Mittwoch, 10.01.2018
Mastermind der deutschen Brettspielszene: Seit der Erstveröffentlichung von „Die Siedler von Catan“ 1995 hat Klaus Teuber die Grundidee zu einer ganzen Produktfamilie ausgebaut.

Foto: Sarah Häuser/Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG

Mastermind der deutschen Brettspielszene: Seit der Erstveröffentlichung von „Die Siedler von Catan“ 1995 hat Klaus Teuber die Grundidee zu einer ganzen Produktfamilie ausgebaut.

Personal
„Siedler von Catan“-Erfinder Klaus Teuber

Sogar Mark Zuckerberg ist ein bekennender Fan

US-Stars und -Gründer sind Fans der „Siedler von Catan“: Klaus Teuber hat es mit seinem Kultspiel bis ins Silicon Valley geschafft. Dabei ging es in seinem ersten Unternehmen noch um ein ganz anderes Produkt.

Im hessischen Rossdorf, einer 12.000-Seelen- Gemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg, sind die Hecken hoch und die Vorgärten gepflegt. In einem schmalen weißen Reihenhaus kurz vorm Ortsrand sitzt die Catan GmbH, eine kleine Firma mit sieben Mitarbeitern und selbstgedrucktem Klingelschild. Hier lebt und arbeitet Spieleautor Klaus Teuber (65), Mastermind der deutschen Brettspielszene. Besucher empfängt der Hausherr in Socken und Lederschlappen.

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Mehr als 22 Millionen Mal wurde Teubers Kultspiel „Die Siedler von Catan“ seit seiner Erfindung 1995 weltweit verkauft und in 30 Sprachen übersetzt, und der Hype ist ungebrochen. Facebook- Gründer Mark Zuckerberg ist ein bekennender Fan, einige Football-Teams der NFL nutzen das Spiel zur mentalen Vorbereitung auf anstehende Matches.

Vom Studenten zum Unternehmer

Klaus Teuber war schon lange vor der Erfindung von Catan ein Unternehmer. Im Jahr 1978, kurz nach der Geburt seines zweiten Kindes, bricht er sein Chemiestudium ab und steigt als Lehrling im Dentallabor des Vaters ein. 1983 legt er die Meisterprüfung ab.

Schon damals arbeitet Teuber an Ideen für Brettspiele. 1988 gelingt ihm die erste Veröffentlichung, „Barbarossa und die Rätselmeister“. Bis heute hat Teuber im Keller eine Werkstatt, in der er – für ihn als Zahntechniker ein Leichtes – die Prototypen für Figuren und Spielfelder selbst schnitzt, fräst, schneidet und bedruckt. Seine Anfänge als Spieleentwickler beschreibt er als Flucht vor dem Unternehmensalltag: Die Zeit im Dentallabor sei relativ hart gewesen, konstatiert er im Rückblick. Mit dem Geld, das er für sein Spiel „Adel verpflichtet“ bekommt, zahlt er den gesundheitlich angeschlagenen Vater 1990 aus und übernimmt das Labor gemeinsam mit zwei Kollegen.

Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr

Dass aus dem Entwickeln von Brettspielen einmal sein Beruf werden könnte, glaubt Klaus Teuber auch dann noch nicht, als seine „Siedler von Catan“ 1995 als „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet werden. Es ist das vierte Mal, dass er mit einem Spiel diesen Titel gewinnt. Die Erfahrung hat ihn gelehrt: Im ersten Jahr nach der Auszeichnung ist die Nachfrage riesig – und stürzt danach steil ab.

Doch bei Catan kommt es anders: Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr. Trotzdem will Teuber nichts überstürzen. „Durchschnittlich verdient man mit einem neuen Spiel vielleicht zwischen 5.000 und 10.000 Euro“, erläutert Teuber. „Ich wollte nicht gezwungen sein, jedes Jahr vier oder fünf Spiele auf den Markt zu werfen, von denen ich selbst nicht überzeugt bin.“ Nach drei Jahren wachsender Nachfrage nach Catan wagt er schließlich den Schritt: „Im Notfall hätte die Pflege der Catan-Welt gereicht, um über die Runden zu kommen“, sagt er heute. 1999 überlässt er seine Anteile am Labor seinen beiden Miteigentümern und konzentriert sich fortan nur noch aufs Spieleerfinden. Um seine Ideen professionell zu vermarkten, gründet er gemeinsam mit seinem Sohn Guido im Jahr 2002 die Catan GmbH. Der jüngere Sohn Benjamin, wie Guido von Anfang an am Unternehmen beteiligt, stößt 2011 zur operativ tätigen Mannschaft hinzu.

Die Entdecker ringen im Spiel um die Vorherrschaft auf der Insel Catan: Um die Wette bauen sie Straßen, Siedlungen und Städte, ernten und gewinnen Rohstoffe – und handeln damit, was das Zeug hält.

