Montag, 17.02.2014
Landvermesser kartiert Baufläche:Für Fachkräfte bleibt Rente mit 63  in ferner Zukunft.

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Landvermesser kartiert Baufläche:Für Fachkräfte bleibt Rente mit 63 in ferner Zukunft.

Personal
Schlechtes Zeugnis für neues Rentenpaket

Rente mit 63 könnte Handel schaden

Die Rente mit 63 sorgt im Mittelstand für Diskussionen. Sozialausgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen steigen – und doch können einige Unternehmer profitieren.

Teuer, ungerecht, wirtschaftsschädlich: Der Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zur Rente mit 63 sorgt für Kritik. Auch Mittelstandsvertretern läuten die Alarmglocken. „Für den mittelständischen Unternehmer werden durch die Rente mit 63 die auf Löhne und Gehälter zu zahlenden Sozialabgaben steigen“, sagte Judith Röder, stellvertretende Geschäftsführerin vom Mittelstandsverbund und Arbeitsrechts- und Sozialrechtsexpertin der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand. Sie hält nichts von dem Gesetzesvorschlag, der den abschlagsfreien Berufsausstieg mit 63 Jahren vorsieht. Möglich soll dieser nach 45 Jahren Beitragszahlung in das deutsche Rentensystem sein – eingeschlossen bis zu fünfjähriger Arbeitslosigkeit.

Rente mit 63 ist „fatales Signal“

„Das Vorhaben wirft langfristig angelegte Nachfolgeplanungen über den Haufen“, sagte Röder mit Verweis auf Probleme für Unternehmer in der Personalentwicklung. Den früheren Ausstieg können sich laut der Rechtsanwältin nur wenige Arbeitnehmer erlauben. „Die Voraussetzungen erfüllt der überdurchschnittlich verdienende, männliche Arbeitnehmer mit durchgängiger Erwerbsbiografie“, sagte Röder. Insgesamt bedeute das Reformpaket sinkende Renten und damit verbunden weniger Geld für den Konsum. Das werde sich letztlich auch negativ auf den Handel auswirken. 

Eine klare Meinung hat auch Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). „Deutschland braucht keine neuen Frühverrentungsmodelle“, kommentierte er. Er spricht hinsichtlich des voranschreitenden demographischen Wandels und Problemen bei der Personalrekrutierung von vor allem ländlichen Betrieben von einem "fatalen Signal“.

Früherer Berufsausstieg für einige Unternehmen nützlich

Die Sicht von Mittelstandsvertretern ist eine andere. Denn: Die Rente mit 63 ist nicht für alle Unternehmer ein Problem. „Das kann der Fall sein, wenn ein Unternehmen sich ohnehin verkleinert oder wenn ein Mitarbeiter beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen mit seiner Tätigkeit immer größere Schwierigkeiten bekommt und auch nicht anderweitig einsetzbar ist“, erklärte Röder.
Gegner des Rentenpakets fürchten, dass es dabei nicht bleiben wird. Sie rechnen damit, dass Unternehmer die abschlagsfreie Rente mit 63 nutzen werden, um Mitarbeiter generell früher entlassen zu können. Ihre Prognose: Im Alter von 61 Jahren schicken sie ihre Angestellten unter Zahlung einer Abfindung in die Arbeitslosigkeit. Die entlassenen Arbeitnehmer erhalten im Anschluss bis zu ihrem 64. Lebensjahr Arbeitslosengeld und gehen dann abschlagsfrei in Rente. 

Sorge vor Missbrauch durch Unternehmer

Bundesarbeitsministerin Nahles (SPD) hält das für unwahrscheinlich. Die zu zahlenden Abfindungen und der Fachkräftemangel machten diese Lösung für Arbeitgeber uninteressant. Dieser Meinung schließen sich auch die Linken im Bundestag an. Die Sorge vor Frühverrentnungswellen hält die Partei für „pure Idelologie“. Altersgerechte Arbeitszeitmodelle, gute Arbeitsbedingungen und entsprechende Förderprogramme würden dafür sorgen, qualifizierte Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Die Linken gehen weiter: Sie fordern, dass Arbeitnehmer schon mit 60 oder nach 40 Beitragsjahren in abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können.

Förderung von beruflicher Qualifikation muss weitergehen

Ein weiterer Kritikpunkt gegen die Rente mit 63 zielt auf die Entwicklung der Unternehmer von Weiterbildungsprogrammen für ältere Mitarbeiter. Dieses Argument hält Mittelstandsvertreterin Röder für kaum ausschlaggebend. „Spezielle Förderprogramme für ältere Mitarbeiter gibt es kaum noch in dem Umfang wie noch vor einigen Jahren“, sagte sie. „Sinnvoll und wichtig ist sicher die Förderung von beruflicher Qualifizierung, ganz unabhängig vom Alter der betroffenen Personen.“