Freitag, 13.12.2013
Personalentwicklung: Persönliche Gespräche mit dem Arbeitgeber fördern die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer.

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Personalentwicklung: Persönliche Gespräche mit dem Arbeitgeber fördern die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer.

Personal
Härter arbeiten bei besseren Karrierechancen

Verschenktes Potenzial bei Personalentwicklung

Arbeitnehmer wollen bei besseren Karrierechancen im Unternehmen härter arbeiten. Oft kommt die Personalentwicklung im Unternehmen zu kurz – das verschenkt Leistungspotenzial.

63 Prozent der Deutschen sind bereit, bei einer besseren Förderung durch ihren Arbeitgeber härter zu arbeiten. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens ROC Deutschland gilt das vor allem für junge Arbeitnehmer. 67 Prozent der 18 bis 43-Jährigen würden für bessere berufliche Aussichten in der Firma mehr Engagement zeigen. Etwas geringer fällt dieser Anteil mit 62 Prozent unter den 35- bis 54-Jährigen aus. Für die Arbeitnehmer der „Kategorie 55+“ spielen die Aussichten auf eine Beförderung im Unternehmen die geringste Rolle: 58 Prozent von ihnen lockt eine bessere Personalentwicklung zu mehr Arbeitseinsatz.
Zwischen Frauen und Männern gibt es kaum Unterschiede. 62 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer wollen bei besseren Karrierechancen im Betrieb härter arbeiten. Ähnlich denken die befragten weiblichen und männlichen Arbeitnehmer auch über den Firmenwechsel als einzige Möglichkeit für einen weiteren Karrieresprung. 42 Prozent der Frauen und 38 Prozent der Männer teilen diese Ansicht.

Personalentwicklung: Fehlende Maßnahmen gefährden Unternehmenszukunft

Laut Oliver Back, Geschäftsführer von ROC Deutschland, ist die Talent-Förderung für Unternehmer von zentraler Bedeutung, um die Zukunftsfähigkeit des eigenen Betriebs sicherzustellen. „Um den dramatischen Schwund frei verfügbarer Fachkräfte am Arbeitsmarkt zu kompensieren, führt an Qualifikationsmanagement und Karriereplanung im eigenen Haus kein Weg vorbei", sagte Back. Denn bleibt eine entsprechende Förderung aus, entscheiden sich viele Arbeitnehmer laut ROC-Studie für den Unternehmenswechsel.
40 Prozent der mittelständischen Unternehmer planen laut einer Studie des Finanzdienstleisters GE Capital und des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) derzeit Neueinstellungen. Diese Konkurrenz mit anderen mittelständischen Firmen könnte Geschäftsführern die Suche nach neuen Mitarbeiten in Zeiten des Fachkräftemangels zusätzlich erschweren.
Haben Angestellte im Unternehmen Aussichten auf weitere Karrieresprünge, wollen sie härter arbeiten. Dass dieses Konzept für Arbeitgeber und -nehmer aufgehen kann, zeigt die Entwicklung mittelständischer Unternehmen in Ostdeutschland. Laut den Ergebnissen der Untersuchung von GE Capital und IfM wachsen ostdeutsche Betriebe durch ihr stringentes Wachstumskonzept, zu dem auch die Förderung und Bindung der eigenen Mitarbeiter gehört, besonders schnell.

Arbeitnehmer fordern auf sie zugeschnittenes Förderprogramm

In der ROC-Studie konnten die befragten Arbeitnehmer beurteilen, wie wichtig ihnen verschiedene Arten der Mitarbeiterförderung sind. Am wichtigsten ist dem dem Großteil der Arbeitnehmer die Information über für sie interessante freie Stellen im Unternehmen (37 Prozent). Auch von zentraler Bedeutung in der Personalentwicklung ist für die Befragten die Zahlung von Boni für das Übertreffen vorher festgelegter Leistungsziele (27 Prozent). 21 Prozent der Befragten finden regelmäßige Gespräche mit ihrem fachlichen Vorgesetzten sehr wichtig.
Ebenfalls 21 Prozent halten ein gezieltes Talent-Förderprogramm für sehr entscheidend. Dieses soll ihre persönlichen Stärken und Schwächen analysieren. Ein solches Förderprogramm muss auf Branche, Unternehmen und Mitarbeiter zugeschnitten werden. Den gemeinsamen Ausgangspunkt nannte ROC-Geschäftsführer Back: „Grundlage sollte eine strategische Personalplanung sein, die mittels unterschiedlicher Zukunftsszenarien Prognosen erstellt, in welchen Bereichen das Unternehmen mittel- bis langfristig überhaupt neue beziehungsweise anders qualifizierte Mitarbeiter benötigt.“

