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Führung & HR > Recruiting-Strategie

Sechs Punkte gegen den Fachkräftemangel: Leitfaden für erfolgreiches Recruiting im Mittelstand

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 4 Min.

Mit Strategie statt Hoffnung: Sechs praxisnahe Schritte zeigen, wie Mittelständler im Wettbewerb um Talente bestehen.

Illustration Fachkräfte suchen
Recruiting als Chefsache: Mit klarer Strategie und authentischer Arbeitgebermarke dem Fachkräftemangel begegnen.“ (Foto: shutterstock)

Sie wollen als Unternehmen die besten Köpfe gewinnen? Dieser Leitfaden hilft dabei, auch gegen große Konzerne zu bestehen. 

von  Thorsten Giersch für Markt und MIttelstand

 

Viele Mittelständler handeln bei der Personalsuche noch wie 2005: eine Stellenanzeige schalten und dann hoffnungsvoll darauf warten, dass sich die perfekten Bewerber melden. Doch das funktioniert auf dem Arbeitsmarkt heute nur noch bedingt. In ihrem Buch „Chefsache Re­cruiting“ machen Nicole Truchseß und Markus Brandl klar: Der Fachkräftemangel ist für kleine und mittlere Unternehmen oft hausgemacht, es fehlen Sichtbarkeit und es hakt bei den Abläufen. Wer heute noch auf die „Gnade“ der Bewerber hofft, wird leer ausgehen. Wer Personalsuche jedoch als Kernprozess versteht, als Aufgabe des Managements – vergleichbar mit dem Vertrieb von Premiumprodukten –, wird auch in schwierigen Zeiten die passenden Köpfe finden. So kann es gehen. 

 

1. Das Fundament: Strategische Neuausrichtung

Bevor Sie die erste Anzeige schalten, müssen Sie Ihre Hausaufgaben machen. Personalsuche beginnt im Kopf der Geschäftsführung. 

  • Recruiting ist Sales: Betrachten Sie potenzielle Mitarbeiter wie Ihre wertvollsten Kunden. Sie verkaufen eine Position, eine Kultur und eine Zukunft. 
  • Die Zielgruppe festlegen: Wer ist der ideale Kandidat? Erstellen Sie Personas. Suchen Sie nicht das „Schaf mit fünf Beinen“, sondern den Menschen, der fachlich passt und kulturell eine Bereicherung ist. 
  • Das Besondere des Arbeitgebers: Warum sollte jemand bei Ihnen arbeiten und nicht beim Weltkonzern drei Orte weiter? „Obstkorb“ und ­„flache Hierarchien“ sind keine Besonderheiten mehr, sondern Standard. 

2. Employer Branding: Authentizität schlägt Hochglanz

Kleine und mittlere Unternehmen haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nahbar. Nutzen Sie das. 

  • Ehrlichkeit währt am längsten: Zeigen Sie den echten Alltag. Wenn es im Lager auch mal stressig zugeht, verschweigen Sie es nicht. Authentizität verhindert Fehlbesetzungen und frühe Kündigungen. 
  • Mitarbeiter als Markenbotschafter: Nichts wirkt stärker als das Video eines echten Kollegen. ­Lassen Sie Ihre Leute sprechen, nicht Ihre ­Werbeagentur. 
  • Die Karriereseite als Schaufenster: Ihre Webseite ist oft der erste Kontaktpunkt. Ist sie mobil optimiert? Findet man mit zwei Klicks die Benefits? Gibt es ein Gesicht zum Unternehmen? 

3. Der Weg der Kandidaten: Den „Kaufprozess“ optimieren

  • Ein schlechter Bewerbungsprozess vergrault die besten Leute in Rekordzeit. Darauf müssen Sie achten: 
  • Hürden abbauen: Verlangen Sie im ersten Schritt kein zehnseitiges Pdf-Portfolio. Ein Link zum Linkedin-Profil oder ein Fünf-Minuten-Telefonat sollte reichen. 
  • Reaktionsgeschwindigkeit: In einem Arbeitnehmermarkt ist Zeit Gold. Wer länger als 48 Stunden für eine Erstbestätigung braucht, ist raus. 
  • Transparenz: Kommunizieren Sie klar, wie viele Schritte das Verfahren hat und wer die Ansprechpartner sind. 

4. Aktive Suche: Gehen Sie dorthin, wo die Talente sind

Veröffentlichen und Hoffen reicht nicht mehr aus. Gehen Sie in die Offensive. 

  • Aktive Suche: Nutzen Sie Netzwerke wie Xing oder Linkedin. Aber Vorsicht: Schreiben Sie niemanden mit Standardfloskeln an. Individualität ist wichtig. 
  • Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Ihre eigenen Leute kennen oft jemanden, der jemanden kennt. Belohnen Sie erfolgreiche Empfehlungen – das ist meist günstiger als die Gebühr des Headhunters. 
  • Social Recruiting: Schalten Sie zielgerichtete Anzeigen in sozialen Medien (Instagram, Facebook, Tiktok – je nach Zielgruppe). So erreichen Sie jene, die unzufrieden sind, aber nicht aktiv in Jobbörsen schauen. 

5. Das Vorstellungsgespräch: Augenhöhe statt Verhör

Verabschieden Sie sich von der klassischen Prüfungsatmosphäre. Ein modernes Interview ist ein Austausch auf Augenhöhe. 

  • Die 80/20-Regel: Lassen Sie den Bewerber 80 Prozent der Zeit reden. Sie sind der Zuhörer und Beobachter. 
  • Werte vor Fachwissen: Fachliche Lücken kann man durch Fortbildungen schließen. Ein Charakter, der nicht zum Team passt, ist hingegen ein dauerhaftes Problem. 
  • Schnelle Entscheidung: Geben Sie zeitnah eine Rückmeldung. Ein „Vielleicht“ ist für ein Top-Talent ein „Nein“. 

6. Einarbeiten: Der Sack wird zugemacht

Personal einzustellen, endet nicht mit der Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag. Die Phase zwischen Vertragsschluss und dem ersten Arbeitstag ist kritisch. 

  • Vor dem Beginn: Halten Sie Kontakt. Schicken Sie ein Willkommenspaket oder laden Sie den neuen Kollegen schon vorab zum Team-Event ein. 
  • Der erste Tag: Sorgen Sie dafür, dass der Arbeitsplatz bereit ist, der PC funktioniert und die Zugangsdaten da sind. Nichts wirkt unprofessioneller als ein neuer Mitarbeiter, der am ersten Tag Däumchen dreht. 
  • Paten-System: Stellen Sie der oder dem „Neuen“ einen erfahrenen Mentor zur Seite, der nicht der Chef ist. Das senkt die Hemmschwelle bei Fragen. 

 

 

Chefsache Recruiting

„Chefsache Recruiting“ von Nicole Truchseß und Markus Brandl, erschienen im Wiley Verlag, bietet praxisnahe Strategien für Entscheider, um den Recruiting-Prozess von der bloßen Verwaltung zur aktiven Gestaltung zu führen. 

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