Dienstag, 27.03.2018

Foto: Purestock/Thinkstock/Getty Images

Ready to start: Nicht nur Piloten üben Handgriffe, die sie später für die Berufsausübung benötigen im Simulator. Auch Vertriebler oder Einkäufer können „spielerisch“ lernen.

Personal
Wirtschaftssimulationen

Planspiele eignen sich für Fortbildung – aber nur bedingt für die Ausbildung

Mit Planspielen schulen Unternehmen künftige Vertriebler und Einkäufer für den Job. Das festigt und vertieft das Wissen. Auch bei der Ausbildung können Wirtschaftssimulationen eingesetzt werden – allerdings nicht von Anfang an.

Für angehende Piloten oder Kapitäne ist das Training in einem Simulator ein fester Bestandteil ihrer Ausbildung. Auch Einkäufer, Vertriebler oder Controller können am Computer Arbeitssituationen durchspielen, um fit für die Praxis zu werden. Vor allem in Aus- und Weiterbildung können solche Unternehmensplanspiele eine wichtige Unterstützung sein.

Aktuelles aus dem Mittelstand: Folgen Sie uns auf Zum Linkedin Profil von Markt und Mittelstand und Zum Linkedin Profil von Markt und Mittelstand


Etwa 30 bis 40 Anbieter für Unternehmensplanspiele gibt es in Deutschland. Ihr Angebot reicht von Spielen fürs Recruiting über solche für das Training einzelner Berufe und bestimmter Skills bis hin zu Qualifikationstests für angehende Führungskräfte. Insgesamt werden auf dem deutschen Markt rund 400 Unternehmensplanspiele angeboten – einige von ihnen sind auch speziell für den Einsatz in mittelständischen Unternehmen zugeschnitten. Zu den bekanntesten zählen „Playbizz“, „Topsim“, „Coludo“ sowie „Xeller Training“ und „Riva“ im Strategiebereich.

„Viele Unternehmen hängen es nicht an die große Glocke, wenn sie solche Spiele für die Mitarbeiterausbildung einsetzen“, sagt Eric Treske, Vorsitzender der Gesellschaft für Planspiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz, kurz: Sagsaga (Swiss Austrian German Simulation and Gaming Association). Sein Verband habe aber beobachtet, dass sich die Industrie immer stärker mit dem Thema befasst. „Ein Indiz für das Wachstum ist, dass in den vergangenen Jahren wenige Anbieter vom Markt verschwunden, aber immer wieder neue hinzugekommen sind“, berichtet Treske.

Prozesse spielerisch einüben

Die ersten Unternehmensplanspiele wurden in den fünfziger Jahren in den USA von der Harvard Business School und der Unternehmensberatung McKinsey entwickelt, seitdem haben sie sich verbreitet. Indem die Spiele die Geld- und Warenströme in Unternehmen veranschaulichen, lernen die Spieler, mit Einnahmen zu haushalten, indem sie etwa die Einkaufspreise vergleichen oder sich zwischen Lagerhaltung und sofortiger Produktion entscheiden. Auch strategische Entscheidungen müssen getroffen werden.

Der mittelständische Metallverarbeiter Graepel Löningen setzt seit 2012 „Playbizz“ in der Ausbildung ein. „Nach dem Ende des zweiten Lehrjahres, wenn die Azubis mit allen Grundlagen vertraut sind, ist das Spiel ein wichtiger Teil der Ausbildung“, sagt Ausbildungsleiter Martin Goldkamp. In der ersten Phase steht die Vermarktung eines Produktes im Mittelpunkt. Auf den nächsten Levels verändert sich die Wettbewerbssituation, oder die Risiken nehmen zu. „Das ganze Spiel ist sehr praxisnah, da Azubis später ähnliche Entscheidungen treffen müssen“, sagt Goldkamp. Das Tool fordere zudem ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit.

Kosten: 3.000 bis 40.000 Euro

„Topsim“ ist für die Weiterbildung konzipiert. Dabei spielen Mitarbeiter entweder im Team, oder sie schlüpfen in eine bestimmte Rolle. In ihrer jeweiligen Funktion müssen sie entscheiden, wie das Produkt weiterentwickelt werden soll und welche Kosten dadurch entstehen. Zudem müssen sie Verkaufschancen abwägen, Preise festlegen und den Vertrieb organisieren. Alles steht unter der Prämisse, dass am Ende ein möglichst hoher Gewinn steht.

Aber nicht immer geht es nur ums Geldverdienen. Die Teilnehmer können umgekehrt eine Niedrigpreisstrategie durchspielen, um danach die Vor- und Nachteile zu diskutieren. Neben verschiedenen Strategien können Spieler dabei die Prozesse in einzelnen Organisationseinheiten des Unternehmens kennenlernen.

Wie viel Zeit ein Planspiel benötigt, ist von dessen Ziel, Aufbau und Ablauf abhängig. Die Bandbreite reicht von zwei Stunden bis zu drei Tagen am Stück. Dieselben Faktoren beeinflussen auch den Preis. Für eine unbegrenzte Lizenz schlagen die Preise mit 3.000 Euro bis 40.000 Euro zu Buche. Die meisten Anbieter bieten allerdings Paketpreise für Trainings, Seminare oder die Teilnahme an Planspielwettbewerben an.

Info

Von Absatzplanung bis Rechnungswesen

Unternehmensplanspiele sind auf verschiedene Funktionen und Ziele zugeschnitten

Name/Hersteller: Playbizz/Avicento

  • Trainingsbereiche: Absatz, Produktion, Einkauf, Vertrieb, Personal- und Finanzwesen, Expansion, Risikomanagement
  • Ziele: hoher Gewinn, Zahlungsfähigkeit sichern
  • Preis: 350 Euro (Teilnahme am Planspielwettbewerb über ein halbes Jahr)

Topsim/Tata Interactive Systems

  • Beschaffung, Produktion, Personal, Services, Marketing, Vertrieb, F&E, Einkauf, Fertigung, Personal, Verwaltung, Expansion

  • Erfüllung der Gewinnvorgaben, Zukunftsstrategie entwickeln
  • Preis: 710 Euro (pro Seminartag für bis zu 20 Teilnehmer inkl.)

Coludo

  • Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung, Beschaffung, Lagerhaltung, Fertigung, Personalplanung, Finanz- und Rechnungswesen
  • hoher Gewinn, Zahlungsfähigkeit sichern
  • 400 Euro (Spiel ohne Trainer; Trainer ca. 1.200 Euro pro Tag)

Riva/Riva Training & Consulting

  • Einkauf, Produktion, Vertrieb, Changemanagement
  • Erfüllung der Produktionsvorgabe, optimale Ressourcenverteilung
  • k.A.

Xeller Training

  • Optimierung, Teamfähigkeit, Strategie, Führung
  • Lebensphasenanalyse, Selbstreflexion
  • 850 Euro (nur in Kombination mit Trainer)

Dieser Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 03/2018. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.