Dienstag, 27.02.2018

Foto: bokan76/Thinkstock/Getty Images

„Generation Z“: Wer mit dem Smartphone aufgewachsen ist, hat einen anderen Blick auf die Welt. Gilt das auch bei der Berufsorientierung?

Personal
„Generation Z“

So suchen Schüler heute den passenden Beruf

Es gibt so viele Ausbildungs- und Studienangebote wie nie. Schüler, die sich entscheiden müssen, haben die Qual der Wahl. Eine Studie hat untersucht, über welche Kanäle sich Schüler informieren. Ergebnis: Neben den sozialen Medien spielt auch der persönliche Kontakt immer noch eine große Rolle.

Ein Glasermeister zerdeppert eine Glasscheibe und fast 3 Millionen Menschen klicken den kurzen Videoclip von Sven Sterz an – so kann erfolgreiches Recruiting in Zeiten von Facebook, Snapchat und Google aussehen. 

Aber geht es nur noch so, oder springen Schüler auch noch auf andere Informationen an? Das hat eine aktuelle Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank untersucht. Im Fokus der Studie standen die zwischen 1995 und 2009 Geborenen, die sogenannte Generation Z, die nun allmählich in das arbeitsfähige Alter kommt. Diese Generation zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Erstens ist sie mit Smartphone & Co. aufgewachsen, die Digitalisierung ist nichts Neues, sondern Standard. Zweitens hat diese Generation die Wirtschafts- und Finanzkrise miterlebt – und das wirkt sich auf ihre eigene Vorstellung vom Arbeitsleben aus. Sie möchte möglichst flexibel arbeiten; Karriere ist nicht das oberste Ziel. Vielmehr sollen Berufs- und Privatleben miteinander im Einklang stehen.

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WhatsApp ja, aber nicht für Berufsinformationen

Demnach erscheint für die 9- bis 23-Jährigen eine Ausbildung gar nicht so unattraktiv wie oftmals vermutet. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten kann sich nach der Schulzeit eine Ausbildung vorstellen. Allerdings stehen ein duales Studium (53 Prozent) und ein klassisches Vollzeitstudium (59 Prozent) noch höher im Kurs. Bei der Suche nach Informationen setzen die meisten Befragten (63 Prozent) auf Google, ein Drittel informiert sich bei der Jobbörse der Agentur für Arbeit, ein Fünftel (22 Prozent) bei Ausbildungsplattformen wie ausbildung.de, azubi.de oder azubiyo.de. 15 Prozent suchen auf den Seiten der einzelnen Unternehmen.

Anteil der Befragten, die die Online-Angebote nutzen (in %, Auswahl, Mehrfachantwort möglich)

Bei der Nutzung von sozialen Medien unterscheiden die Schüler stark zwischen der privaten Nutzung – wie etwa dem Chat mit Freunden – und der Jobrecherche. So nutzen zwar fast alle (98 Prozent) den Messenger-Dienst WhatsApp, aber nur ein Drittel davon möchte darüber auch Informationen zur Berufswahl beziehen. Das gleiche Ergebnis zeigt sich bei Snapchat, einem ebenfalls in der Altersgruppe beliebten Messenger: Fast acht von zehn Jugendlichen nutzen die Smartphone-App, aber nur zwei von zehn wollen über diesen Kanal auch Berufsinformationen erhalten.

Erfolgversprechende Veranstaltungen

Die Studie zeigt, dass soziale Medien heute nicht alles sind. So steht der persönliche Kontakt durchaus hoch im Kurs. Den größten Erfolg versprechen demnach Veranstaltungen in der Schule – dafür interessieren sich 61 Prozent der gut 500 Befragten. Auch Ausbildungsmessen (44 Prozent) und Bewerbungstrainings (42 Prozent) nehmen Schüler gern in Anspruch, um sich zu informieren. Auch die vielerorts bereits für tot erklärten Printmedien sind bei den 9- bis 23-Jährigen durchaus nicht unbeliebt. 28 Prozent der Schüler durchsuchen die Tageszeitung nach Stellenausschreibungen, und sogar fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) liest Broschüren von Arbeitgebern. Im Vergleich dazu stoßen Azubi-Blogs von Unternehmen noch auf wenig Interesse – nur 13 Prozent informieren sich auf diesem Weg.

Kontaktpunkte bei der Berufsorientierung (Auswahl) (in % der Befragten, Mehrfachantwort möglich, in mehreren Fragen abgefragt)

Als wichtigste Ansprechpartner liegen Eltern und Familie (86 Prozent) deutlich vorn. An Freunden und Bekannten orientieren sich fast drei Viertel (72 Prozent) der Befragten. Auf einen erstaunlich hohen Wert kommen Unternehmensvertreter – bei ihnen informieren sich mehr als die Hälfte (53 Prozent). Den Lehrern (38 Prozent) und der Agentur für Arbeit (37 Prozent) trauen die Schüler hingegen wohl eher weniger Kompetenz bei der Berufsorientierung zu. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) kommen sogar nur auf 16 Prozent.