Dienstag, 10.03.2015
Gefragtes Know-how – damit ein Mitarbeiter wie dieser nicht beim erstbesten Angebot den Arbeitgeber wechselt, bedarf es einer Einbindung der Spezialisten in die strategischen Zielsetzungen des Unternehmens.

AKodisinghe/istock/Getty Images

Gefragtes Know-how – damit ein Mitarbeiter wie dieser nicht beim erstbesten Angebot den Arbeitgeber wechselt, bedarf es einer Einbindung der Spezialisten in die strategischen Zielsetzungen des Unternehmens.

Personal
Strategien zur Mitarbeiterbindung notwendig

Steigender Wettbewerb um IT-Fachkräfte

Die Nachfrage nach IT-Mitarbeitern wird bis 2020 um 30 Prozent steigen. Diese Entwicklung verschärft den bereits existierenden Fachkräftemangel im Bereich IT. Die Marktmacht der IT-Fachkräften wird zunehmen – eine Herausforderung für Unternehmen.

Als hätten CIOs und CTOs nicht genug Projekte auf ihren To-do-Listen: 60 Prozent von ihnen rechnen nach einer aktuellen Studie von Robert Half Technology mit einer steigenden Anzahl von IT-Projekten bzw. mit einem größeren Umfang der Projekte (59 Prozent). Die Implementierung optimaler IT-Infrastrukturen sowie die Datenqualität sind wichtige weitere Themen. Ganz zu schweigen von der Datensicherheit. Um diese Aufgaben abzuarbeiten, brauchen sie vor allem geeignetes Personal  - und das ist knapp.

Das Angebot an IT-Profis wird dieser Nachfrage nicht genügen können, so dass es zu einer verstärkten Konkurrenz der Arbeitgeber um geeignete Fachkräfte kommen wird. Es wird schwieriger werden, Fachkräfte an das eigene Unternehmen zu binden, erwartet fast jeder zweite IT-Verantwortliche.

IT-Fachkräfte gesucht

Viele IT-Verantwortliche haben diese Entwicklung bereits erkannt: Auf die Frage, was im Jahr 2020 die größte Herausforderung für CIOs sein wird, antworten 22 Prozent der Befragten, es sei die Umsetzung einheitlicher IT-Systeme im gesamten Unternehmen. Auf Platz zwei steht bereits die Einstellung geeigneter Mitarbeiter (15 Prozent). Dann folgen die Performance der IT-Systeme (12 Prozent), die Beseitigung der Schatten-IT (11 Prozent) und die Mitarbeiterbindung (10 Prozent). Martin Schramm, Vice President bei Robert Half Technology, stellt fest: „Für CIOs und CTOs wird es immer schwieriger, die richtigen Mitarbeiter zu finden.

Laut einer Studie des Branchenverbandes Bitkom gibt es bereits heute 41.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland.“ Nur mit den besten IT-Profis könnten die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, weshalb die Unternehmen eine Strategie entwickeln müssten, diese Mitarbeiter an sich zu binden.

Hohe Erwartungen an Arbeitgeber

IT-Profis werden ihre Marktmacht zu nutzen wissen. 45 Prozent der CIOs und CTOs befürchten, dass die Generation Y im Jahr 2020 Erwartungen bezüglich Geld und Sozialleistungen haben wird, die ihr Unternehmen nicht erfüllen kann. Auch der starke Fokus auf die Work-Life-Balance wird von 37 Prozent der Befragten als Hindernis gesehen. 43 Prozent sehen es als große Herausforderung, dass die Ausbildung der derzeitigen IT-Fachkräfte die Trends im Markt noch nicht abdeckt. Gut ein Drittel befürchtet, dass externe Kandidaten nicht über die benötigten Kompetenzen verfügen, weil die IT-Systeme immer unternehmensspezifischer werden. Verstärkt wird dieser Engpass auch durch den demographischen Wandel, erwarten 26 Prozent.

Die Unternehmen müssen sich also etwas einfallen lassen zur Mitarbeiterbindung. Das ist auch dem  Seefrachtspediteur Fr. Meyer’s Sohn (GmbH & Co.) KG bewusst: „Die Mitarbeiterzahl unserer IT-Abteilung hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren nahezu verdoppelt. Darin spiegelt sich die große strategische Bedeutung der IT für unser Unternehmen wider“, berichtet CIO Olaf Rathgeb. Um individuell auf die Bedürfnisse der Kunden adaptierbare IT-Systeme zu entwickeln, sei  neben der fachlichen Expertise auch die Bereitschaft unerlässlich, sich intensiv mit den Geschäftsabläufen auseinanderzusetzen. „Das braucht Zeit, daher ist es für uns absolut entscheidend, langfristige Arbeitsverhältnisse aufzubauen und auf eine gemeinsame Entwicklung von Unternehmen und Mitarbeitern zu setzen.“

Die persönliche Motivation der Mitarbeiter ist ein wichtiges Einstellungskriterium im IT-Bereich bei Fr. Meyer’s Sohn. „Im Zweifelsfall geben wir Bewerbern mit Entwicklungspotenzial, die gut zum Unternehmen passen, den Vorzug gegenüber fachlich reiferen Bewerbern“, ergänzt Rathgeb. Auch die Führungskultur des Unternehmens, bei der auch IT-Spezialisten mit ihrem unternehmerischen Potenzial wahrgenommen werden, trägt zu einer vergleichsweise geringen Fluktuation der Mitarbeiter bei.