Freitag, 13.12.2019

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Auch eine Frage der Unternehmensphilosophie: In manchen Firmen können die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz frei wählen und dürfen auch von zu Hause aus arbeiten – oder wie hier im Café.

Personal
Verschiedene Ansätze

Unternehmensphilosophie in der Praxis: So funktioniert’s

Um intern wie extern geschlossen aufzutreten, verfolgen viele Unternehmen ein Leitbild, nach dem sie die Mitarbeiterführung und den Kundenkontakt ausrichten. Welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, zeigen drei Beispiele aus der Praxis.

Für Mittelständler aus unterschiedlichen Branchen ist es mehr als ein Instrument mit dem sie Kunden ködern können. Mit der Unternehmensphilosophie oder einem Leitbild drücken sie ihr Selbstverständnis aus und geben sich ein Profil gegenüber Kunden und Mitarbeitern. Das schafft ein positives Image und bietet einen Wettbewerbsvorteil.

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Cape-IT: Open-Source-Produkte aus Überzeugung

Foto: Cape-IT

Rico Barth ist Geschäftsführer von Cape-IT.

Nach diesem Prinzip verfährt das IT-Unternehmen Cape-IT aus Chemnitz. Geschäftsführer Rico Barth: „Unsere Open-Source-Lösungen haben durchaus einen weltanschaulichen Aspekt: Wissen wächst, wenn man es teilt.“ So solle nicht das Budget der entscheidende Faktor sein, ob man sich Wissen leisten könne oder nicht. Schließlich sollen auch kleinere und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit haben, Teil der Industrie 4.0 zu werden. „Denn Industrie 4.0 und die Digitalisierung der Wirtschaft sind elementar für die künftige Führungsrolle deutscher Unternehmen: lokal und global“, ist Barth überzeugt. Zu seiner Open-Source-Philosophie, bei der die Software zum Teil kostenfrei ist, aber für Dienstleistungen gezahlt wird, passt auch seine Haltung zum Umgang mit den Ergebnissen von öffentlich finanzierter Forschung. „Sie sind für jedermann zugänglich zu machen. Leider passiert noch viel zu häufig, dass gewinnträchtige Forschungsergebnisse nur einzelnen, wenigen Firmen zugutekommen. Von Steuergeldern finanzierte Forschung sollte aber der gesamten Wirtschaft und der Allgemeinheit frei zur Verfügung stehen“, sagt Barth.

Liferay: Viel Kommunikation mit Mitarbeitern

Foto: Liferay

Edmund Dück ist General Manager DACH bei Liferay.

Die Entwicklung einer Open-Source-Portallösung für gemeinnützige Organisationen ist eng mit der Entstehungsgeschichte und der Unternehmensphilosophie der deutschen Niederlassung des Softwarehaues Liferay in Eschborn verbunden. „Das Bestreben mit der Entwicklung innovativer Technologien Menschen zu helfen, ihre Potenziale abzurufen, ist bis heute essenzieller Bestandteil unserer Unternehmens“, sagt Edmund Dück, General Manager DACH. „Wir verstehen uns als Unternehmen, das Menschen – Mitarbeiter, Partner und Kunden – bei allem in den Mittelpunkt stellen will.“

 

Unternehmensphilosophie sei mehr als eine Sammlung von gemeinsamen Normen und Werten. Sie sei gelebte Kultur an allen Standorten des Unternehmens. „Wichtig ist dabei der Begriff ‚gemeinsam‘. Denn die Unternehmensphilosophie sollte aus unserer Sicht kein krampfhaft aufgestelltes Programm sein, sondern gemeinsam entwickelt und gelebt werden“, betont Dück.

 

Respekt und Wertschätzung seien für die Zusammenarbeit wichtig. Jeder Mitarbeiter könne mit dem Management, den Gründern und Verantwortungsträgern, sprechen. „Und diese Nahbarkeit wird geschätzt: Auf den Unternehmensevents einen Kaffee mit dem CEO zu trinken, ist keine Seltenheit“, sagt Dück. Mit ihrem Anliegen können sich die Mitarbeiter jederzeit an das Management wenden. 

Tresonus: Flexible Arbeitszeiten und Home Office

Foto: Tresonus

Fabian Schütze ist Chief Operating Officer bei Tresonus.

Besonders in kreativen Berufen bewähren sich neue Formen der Zusammenarbeit, wie Fabian Schütze, Chief Operating Officer der Unternehmensberatung Tresonus in München, beobachtet. Vor allem die Work-Life-Balance steht hier im Vordergrund. Wir zeigen unseren Kunden, wie effektiv Home-Office oder freie Arbeitszeiteinteilung als Möglichkeiten zur Mitarbeiterbindung und -motivation funktionieren. Anders formuliert: Es wäre geheuchelt, unseren Kunden einen festen 9-to-5-Sitzplatz im Office, New-Work-Werte und technische Lösungen zu empfehlen, die wir selber nicht nutzen. Das bedeutet auch, dass wir an einigen Punkten radikal sein mussten. Beispielsweise reden wir mit unseren Mitarbeitenden nicht darüber, ob sie Homeoffice machen dürfen, sondern ob es Sinn macht, sich im Office zu treffen“, sagt Schütze.

 

Der Arbeitgeber stellt entsprechende IT-Infrastruktur bereit, damit die Mitarbeiter von überall und mobil arbeiten können. Dennoch besteht eine Arbeitsvereinbarung. So sind für die Mitarbeiter beispielsweise das Vorgehen im Projektmanagement und die Struktur des Ablagesystems zur Informationsweitergabe klar geregelt. Die konkrete Ausgestaltung des Arbeitstages ist allerdings jedem Mitarbeiter überlassen – im Office, im Café, oder am Strand – aber dennoch ist eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden einzuhalten.