Karrierechance: Experte fordert Ehrlichkeit von Unternehmern

22 Prozent der Befragten befürworten eine für ihren Arbeitgeber verpflichtende berufliche Weiterbildung der Mitarbeiter. Das unterstützt auch ROC-Experte Back. Er verweist auf die Bedeutung von Fairness und Transparenz. „Es darf nicht länger sein, dass rund 40 Prozent der Arbeitnehmer die Erfahrung machen, allein die persönliche Beziehung zum eigenen Chef entscheide über den Aufstieg und nicht objektive Leistungskriterien", sagte Back.
Jeder Mitarbeiter müsse wissen, was von ihm bei einer bestimmten Tätigkeit im Unternehmen erwartet werde. Auch müsse klar sein, welche Fähigkeiten er mitbringen oder erwerben muss, um den nächsten Karriereschritt machen zu können. Fehlende Karrierechancen dürfen einem Angestellten laut Back nicht vorenthalten werden. „Transparenz bedeutet auch den Mut zu haben, einem Mitarbeiter klar zu sagen, welche Positionen für ihn auch mittel- oder langfristig einfach nicht infrage kommen“, sagte er auf Nachfrage von Markt und Mittelstand.
Transparenz muss laut Back auch bei der Zahlung von Boni-Gehältern höchste Priorität haben. „Jeder Mitarbeiter muss erkennen können, wann Boni ausgezahlt werden und wann nicht“, sagte Back. Es sei für einen Arbeitgeber nicht damit getan, am Anfang des Jahres ein Leistungsziel für das gesamte Unternehmen zu nennen und dieses auf „für die meisten Mitarbeiter nicht nachvollziehbaren Wegen zwölf Monate später auf die einzelnen Abteilungen herunterzubrechen“.

Personalentwicklung: Ansprüche der Mitarbeiter richtig erkennen

Laut ROC-Geschäftsführer Back sollten Unternehmer bei der Mitarbeiterförderung drei grundlegenden Prinzipien folgen: „Führungskräfte müssen sich ausreichend Zeit für persönliche Gespräche nehmen. Außerdem sollten Unternehmen mittels regelmäßiger Mitarbeiterbefragungen immer wissen, welche Punkte derzeit generell gut laufen oder welche aktuell für Unruhe oder Frust in der Belegschaft sorgen“, erklärte Back. Schließlich sollten sich Führungskräfte, etwa in Form eines „360-Grad-Feedbacks“, auch selbst der Kritik stellen.

Mittelständler schauen durch rosarote Brille

Einige Forderungen der Arbeitnehmer, wie etwa die Information über frei werdende Stellen im Unternehmen, erscheinen leicht erfüllbar. Warum viele Arbeitgeber ihnen dennoch nicht nachgehen, begründet Back auch mit der Harmonie im mittelständischen Unternehmen. „Speziell bei mittelständischen und damit meist familiengeführten Unternehmen verleitet ein gutes Betriebsklima häufig dazu, sich um solche Themen wie Talentförderung nicht zu kümmern“, sagt Back. Frei nach dem Motto „Bei uns ist doch alles in Ordnung“ würden solche Fragen ausgeblendet. Die positive Einschätzung der wirtschaftlichen Situation des Betriebs könne zwar derzeit zutreffen, sollte laut Back aber nicht leichtfertig für die Zukunft angenommen werden. Als einen weiteren Grund für eine unzureichende Mitarbeiterförderung nennt er das klassische „Alltagsproblem Zeitmangel“. Dieser lasse den Unternehmern schlicht zu wenig Ruhe für die Lösung solcher strategischer Fragen. Auch die Personalentwicklung komme dadurch oft zu kurz.