Mittwoch, 27.12.2017

Foto: Monkeybusinessimages/Thinkstock/Getty Images

Mangelware Fachkraft: Mit der Positivliste versucht die Bundesagentur für Arbeit die Zuwanderung von qualifizierten Ausländern aus nicht-EU-Ländern zu steuern.

Personal
Fachkräftemangel

Qualifizierte Zuwanderung: Positivliste erweitert

Die Bundesagentur für Arbeit hat die Positivliste für Mangelberufe angepasst. Sie erleichtert in zahlreichen Branchen die Zuwanderung von Nicht-EU Fachkräften nach Deutschland. Aktuell umfasst sie 22 Berufe.

Im Vergleich zur Analyse im Winter 2016 hat sich die Engpasssituation vor allem in Bauberufen verschärft: So zeigten sich in der Berufsgruppe Spezialisten (Aufsichtskräfte) des Hoch- und Tiefbaus Mängel, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Neu hinzugekommen ist zudem ein Mangel bei Ingenieuren in der Fachrichtung Konstruktion und Gerätebau. Entsprechend wurde die neue Positivliste um diese beiden Berufe ergänzt. Der Engpass bei den Elektrotechnikern sowie bei Experten in der IT-Anwendungsberatung hat sich hingegen zunächst entschärft.

Folgen Sie Markt und Mittelstand jetzt auch auf LinkedIn:    


Der größte Mangel besteht nach wie vor in technischen Berufen und im Pflegebereich. Offene Stellen für Energietechniker, Klempner und Meister auf dem Bau waren im laufenden Jahr noch schwerer zu besetzen, als im Vorjahr. Bei Flugzeugtechnikern und Softwareentwicklern hat sich die Situation leicht entspannt.

Vorrangprüfung weitgehend ausgesetzt

Die Positivliste soll den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt vereinfachen, so dass Unternehmen aus den entsprechenden Berufsgruppen ihren Fachkräftebedarf auch durch Arbeitnehmer von außerhalb der EU decken können. Mit der „Blauen Karte EU“ (auch blue card genannt) für Hochqualifizierte mit Studienabschluss, der verbesserten Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sowie der erleichterten Einstiegschancen für Studierende aus Nicht-EU-Staaten bestehen weitere Möglichkeiten.

Um sicherzustellen, dass die im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen mit einer deutschen Ausbildung gleichwertig sind, muss ein Anerkennung erfolgen, die allerdings sehr kompliziert ist und mitunter lange dauern kann. Darüber hinaus muss in dem Beruf tatsächlich ein Engpass bestehen.

Eine Genehmigung wurde nur dann erteilt, wenn die Arbeitsbedingungen der entsprechenden Stellen nicht schlechter waren als bei vergleichbaren inländischen Beschäftigten. Diese sogenannte Vorrangprüfung wurde allerdings, vorerst um drei Jahre, bis August 2019, ausgesetzt. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im März 2017 rund 465.000 Flüchtlinge von Jobcentern und der BA betreut. Sie können über eine Einstiegsqualifizierung oder eine assistiere Ausbildung ihren Weg in den angestrebten Beruf finden.

Die Positivliste für die Zuwanderung in Ausbildungsberufe gibt es seit 2013. Mit ihr soll die Zuwanderung durch qualifizierte Fachkräfte aus dem nicht-EU-Ausland gesteuert werden. Bei der Einführung umfasste die Liste insgesamt 19 Berufsgruppen. Die BA führt zweimal im Jahr eine Fachkräfteengpassanalyse durch. Eine Anpassung der Positivliste erfolgt aber nur dann, wenn zwei aufeinanderfolgende Prüfungen einen Mangel feststellen.