Dienstag, 18.06.2013

Schmalz

Personal
Betriebsrat

Ohne Betriebsrat

Beim Vakuumspezialisten Schmalz gibt es keinen Betriebsrat. Die Mitarbeiter werden durch den Mitarbeiterbeirat vertreten.

Ein Betriebsrat ist bei Unternehmern nicht gern gesehen. Offen würde das zwar kaum ein Geschäftsführer zugeben. Hinter vorgehaltener Hand herrscht aber doch meist Einigkeit. Diejenigen Unternehmer, deren Belegschaft nicht in einem Betriebsrat organisiert ist, sind froh darüber. „Die Mitarbeitervertretung im Unternehmen ist uns sehr wichtig“, sagt Martin Helbling, Personalchef des Vakuumtechnik-Unternehmens Schmalz. Um den Ansprüchen der Mitarbeitenden bestmöglich gerecht zu werden, hat das Unternehmen eine eigene Form gefunden. Bei Schmalz heißt diese „Mitarbeiterbeirat“. Diesen gibt es seit 1996. Ziel des Gremiums ist es, die Interessen der Belegschaft wirkungsvoll einbringen zu können. So steht es in der Präambel der 19-seitigen Satzung. Helbling erklärt: „Wir haben uns auch deshalb für den Mitarbeiterbeirat entschieden, weil wir unsere Aufgaben hausintern lösen wollen. Externe Hilfe brauchen wir nicht“, sagt er.

Ohne Betriebsrat: Die Struktur

Martin Helbling, Personalchef bei Schmalz.

Das Gremium des am Hauptsitz in Deutschland rund 500 Mitarbeiter starken Unternehmens besteht aus 20 Personen. Zwölf werden direkt von den Mitarbeitern der einzelnen Bereiche gewählt und sind gleichzeitig die Vertrauenspersonen. „So hat jeder Angestellte die Möglichkeit, seine Anliegen über die Vertrauensperson in den Mitarbeiterbeirat zu bringen“, erklärt der Personalchef. Acht Personen bestimmt die Geschäftsführung, von denen zwei direkt der Geschäftsführung angehören, fünf Führungskräfte und ein Mitglied aus der Personalabteilung entsendet werden. Die Mitglieder wählen einen Vorstand und zwei Stellvertreter. Der Vorstand ist für die Wahlperiode halbtags von seinen operativen Aufgaben entbunden. Würden sich die Schmalz-Mitarbeiter in einem Betriebsrat organisieren, bestünde dieser aufgrund der Unternehmensgröße aus elf Mitgliedern, wovon zwei freigestellt sein müssten. Unabhängig vom Mitarbeiterbeirat hat die Belegschaft nach wie vor das Recht zur Betriebsratsgründung.

Ohne Betriebsrat: Der Alltag

Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder und sprechen über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen. Der Mitarbeiterbeirat verfügt über Informationsrechte, Mitbestimmungsrechte und Initiativrechte. Informiert werden die Mitglieder und über sie im Anschluss an die Sitzungen die Mitarbeiter zum Beispiel über Investitionen, Personalplanungen und betriebswirtschaftliche Zahlen. „Gerade was die wirtschaftlichen Zahlen angeht, sind wir sehr transparent“, beschreibt der Personalleiter den Alltag des Gremiums. Entscheidungen über Arbeitszeit, Lohn und Fragen der betrieblichen Ordnung können nur mit Zustimmung des Mitarbeiterbeirats umgesetzt werden. Hierfür ist eine Dreiviertelmehrheit im Gremium notwendig. Das Initiativrecht besteht immer. Die Mitglieder werden in der Satzung ausdrücklich dazu angehalten, Vorschläge zur Verbesserung und zur Gestaltung des Unternehmenserfolgs einzubringen. Mitarbeiter können dies direkt über die Vertrauenspersonen tun.

Ohne Betriebsrat: Die Rechte

Die gewählten Mitglieder besitzen – vergleichbar mit Betriebsratsmitgliedern – besondere Rechte. Gremiumsmitgliedern kann das Unternehmen während der Wahlperiode und bis zu einem Jahr danach nicht kündigen. Außerdem können sie, sofern es gewünscht wird, an Personalbesprechungen teilnehmen. Darüber hinaus verfügt der Vorstand über besondere Rechte. Er kann sich über die finanziellen Ergebnisse erkundigen und wird über Einstellungen, Abmahnungen und Kündigungen informiert. Im Gegenzug sind die Mitglieder in der Pflicht, aktiv im Mitarbeiterbeirat zu arbeiten, die Rechte der Mitarbeiter zu vertreten und ihre Bereiche über die Beschlüsse zu informieren.

Den Aufwand für das Gremium schätzt Helbling als hoch ein. Allein die monatlichen Besprechungen von jeweils vier Stunden belaufen sich bei der Gremiumsgröße von 20 Mitarbeitern und zehn Sitzungen im Jahr auf insgesamt 800 Stunden pro Jahr. Hinzu kommen mindestens 3.500 Arbeitsstunden für die halbstündige Informationsveranstaltung an die Mitarbeiter unmittelbar nach den Beiratssitzungen.

 

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