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Führung & HR > Kommentar

Frühverrentung trotz Fachkräftemangel: Der teure Denkfehler deutscher Unternehmen

| Björn Hartmann | Lesezeit: 2 Min.

Deutsche sollen länger arbeiten – doch Firmen drängen Ältere aus dem Job. Ein teurer Widerspruch mit Folgen für die Renten.

Älterer Mitarbeiter am Schreibisch
(Foto: shutterstock)

 

Die Deutschen sollen länger arbeiten? Gute Idee. Viele wollen, können aber nicht. Firmen sehen oft allein den Kostenblock und nutzen alle Möglichkeiten, um Über-50-Jährige loszuwerden.  

Eine der vielen Großbaustellen der schwarz-roten Bundesregierung ist die Rente. Dass immer weniger Beschäftigte immer mehr Rentner finanzieren müssen, ist seit Jahrzehnten bekannt. Dass es die nachfolgenden Generationen teuer zu stehen kommt, wenn wenig bis nichts passiert, ebenfalls. Eine grundlegende Reform lässt seit Jahrzehnten auf sich warten. Jede Regierung bastelte ein bisschen herum, oft ohne großen Erfolg. Zum Beispiel beim Renteneintrittsalter. Das reale liegt ein bis zwei Jahre unter dem gesetzlich festgeschriebenen. Damit mehr in die Rentenversicherung eingezahlt wird, müssten die Deutschen länger arbeiten. Das funktioniert aber nur, wenn Politik und Unternehmen sie auch lassen, statt Fehlanreize zu setzen. 

Derzeit laufen wieder umfangreiche Sparprogramme bei verschiedenen Konzernen. Den Beschäftigten wird viel Geld geboten, wenn sie freiwillig gehen, vor allem den älteren. Denn die sind überdurchschnittlich teuer, weil sie in der Regel lange im Betrieb sind. Auch Altersteilzeit ist sehr beliebt, um die Belegschaften zu schrumpfen. Was in Zeiten hoher Beschäftigung dafür gedacht war, den Übergang in die Rente zu erleichtern und Platz zu machen für nachrückende Generationen, ist über die Jahre zum Sparmechanismus der Unternehmen geworden. Wobei viele Firmen noch zusätzlich zahlen, um den Arbeitnehmern die Rentenabstriche auszugleichen, die mit dem früheren Renteneintritt einhergehen. Das zeigt: Alle staatlichen Anreize, länger zu arbeiten, etwa durch die Aktivrente, bei der Rentner 24.000 Euro im Jahr steuerfrei dazuverdienen können, werden so ausgebremst. 

Kurios auch: Die Unternehmen bieten die „Geldkoffer“ meist den Erfahrenen an – in Zeiten des Fachkräftemangels ein etwas irritierendes Vorgehen. Ironischerweise werden viele der vermeintlich Alten später als freie Berater wieder beschäftigt. In KI-Zeiten werden Fähigkeiten, die auf Erfahrung beruhen, immer wichtiger. Vielleicht sind einige Ältere beim Gehalt auch gesprächsbereiter, als manch Personalmanager pauschal annimmt. Solange Ältere vor allem als Kostenblock betrachtet werden, hilft es auch nicht, danach zu rufen, dass alle länger arbeiten sollten. Man muss sie auch lassen.  

Erfahrung wird in KI-Zeiten immer wichtiger,  

meint Björn Hartmann. 

 

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