Freitag, 14.06.2013
Vermögenssteuer gefährden das Unternehmertum, sagt Thomas Bauer

Bauer AG

Vermögenssteuern bedeuten eine Gefahr für das Unternehmertum, meint Professor Thomas Bauer, Vorstand der Bauer AG

Personal
Bundestagswahlen

Vermögenssteuern gefährden Substanz von Unternehmen

Grüne und SPD wollen Vermögenssteuern nach der Bundestagswahl wieder einführen. Damit drohen massive finanzielle Einbußen für mittelständische Unternehmen, rechnet Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, vor.

Nach den Bundestagswahlen könnten Unternehmer steuerlich vor einer großen Herausforderung stehen. Vermögenssteuern entziehen den Unternehmen ihre wirtschaftliche Basis, sagt Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG gegenüber Markt und Mittelstand im Interview. Er will seine Unternehmensanteile verkaufen, sollte es zu einer Einführung von Vermögenssteuern kommen. 

MuM: Inwieweit werden unternehmenssteuerliche Aspekte die Wahlentscheidung von Unternehmern beeinflussen?
Thomas Bauer: Die diesjährige Bundestagswahl wird massiv unter Gerechtigkeitsaspekten geführt werden. Einzelne Parteien haben die Erhöhung von Steuern sehr stark in den Vordergrund gerückt. Das Steuersystem soll dadurch „gerechter“ werden.  Die Unternehmer sehen leider diese Gefahr noch viel zu wenig und berücksichtigen sie noch zu wenig bei ihrer Wahlentscheidung.

MuM: SPD und Grüne wollen nach den Bundestagswahlen Vermögenssteuern umsetzen. Was käme Ihrer Meinung nach auf die Unternehmen zu?
Bauer: Ich bin erschrocken darüber, dass die Grünen so stark in diese Richtung gehen. Wenn SPD und Grüne eine Vermögensbesteuerung verlangen, droht den hiesigen Unternehmen eine gewaltige Gefahr. Man muss wissen, dass Vermögenssteuern aus „Einkommen nach Steuern“ vom Eigentümer bezahlt werden muss. Wenn es zu einer deutlichen Besteuerung unseres Unternehmensvermögens kommen sollte, werde ich unsere Unternehmensanteile verkaufen. Dann habe ich wegen der finanziellen Basis größte Bedenken, den über Generationen geführten Familienbetrieb als solchen weiter führen zu können.

MUM: Unternehmer neigen zu einer großen Leidensfähigkeit. Wäre dies wirklich für Sie ausschlaggebend?
Bauer: Ich nenne Ihnen ein einfaches Rechenbeispiel. Unser Unternehmen ist börsennotiert. Daher lässt sich der Unternehmenswert – also das Vermögen aller Aktionäre - leicht berechnen: derzeit etwa 350 Millionen Euro. Eine Besteuerung von 1 Prozent würde eine jährliche Vermögensbesteuerung von 3,5 Millionen Euro bedeuten, die die Eigentümer aus der Dividende bezahlen müssten. Als Dividende können wir dieses Jahr nur etwa 5,1 Mio. EUR bezahlen. Die Steuer wäre also fast 70 %. Wenn es Firmen konjunkturell besser geht, dann steigen Firmenwert und Dividende. Die Vermögenssteuer wird also immer bei gut der Hälfte liegen.
Zwar sollen Freibeträge die Belastung etwas mildern. Mir leuchtet aber nicht ein, warum größere Betriebe  – bei denen die Freibeträge weniger Wirkung entfalten – weniger geschützt werden müssen als kleinere Unternehmen. Ich halte Vermögenssteuern für das Übelste, was der deutschen Wirtschaft passieren kann.

Vermögenssteuern der Grünen um ein Vielfaches gefährlicher

MuM: Basis der Vermögenssteuern der Grünen wäre der durchschnittliche Gewinn zwischen 2009 und 2011 ungefähr multipliziert mit dem Faktor 10 anstelle einer Vermögensbesteuerung, die am Wert des Unternehmens ansetzt. Wäre das besser für Sie?
Bauer: Das wäre nicht viel anders – aber noch gefährlicher. Der Wert eines Unternehmens ist etwa das 10-fache des Nachsteuer-Gewinns. Werden vom Gewinn 3 % Punkte ausgeschüttet, wäre die Steuer der Grünen mit 1,5 % auch 50 % der Ausschüttung. Mehr kann in der Regel auch nicht ausgeschüttet werden, da vom Gewinn die Inflation abzuziehen ist, die für Substanzerhaltung nötig ist. Den Rest braucht die Firma für eine sinnvolle Weiterentwicklung. Von der Dividende muss dann auch noch die Erbschaftsteuer angespart werden, die ja auch heute ein Risiko darstellt. Ganz schlimm wird es bei der Lösung der Grünen, wenn die Geschäfte schlechter laufen. Die Steuer bleibt dann gleich – eventuell auch ohne Dividende. Man ist dann zum Verkauf von Anteilen gezwungen.

MuM: Welche weiteren Steueränderungen befürchten Sie?
Bauer: Eine Reform der Erbschaftsteuer. Es gibt für einen Unternehmer nichts wichtigeres, als dass das Unternehmen auch in der kommenden Generation weiter geführt wird. Bei einer zu hohen Erbschaftsteuer kann der Nachfolger das Unternehmen aber nicht weiter betreiben. Eine erfolgreiche Unternehmensübergabe ist einer der wichtigsten Motivationsfaktoren für den Unternehmer und seinen Nachfolger. Die Folgen einer Verschlechterung bei der Erbschaftsteuer wären fürchterlich. Die Unternehmen sind die Basis unseres Wohlstands. Hier kommt eine massive Bedrohung auf die Unternehmen zu.

MuM: Welche Konsequenzen befürchten Sie?
Bauer: Es ist nicht so einfach, ein Unternehmen zu verlagern oder als Eigentümer dem Heimatland den Rücken zu kehren, wie zum Beispiel Theo Müller dies gemacht hat. Viele Unternehmer werden ihr unternehmerisches Tun verändern. Die Leidensfähigkeit eines Unternehmers hat Grenzen.

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