Freitag, 08.06.2012
Personal
Wirtschaftsstandort

Polen gegen Griechenland

Polen gegen Griechenland heißt das Eröffnungsspiel bei der Europameisterschaft 2012. Was haben die Länder aber abseits des Fußballplatzes zu bieten? Polen geht als Favorit in das Duell der Wirtschaftsstandorte, aber auch Griechenland ist immer für eine Überraschung gut.

Gleich zu Beginn der Partie erzielt die Heimmannschaft ein frühes, aber wenig überraschendes Tor. Mit einem Bruttoinlandsproduktzuwachs von 4,3 Prozent in diesem Jahr und einem erwarten Zuwachs von 2,7 Prozent im nächsten Jahr, liegt Polen klar vorne. Die Griechen können mit einem negativen BIP von aktuellen 6,9 Prozent nicht dagegen halten. Auch im nächsten Jahr ist mit einem prognostizierten Minus von 4,7 Prozent keine Besserung in Sicht. Die frühe Führung der Gastgeber ist damit hochverdient, die Polen nutzen die Schwächen beim Bruttoinlandsprodukt der Griechen eiskalt aus und liegen eins zu null vorn.

Die Griechen zeigen sich aber kampfbereit und kontern überraschend mit der Inflationsrate. Mit 3,1 Prozent ist diese zwar im Vergleich zur deutschen Wirtschaft hoch, das reicht jedoch, um im Spiel gegen Polen den Ausgleich zu erzielen. In Polen stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent.

Nun beginnt das Spiel etwas an Fahrt zu verlieren. Polen versucht ein Vorstoß über den Außenhandelssaldo mit der EU. Die Mannschaft kann sich mit einem Plus von 14 Prozent im Jahr 2011 zwar einen kleinen Vorteil herausspielen. Der Abstand von lediglich 0,4 Prozent zu den Griechen reicht jedoch noch nicht für einen zählbaren Erfolg. Der Unparteiische entscheidet lediglich auf Vorteil. Aber die Polen lassen nicht locker, erhöhen zunehmend den Druck  und versuchen es über den Außensaldo mit Deutschland. Die polnische Equipe legt mit einem Plus von 10,1 Prozent in 2010 und 11,1 Prozent in 2011 vor. Hier haben die Griechen nichts entgegen zu setzen und heimsen sich mit einem Saldo von 3,4 Prozent einen Gegentreffer ein. Zwei zu eins für Polen heißt der Spielstand nach den ersten 45 Minuten.

Die zweite Halbzeit

Das Spiel geht da weiter, wo die erste Halbzeit geendet hat: Polen hat die Partie fest im Griff. Die Mannschaft scheint sich ihrer Stärke bewusst zu sein und flankt selbstbewusst in Richtung Staatsverschuldung. Der Schuss kommt einem Elfmeter gleich. Ohne Gegenwehr fliegt das Runde in das Eckige. Kein Wunder, bei einer Staatverschuldung von 53,7 Prozent in Polen gegenübereiner Quote in Höhe von 160,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts bei den Hellenen. Die Griechen wollen den Treffer dennoch nicht gelten lassen. Sie protestieren, die Stimmung ist aufgeladen. Aufgrund von Steuerflucht sei die Verschuldung so hoch. Härtere Gesetze würden Geld in die Kassen spülen. Der Schiedsrichter lässt dies nicht gelten. Drei zu eins zeigt die Tafel im Stadion an.

Aber die Griechen lassen nichts unversucht. Versuchen über die Jugenderwerbslosigkeit einen Punkt zu erzielen. Mit einer Quote von 44,4 Prozent scheitert der Vorstoß jedoch an der polnischen Abwehr. Schnell schlägt diese einen weiten Pass nach Vorne, der polnische Sturm setzt zum Gegengriff an. Und erzielt mit einer Quote von 25,8 Prozent das vier zu eins. Das Publikum im Warschauer-Stadion ist außer sich. Aber jubeln sie zu früh?

Noch ist genügend Zeit, um den Rückstand aufzuholen. Mit einer einfachen Standardsituation, dem Renteneintrittsalter, versucht die griechische Mannschaft wieder zurück ins Spiel zu kommen. Und tatsächlich: der Ball landet im Netz. Durchschnittlich 2 Monate gehen Männer in Griechenland später in Rente als in Polen. Bei den Frauen ist der Unterscheid mit 13 Monaten noch größer. Griechenland hat wieder Hoffnung. Aber alles kämpfen hilft schließlich nicht. Bei den Lohnsteigerungen, der Erwerbslosenquote, der Länderbonität, dem Bonitätsindex bleibt Griechenland hinter Polen zurück. Es bleibt schließlich beim Endstand von vier zu zwei für die Gastgeber.

Info

Zahlen im Vergleich

 

Polen

Griechenland

Bruttoinlandsprodukt 2011

(Veränderungen in %)

+ 4,3

-6,9

Inflationsrate in %

(im Vorjahresvergleich)

4,3

3,1

Außenhandelssaldo EU in %

+ 14

+ 13,6

Außenhandelssaldo BRD in %

+ 11,1

+ 3,4

Staatsverschuldung 2012

(% des BIP)

53,7

160,6

Jugenderwerbslosigkeit (in %)

44,4

25,8

Renteneintrittsalter Männer

61,7

61,9

Renteneintrittsalter Frauen

58,5

59,6

Leistungsbilanzsaldo

(in % des BIP)

-3,9

-7,8

Länderbonität

Rang 36

Rang 151

Bonitätsindex

70,5

19,6

               

Quellen: Destatis, Gtai

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