Freitag, 19.01.2018

Foto: Dominik Wolf

Kontakte knüpfen: IfM-Bonn-Chefin Friederike Welter (2. v.l.) sieht sich als Vermittlerin zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Personal
Institut für Mittelstandsforschung wird 60

So profitieren Unternehmen von der Arbeit des IfM Bonn

In Bonn wird über Zustand, Chancen und Herausforderungen des Mittelstands geforscht. Jetzt feiert das dortige Institut für Mittelstandsforschung seinen 60. Geburtstag. Im Interview erklärt IfM-Präsidentin Friederike Welter, welchen Mehrwert das Forschungsinstitut für die Praxis hat.

Das IfM Bonn wird Ende Januar sein 60-jähriges Bestehen feiern. In Zeiten von Fachkräftemangel, Digitalisierung, Trump, Brexit & Co. fragt man sich: Hatten es Unternehmer früher genauso schwer?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Jede Zeit hat ihre Herausforderungen: in den 1960er-Jahren gab es in einzelnen Branchen noch Wettbewerbsnachteile für mittelständische Unternehmen, in den 1970ern war die zunehmende Internationalisierung ein großes Thema und in den 1980ern stellte sie der EU-Binnenmarkt vor neue Aufgaben.

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Wie hat sich die Bedeutung des Mittelstands in Deutschland seit der Gründung verändert?
Die Wahrnehmung des Mittelstands in der Öffentlichkeit – aber auch in der wissenschaftlichen Forschung – hat sich seit 1957 deutlich erhöht. In den Anfangsjahren des IfM Bonn gab es noch gar keine Definition, was der Mittelstand überhaupt ist. Diese war aber notwendig, um überhaupt Zahlen erheben zu können. Mit Hilfe von Statistiken konnten wir seine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung erst eindeutig nachweisen. Während der Ölkrise rückte der Mittelstand dann erstmals im Hinblick auf seine Rolle als Arbeitgeber und als Stabilisierungsfaktor in den Fokus.

Info

Zur Person

Prof. Dr. Friederike Welter ist seit 2013 hauptamtliche Präsidentin und Geschäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Zugleich hat sie den Lehrstuhl für Management von kleinen und mittleren Unternehmen und Entrepreneurship an der Universität Siege.

Welche Fähigkeiten muss ein Mittelständler heute mitbringen, die er damals noch nicht benötigt hat?
Wenn wir uns beispielsweise innovative Start-ups ansehen, so zeigt sich, dass sich im Hinblick auf das Gründungsverhalten nicht viel verändert hat: Immer noch bedarf es Selbstverantwortung und -vertrauen, Individualität und Kreativität sowie die Bereitschaft und Fähigkeit, Neues zu gestalten.

Foto: IfM Bonn

Friederike Welter ist Präsidentin und Geschäftsführerin des IfM Bonn.

Es hat sich also gar nicht so viel verändert?!
Heute ist natürlich alles viel temporärer: Ein Gründer bleibt das nicht mehr unbedingt bis zu seinem Erwerbsende. Aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung durch die Digitalisierung hat sicherlich der Wettbewerbsdruck zugenommen. Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit mit Hilfe von Innovation und Wachstum sichern zu können, müssen mittelständische Unternehmen ein bisschen aktiver als früher beobachten, wo sie Anpassungen vornehmen sollten.

Das IfM Bonn ist sehr wissenschaftlich ausgerichtet. Was hat der „Otto-Normal-Mittelständler“ von Studien, Indikatoren und Entwicklungsverläufen?

In den vergangenen 60 Jahren ist es unseren Wissenschaftlern immer wieder gelungen, sehr frühzeitig Themen zu erkennen, die später relevant für den Mittelstand wurden. Hierzu gehören nicht nur der Aufbau und die intensive Pflege der Statistik der Unternehmensgrößen, die zu einer wichtigen Hilfestellung für die Wirtschaftspolitik wurde. Dies zeigen aber auch beispielsweise die Grundsatzstudien zu den Gründungen in den 1960er Jahren und zur Beschäftigungsentwicklung in den 1980er Jahren, die gleichfalls zu ersten wirtschaftspolitischen Initiativen führten. Und das Thema Unternehmensnachfolge wurde durch unsere Studien enttabuisiert.

Wie stellen Sie Praxisbezüge her?

Unsere Wissenschaftler arbeiten in verschiedenen Gremien mit, über die die Studienergebnisse direkt in konkrete praktische Initiativen führen. Unsere Mitarbeiter sind aber auch auf vielen Veranstaltungen unterwegs und geben konkrete Handlungsempfehlungen.

Was müssen die KMU-Inhaber tun, damit sie in Zukunft weiterhin erfolgreich sind?
Zukünftig gewinnen sicherlich Kooperationen mit Start-ups an Bedeutung. Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, empfiehlt es sich, diese Möglichkeit in die strategischen Überlegungen miteinzubeziehen.

Info

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) wurde 1957 auf Initiative Ludwig Erhards von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Nordrhein-Westfalen als Stiftung gegründet. Seine Aufgabe ist es die Lage, Entwicklung und Probleme des Mittelstandes zu erforschen, um damit mittelbar einen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen des Mittelstandes zu leisten. Dabei achtet das IfM Bonn vor allem auf eine praxisnahe Ausrichtung der Forschungstätigkeit. In Zukunft will das Institut seine Forschung internationaler ausrichten.