihn für seine schier unerschöpfliche Energie verehrten, tritt nicht mehr für die Interessen jener 900 000 Mitglieder auf, die er zu seiner Mittelstandsallianz zählte. „Die Nachricht vom plötzlichen Unfalltod des Mittelstands-Präsidenten Mario Ohoven erschüttert mich sehr. Er hat Großes für die mittelständische Wirtschaft geleistet. Ich habe ihn sehr geschätzt. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Mitarbeitern. R.I.P.“ verbreitet Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Sonntag über Twitter.

Der WirtschaftsKurier hatte als Zeitung für den unternehmerischen Mittelstand den Präsidenten des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft im vergangenen Jahr für sein Lebenswerk geehrt. Laudator Ernst Ulrich von Weizsäcker lobte Ohovens Verdienst: Er habe aus einem überschaubaren Unternehmerbündnis eine machtvolle Mittelstandsvertretung geschmiedet. 

Machtvolle Erscheinung

Und machtvoll war Ohoven. Äußerlich in der Öffentlichkeit eine strahlende Erscheinung: Die prächtige Krawatte stets korrekt gebunden, ein joviales Lächeln auf den Lippen, das mit zunehmendem Alter ein Zug von Spott bekommen hat, fester Händedruck. Er liebte die Bühne und bewegte sich egal mit wem er da oben stand gleichermaßen sicher. Oft mit seiner Frau Ute-Henriette Ohoven, die den Titel einer Unesco-Sonderbotschafterin trägt, und mit Tochter Chiara, die auch solo oder mit wechselnden Partnern für Schlagzeilen in den bunten Teilen der Medien gut ist. Oder mit Staatsoberhäuptern wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem er wie anderen Politikern auch, mal lautstark und mal leise eindringlich, auf jeden Fall aber bei jeder Gelegenheit klar machte, was die Interessen seiner Klientel in Wahrheit seien. „Der Unternehmer als Einzelkämpfer hat keine Chance mehr, gefragt sind Vernetzung und ganzheitliches Denken“, lautete dabei sein Motto.

Der gelernte Bankkaufmann und spätere Anlageberater konnte dabei manchen Sieg einfahren. Auf seine Initiativen hatte die Bundesregierung einst die Altersvorsorge Selbstständiger aus der Insolvenzmasse genommen. Auf die Einführung einer Rentenpflicht für Geschäftsführer von Gesellschaften verzichtete die Politik und Ohoven ersparte damit manchem Mitglied teure Nachzahlungen. Die kalte Progression wurde auf sein Betreiben entschärft, was manchen Mittelständler brutto mehr verdienen ließ. Seit 1998, dem Jahr als er Verbandspräsident wurde, machte er sich für die wirtschaftliche Aus- und Weiterbildung an Schulen stark. Auf seine Initiative hin besuchten Firmenchefs Klassenzimmer und verbreiteten Lust aufs Unternehmerdasein. 

2005 hatte Ohoven seine eigene Finanzberatung verkauft. Dass zuvor enttäuschte Anleger geklagt hatten, die mit von ihm angebotenen Finanzprodukten weniger verdienten als erhofft, wurmte ihn persönlich. Seiner Position als „Mr. Mittestand“ konnte es aber genauso wenig anhaben, wie ein unglücklicher TV-Auftritt, bei dem Ohoven durch mangelndes Fachwissen glänzte und das Interview mit den Worten „Ich muss weg“ abbrach. Der Videoschnipsel geistert noch immer zig tausendfach geklickt durchs Netz. Die Mächtigen des Landes scherte das nicht. Sie zeigten sich gern mit „Super-Mario“.

König ohne Erben

Der wiederum war stolz darauf, für seinen „Politischen Beirat“ Abgeordnete jeglicher Colour zu gewinnen: Von Sigmar Gabriel bis Gregor Gysi, vom Alt-Grünen Jürgen Trittin, über CSU-Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich bis zum AfD-Mann Jürgen Braun sitzen viele darin, die auf offener Straße lieber kein Selfie miteinander machen würden. Für Ohoven traten sie jedoch zusammen. Er war ein Meister darin, anderen das Gefühl zu geben, sich in seiner Gegenwart besonders wohl zu fühlen. „Vertriebsgenie“, dachten die einen, „Menschenfänger“, mochten die anderen sagen. Wie es ohne ihn weitergehen soll? Im politischen Berlin herrschte am Wochenende Ratlosigkeit. Ohoven war der König des Mittelstands. Ein König allerdings ohne Erben. Es dürfte schwer werden, sein Reich zusammenzuhalten.