Mittwoch, 17.07.2019
Die Qual der Wahl: Wie bestimmt man einen geeigneten Nachfolger für das Unternehmen?

Foto: Jirsak/ iStock/ Getty Images Plus

Die Qual der Wahl: Wie bestimmt man einen geeigneten Nachfolger für das Unternehmen?

Personal
Analyse des IfM

Unternehmensnachfolge: Übergabe an Mitarbeiter hat viele Vorteile

Bis 2022 müssen in Deutschland jährlich rund 30.000 Unternehmer entscheiden, wie sie ihre Nachfolge regeln. Nur bei der Hälfte der mittelständischen Betriebe übernimmt ein Familienmitglied die Geschäftsführung. Eine Alternative ist die Übergabe an einen Mitarbeiter.

Mittelständler regeln ihre Nachfolge am liebsten innerhalb der Familie. Doch nicht immer gibt es einen Nachkommen, der den Betrieb fortführen möchte. In diesem Fall ist der Verkauf an einen langjährigen Mitarbeiter eine gute Option. Dieser kennt, anders als ein externer Käufer, die Abläufe im Betrieb aus eigener Erfahrung. Jeder fünfte Betrieb baut jemanden aus der Belegschaft für die Nachfolge auf. Das ergab eine aktuelle Analyse des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM).

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Für den Alteigentümer ergeben sich laut IfM gleich mehrere Vorteile, wenn eine interne Führungskraft die Firma übernimmt. Zum einen kann durch die langjährige Wertschätzung des Unternehmens ein angemessener Preis erzielt werden. Hinzu kommt, dass die Übergabe schnell und abseits der Öffentlichkeit vollzogen werden kann. Im Gegensatz zu einem Verkauf an externe Führungskräfte, Mitbewerber oder Finanzinvestoren muss kein detaillierter Einblick in die Bücher gewährt werden. Außerdem mindert sich die Gefahr, dass Belegschaft, Kunden und Lieferanten in der Phase des ungeklärten Nachfolgeprozesses verunsichert werden.

Jemand, der seit vielen Jahren das Unternehmen, dessen Entwicklung und die Finanzsituation kennt, kann auch das Arbeitsplatz- und Kapitalverlustrisiko einschätzen. Dadurch ist der Schritt in die Selbstständigkeit für ihn weniger abschreckend. Denn der Nachfolger muss nicht nur ein geeigneter Geschäftsführer sein – er muss auch bereit sein, dauerhaft das finanzielle Risiko des Unternehmerdaseins zu tragen.

Gibt es keinen geeigneten Mitarbeiter für die Nachfolge, bleibt noch der Verkauf an einen externen Unternehmer oder Investor. Hierbei erzielt der Eigentümer den höchsten Preis, wenn sich der Käufer Wettbewerbsvorteile verspricht. Das gilt in der Regel für Unternehmen, für die sich durch den Zukauf ein schnellerer Markteintritt oder der Zugang zu spezifischem Wissen ergibt. Laut der Analyse lohnt sich für Alteigentümer diese Nachfolgeform aus ökonomischer Sicht deshalb am meisten. Gerade bei Mittelständlern würden allerdings nicht nur wirtschaftliche Faktoren eine Rolle bei der Frage nach dem passenden Nachfolger spielen. Wichtig ist auch, die Werte des Unternehmens zu bewahren und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter weiterhin zu gewährleisten.