Montag, 27.08.2018

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Neue Prioritäten: Studenten ist eine Karriere nicht mehr so wichtig.

Personal
Beruf und Freizeit

Studenten sind Freunde und Familie wichtiger als Karriere

Bei vielen Studenten rückt der Beruf im Vergleich zur Freizeit in den Hintergrund. Das liegt vor allem an der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Gut bezahlte Jobs seien auch ohne Beförderung möglich, so die Hoffnung der Akademiker.

Auch nach dem offiziellen Feierabend im Büro sitzen, damit möglichst schnell die nächste Beförderung winkt: Für immer weniger Studenten ist das eine reizvolle Vorstellung. Bei einer Umfrage der Unternehmensberatung EY gaben nur 41 Prozent der rund 2.000 befragten Studenten an, dass ein beruflicher Aufstieg für sie wichtig sei. Deutlich höhere Priorität als die Karriere hat bei den Befragten, Zeit mit der Familie (70 Prozent) und Freunden (66 Prozent) zu verbringen.

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Bei der vorherigen Befragung vor zwei Jahren gab die Mehrheit der Studenten noch an, dass sie einen hohen Wert auf einen beruflichen Aufstieg legt (57 Prozent). Nicht nur Frauen, sondern vor allem Männer wenden sich vom Lebensziel Karriere ab. „Bei Männern beobachten wir einen stärkeren Wertewandel als bei Frauen“, sagt Andreas Butz, Leiter der Personalabteilung bei EY. Grund dafür dürften die rosigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt für qualifizierte Arbeitnehmer sein. 

Studenten blicken optimistisch in die Zukunft

Neun von zehn Befragten gehen davon aus, nach ihrem Universitätsabschluss schnell eine angemessene Stelle zu bekommen. „Die Studenten rechnen durchaus mit einem sicheren Job und einem auskömmlichen Gehalt“, sagt Oliver Simon, der die Umfrage betreut hat. Durch die positiven Zukunftsperspektiven verliert der berufliche Aufstieg an Reiz – schließlich erhoffen sich die Studenten auch ohne eine anstrengende Karriere ein hohes Gehalt. Das „Gefühl der weitgehenden Sicherheit“, wie Simon es nennt, ermöglicht es den Befragten, persönliche Interessen wie Hobbys oder Zeit mit Freunden und Familie in den Vordergrund zu rücken. 

Die Studenten wollen außerdem laut Umfrage nicht allzu lange bei ihrem ersten Arbeitgeber bleiben. Mehr als drei von fünf Befragten möchten ihren ersten Job höchsten vier Jahre behalten, jeder vierte will sich sogar bereits in den ersten zwei Jahren eine neue Stelle suchen.

Im Schnitt erwarten die Studenten ein Einstiegsgehalt von circa 38.000 Euro, wobei Männer mehr verlangen als Frauen und die Erwartungen bei den Befragten in Westdeutschland höher sind als im Osten der Republik. Trotz guter wirtschaftlicher Lage ist damit das Wunschgehalt rund 2.000 Euro niedriger als bei der Umfrage vor zwei Jahren. Viele Studenten gehen zudem davon aus, dass sie auch ohne Karriere länger arbeiten müssen; zwei Drittel der Befragten rechnen mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden. Nur 34 Prozent glauben, dass sie nur 35 bis 40 Stunden auf der Arbeit verbringen. Das sind 23 Prozentpunkte weniger als noch vor zwei Jahren. Damit steigt die erwartete Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 40,7 Stunden auf 42,5.