Foto: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG

Die Entdecker ringen im Spiel um die Vorherrschaft auf der Insel Catan: Um die Wette bauen sie Straßen, Siedlungen und Städte, ernten und gewinnen Rohstoffe – und handeln damit, was das Zeug hält.

Internationale Expansion

Dass seine Söhne einmal mit ihm in einer Firma arbeiten würden, war für Klaus Teuber alles andere als absehbar. Beide hatten zunächst ganz eigene Karrierewege verfolgt. In das Dentallabor des Großvaters, das hatten sie dem Vater frühzeitig zu verstehen gegeben, würden sie nicht einsteigen. Hinzu kam: Während des Studiums verliebte sich Guido, der Erstgeborene, in eine Amerikanerin, mit der er eine Familie gründete und sich in Kalifornien niederließ. Der Vater ließ ihn ziehen – ohne zu ahnen, wie sehr ihm Guidos Entscheidung einmal in die Karten spielen würde.

„Catan wurde bereits 1996 für den amerikanischen Markt lizenziert“, sagt Teuber. Bis das Geschäft in Übersee aber richtig anläuft, dauert es. Erst Anfang des Jahrtausends ist es so weit. Als sich Klaus Teuber auf die Suche nach einem Repräsentanten für den US-Markt machen will, eröffnet Guido ihm, dass er gern voll mit einsteigen würde. Der Vater ist so überrascht wie begeistert und überträgt ihm das Lizenzgeschäft in den Vereinigten Staaten.

Die internationale Aufstellung des Familienunternehmens erfolgt zum richtigen Zeitpunkt: 2009 widmet das Technologiemagazin „Wired“ dem Spiel einen eigenen Artikel. Ausgerechnet unter den Techies im Silicon Valley findet das klassische Brettspiel immer mehr Fans. 2012 preist Linkedin-Mitgründer Reid Hoffman das Spiel in seinem Buch „The Start-up of You“ an. Der Karriereratgeber für junge Unternehmer entwickelt sich zum Bestseller, und „Die Siedler von Catan“ schwimmen auf der Erfolgswelle mit. Bei amerikanischen Kunden von Amazon ist Catan heute das meistverkaufte Gesellschaftsspiel, deutlich vor dem Dauerbrenner Monopoly.

Vom Spiel ins Leben

Catan sei für ihn „das Spiel des Unternehmertums“, lobt Reid Hoffman. Angeblich lädt er potentielle Geschäftspartner zu einer Partie am Brett ein, um sie auf Strategie, Kreativität, Risikobereitschaft und Verhandlungsgeschick zu prüfen. Teubers jüngerer Sohn Benjamin hält das für durchaus realistisch: „Man lernt die Leute kennen beim Spiel, zum Beispiel, wie sie mit Niederlagen umgehen“, sagt der studierte Psychologe.

Klaus Teuber selbst ist Entdecker, kein Eroberer. An den „Siedlern von Catan“ mag er den friedlichen, kooperativen Charakter und die soziale Komponente. „Catan hat keine Ureinwohner, es wird niemand kolonialisiert“, sagt er. „Es geht um das offene und friedliche Zusammenleben und in den Erweiterungen auch um den Handel mit fremden Völkern.“ Parallelen zwischen Spiel und Unternehmertum sieht auch er: Zu beidem gehörten Glück und Offenheit für neue, unerwartete Entwicklungen. Allerdings: „Der Glücksfaktor darf nicht übermächtig sein“, sagt Teuber – sonst werde die Lust am eigenverantwortlichen Entscheiden und selbständigen Handeln erstickt. Auch das gelte beim Spielen ebenso wie im Unternehmertum.

Info

Das Spiel, die Marke, das Universum

Mehrere Schiffe erreichen einen bisher unbewohnten Kontinent: Catan. Die Entdecker ringen um die Vorherrschaft auf der Insel: Um die Wette bauen sie Straßen, Siedlungen und Städte, ernten und gewinnen Rohstoffe – und handeln damit, was das Zeug hält. Seit der Erstveröffentlichung von „Die Siedler von Catan“ 1995 hat Klaus Teuber diese Grundidee zu einer ganzen Produktfamilie ausgebaut: Neben dem Basisspiel gibt es zahlreiche Erweiterungen, Varianten und Szenarien, Editionen wie „Star Trek Catan“ und Regionalausgaben, also Extra-Spielpläne in Form verschiedener deutscher Bundesländer plus Mallorca. Kürzlich ist eine erneuerte Onlinevariante des Spiels auf den Markt gekommen. Seit 2002 erzählt sogar ein eigener Roman die Geschichte der Siedler von Catan: Bestseller-Autorin Rebecca Gablé, die für ihre historischen Stoffe bekannt ist, hat ihn verfasst.


Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 12/2017 – 01/2018. Hier können Sie das aktuelle Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.