Dienstag, 15.08.2017
Gar nicht so einfach: Weil die MEP Werke keine Monteure fanden, werden diese nun im Ausland gesucht – und im eigenen Ausbildungszentrum gecoacht. Manch einer hat aber auch Höhenangst ...

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Gar nicht so einfach: Weil die MEP Werke keine Monteure fanden, werden diese nun im Ausland gesucht – und im eigenen Ausbildungszentrum gecoacht. Manch einer hat aber auch Höhenangst ...

Personal
Fachkräftemangel

Trainingszentrum für ausländische Monteure: „Ohne Vorbereitung geht es nicht“

Weil Solarunternehmer Konstantin Strasser in Deutschland keine Monteure fand, holt er sie sich aus dem Ausland – und coacht sie in einem eigenen Trainings- und Ausbildungszentrum. Wie es dazu kam, erzählt der MEP-Werke-Chef im Interview.

Lange Zeit hatten die MEP Werke bei der Montage von Solaranlagen mit klassischen Elektrobetrieben zusammengearbeitet. Doch als es laut Firmengründer und Geschäftsführer Konstantin Strasser immer häufiger zu Problemen und Unzufriedenheit auf allen Seiten kam, entschied sich das Unternehmen, eigene Monteure einzustellen. Und stand gleich vor dem nächsten Problem.

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Konstantin Strasser ist Gründer und Geschäftsführer der MEP Werke.

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Konstantin Strasser ist Gründer und Geschäftsführer der MEP Werke.

Wie schwer war es für Sie, Monteure für die Solaranlagen zu finden?
In Deutschland war es nicht möglich. Das Handwerk stirbt aus, es gibt immer weniger Elektriker und Elektroingenieure. Und die wenigen Fachkräfte, die es in dem Bereich gibt, sind schwer für uns zu bekommen. Das liegt auch daran, dass Elektriker im traditionellen Handwerk einen sehr abwechslungsreichen Job haben, der zum Beispiel auch die Beratung der Kunden mit umfasst. Dagegen ist die Montage von Solarmodulen zugegebenermaßen eher mit Fließbandarbeit zu vergleichen.

Also haben Sie sich im Ausland auf die Suche gemacht …
Genau. In Kroatien, Serbien, Polen und Griechenland zum Beispiel gibt es viele gut ausgebildete Elektriker, aber ein niedriges Lohnniveau. Natürlich haben wir in Deutschland andere Richtlinien, an die sich die Monteure halten müssen, und die Bausubstanz ist oft eine andere. So ganz ohne Vorbereitung können wir die Mitarbeiter nicht auf die Anlagen loslassen.

Wie sieht diese Vorbereitung aus?
In diesem Jahr haben wir unser Trainings- und Ausbildungszentrum für Elektriker und Monteure eröffnet, in dem ein Straßenzug nachgebildet ist. Dort gibt es diverse Dachattrappen in unterschiedlichen Höhen mit unterschiedlicher Dacheindeckung. Auch alle Arten an Zählerkästen, die es gibt, haben wir verbaut. Das Trainingszentrum durchlaufen die neuen Mitarbeiter etwa einen Monat, bevor sie noch einmal drei Wochen einen erfahrenen Monteur in der Praxis begleiten. Daneben bekommen die Mitarbeiter Deutschkurse, damit sie sich mit Kunden und Kollegen auch verständigen können.

Das Trainingszentrum ist jetzt seit einigen Monaten in Betrieb. Was sind die ersten Erfahrungen?
Bislang haben 160 Mitarbeiter das Training durchlaufen und sind nun als Monteure für uns unterwegs. Sie haben von uns ganz normale deutsche Arbeitsverträge bekommen, mit allen Sozialleistungen, Urlaub und deutschem Lohn. Zusätzlich haben sie zum Beispiel die Möglichkeit, alle drei Monate zur Familie im Heimatland zu fahren – denn das bleibt meist der eigentliche Lebensmittelpunkt. Wobei es auch hier Ausnahmen gibt; manche Mitarbeiter haben ihre Familien nach Deutschland nachgeholt.

Gab es denn auch schon Fälle, in denen aus der Zusammenarbeit mit dem potentiellen Mitarbeiter nichts wurde?
Ja, das ist halt der Faktor Mensch. Die Montage von Solaranlagen ist nun einmal ein Knochenjob. Manch einer hat vielleicht auch Höhenangst. Aber genau das können wir ja in unserem Ausbildungszentrum testen. Und etwa acht von zehn potentiellen Mitarbeitern stellen wir dann letztendlich auch ein.

So eine Halle ist ja nicht ganz billig. Lohnt es sich dennoch?
Wissen Sie, das ist wie bei einem Restaurant: Das kann auch billige Zutaten einkaufen und schlecht ausgebildete Mitarbeiter beschäftigen. Nur kann es dann eben keine Qualität liefern. Genauso müssen wir eben auch in unsere Mitarbeiter investieren, um auf Dauer die Kunden zufriedenzustellen. Gerade bei unserem Geschäftsmodell, bei dem wir Solarmodule nicht verkaufen, sondern vermieten, sind wir auf zufriedene Kunden angewiesen. Schließlich arbeiten wir im Idealfall mehrere Jahrzehnte zusammen. Insgesamt erwarten wir bei dem Ausbildungszentrum, in das wir eine hohe sechsstellige Summe gesteckt haben, dass es sich innerhalb von drei Jahren rentiert.

Info

Die MEP Werke wurden im Februar 2011 von Konstantin Strasser in München gegründet und sind Teil der Strasser Unternehmensgruppe, die es seit 2004 gibt. Das Unternehmen vermietet seit 2013 Solaranlagen an private Hausbesitzer und kümmert sich um die Montage und Pflege der Anlagen. Nach eigenen Angaben erreicht das Unternehmen mit rund 6.000 Kunden gut 10 Prozent Marktanteil am gesamten Photovoltaik-Markt in Deutschland.