Montag, 12.03.2012
Personal
Ungeprüfte Bewerber-Selbstdarstellung

Personaler: Falsches Vertrauen

Bei deutschen Personalverantwortlichen werden Pre-Employment-Checks nach angloamerikanischen Vorbild kaum eingesetzt. Die Gründe sind Rechtsunsicherheit und Unklarheit, wer die Überprüfung übernehmen sollte.

Eine klare Mehrheit von 80 Prozent der HR-Verantwortlichen in Deutschland hält eine Überprüfung von Bewerbern für nicht notwendig. Die Vorlage von Originaldokumenten und der Kontakt zu früheren Arbeitgebern ist nur für ein Drittel der Personaler von Bedeutung. Nur 13 Prozent der Unternehmen führen einen Pre-Employment-Check durch. Das zeigt die Studie „Risikominimierung bei der Personalauswahl – Momentaufnahme zur Lage von Unternehmen in Deutschland“ zu Recruitingpraktiken.

Vorsicht bei Internetrecherchen

Mehr als die Hälfte der Arbeitgeber verlangt von Bewerbern für bestimmte Stellen/Positionen (Leitungsfunktion, Mitarbeit in besonders sensitiven Bereichen) ein polizeiliches Führungszeugnis. „Bei einer Neueinstellung ist es wichtig, sich vom künftigen Mitarbeiter ein umfassendes Bild zu machen. Internetrecherchen sind zwar oft Usus, jedoch ist hier rechtlich ebenso Vorsicht geboten wie bei umfassenden Checks“, sagt Uwe Heim, Partner Forensic & Dispute Services bei Deloitte. 

Die Zuständigen bewegen sich zwischen Informationsbedürfnis sowie arbeitnehmer- und datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Eine generelle Überprüfung von Bewerbern halten nur 15 Prozent für notwendig . 7 Prozent glauben, dass dies unnötig sei. 80 Prozent würden den Bewerber und seine Angaben nur in Einzelfällen überprüfen. Nur 5 Prozent kontrollieren routinemäßig die Referenzen der Bewerber. 71 Prozent der Unternehmen in Deutschland führen das Bewerbungsmanagement in eigener Regie durch. Eine Ausnahme ist das Recruiting von Führungskräften, hier wird von 23 Prozent ein externer Dienstleister in Anspruch genommen. Zwei Drittel der Unternehmen führen Assessment Center durch, knapp ein Drittel holt Auskünfte vom ehemaligen Arbeitgeber ein.

 Rechtsunsicherheit stoppt Personaler

Der Pre-Employment-Check nach angloamerikanischem Vorbild ist in Deutschland problematisch. In vielen Unternehmen ist nicht klar, wer ihn durchführen soll. Ursachen sind Rechtsunsicherheit und fehlende wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Bei Überprüfungen in Deutschland geht es um die Vermeidung von Korruption und Wirtschaftskriminalität. Neben Zeugnissen, Zertifikaten und Referenzen, aber auch amtlichen Informationsquellen wie Führungszeugnis oder einer Schufa-Auskunft dienen auch Presse und Internet für Hinweise zur Integrität von Bewerbern. Doch die Auswertungsmöglichkeiten sind eingeschränkt, weil nur Informationen verwendet werden dürfen, die über allgemein zugängliche Suchmaschinen und Datenbanken gefunden werden.




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