Donnerstag, 23.08.2018

Foto: jazz42/Thinkstock/Getty Images

Agiles Management: Um die Digitalisierung voranzutreiben, sind neue Arbeitsmethoden notwendig, die das abteilungsübergreifende Arbeiten erleichtern.

Personal
Implementierung der Digitalisierung

So helfen Barcamps dabei, das Unternehmen agiler zu machen

Management-Coaches haben viele wohlklingende Methoden kreiert, um Unternehmen agiler zu machen. Eine davon ist das sogenannte Barcamp. Wie das Konzept funktioniert, erklärt der Digitalisierungsforscher Niklas Mahrdt.

Herr Mahrdt, Digitalisierung ist für den Mittelstand ein großes Thema. Viele Unternehmer fragen sich aber: Wie kann man auf „agil“ umschalten?
Die Voraussetzung dafür ist der Wille, etwas zu verändern und auf diesem Weg alle mitnehmen zu wollen. Für die Umsetzung agiler Prozesse gibt es zahlreiche Ansätze, wie das OKR-Management (Objectives and Key Results), das Shopfloor-Management, das Holokratie-Konzept, das Reverse Monitoring oder auch Corporate Barcamps.

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Barcamps sind derzeit in aller Munde. Was ist das Besondere daran?
Dieses Format eignet sich gut, um etwa mit der gesamten Belegschaft – egal ob mehrere Dutzend oder Hunderte Menschen – komprimiert neue Ideen zu entwickeln, aber auch um über bestehende Pläne, Analysen und Vorschläge zu diskutieren. Damit die Digitalisierung in Unternehmen gelingt, müssen alle Mitarbeiter, die Ideen haben, miteinander verknüpft sein und voneinander lernen können. Jeder Mitarbeiter kann sich außerhalb der sonst gesteckten Teamgrenzen erproben. Und Führungskräfte werden als nahbar erlebt.

Foto: Rheinische Fachhochschule Köln

Niklas Mahrdt forscht an der Rheinischen Fachhochschule Köln über Digitalisierung.

Ideen kann man auch in Meetings austauschen. Was machen Barcamps anders?
Meetings sind meistens nur auf ein Thema, eine Abteilung oder eine Hierarchieebene beschränkt. Zudem sind die Zuhörer in der Regel passiv. Gerade im Mittelstand werden viele Entscheidungen noch top-down, also von oben nach unten, getroffen. Klar definierte Zuständigkeiten führen oft zu Silodenken. Barcamps brechen solche Strukturen auf.

Inwiefern?

Zum Beispiel werden die Themen von den Mitarbeitern selbst gesetzt und dann in Gruppen bearbeitet. Die Zusammensetzung der Gruppen ist dabei abteilungs- und hierarchieübergreifend. So können Probleme und Hürden, die neuen Ideen im Wege stehen, erkannt und durch das Zusammenbringen vieler kluger Köpfe sehr schnell gelöst werden.

Stehen am Ende konkrete Ergebnisse?

Zunächst ist das Ergebnis des Austausches offen. Das Unternehmen bekommt aber tiefe Einblicke in die Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen seiner Mitarbeiter. Am Anfang findet eine Bestandsaufnahme der „digitalen Fitness“ eines Unternehmens und der Belegschaft statt. Durch die Arbeit im Corporate Barcamp entstehen Projektideen, die weiter diskutiert und schließlich praktisch umgesetzt werden können.