Mittwoch, 11.01.2023
Personal
Zwei Wochen extra ab 2024

Warum Väter keinen Sonderurlaub bekommen sollten

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) will Eltern etwas Gutes tun, zielt aber vorbei: Vätern zwei Wochen Sonderurlaub zu spendieren, braucht in Deutschland keine Familie. Was allen Beteiligten viel mehr helfen würde.

Vater mit seinem Baby: Braucht es Urlaub vom Staat für mehr Gleichberechtigung?

Stellen Sie sich vor, man gibt der Bundesfamilienministerin eine Aufgabe: Deutschlands Betrieben acht Millionen Arbeitstage im Wert von 1,8 Milliarden Euro zu stehlen, Jahr für Jahr. Das klingt schwierig? Nicht für Lisa Paus. Wer wie die Grüne 22 Semester studiert hat, um danach direkt Berufspolitikerin zu werden, dem fällt das schon etwas ein: Jeder Vater soll nach der Geburt zwei Wochen Extra-Urlaub bekommen – natürlich bezahlt vom Unternehmen.
 
Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass Väter nach der Geburt frei bekommen müssen. Aber dieses Recht (was die EU ohnehin einfordert) ist etwas ganz anderes als zusätzlicher Urlaub bezahlt vom Arbeitgeber. Das braucht es nicht und das kann sich Deutschland auch nicht leisten. Mal abgesehen davon, dass den auch Väter bekommen, die sich nur bedingt engagieren.
 
Wenn ein neues Gesetz diskutiert wird, stellen sich drei Fragen: Erreicht es sein Ziel? Bringt es das Land und die Menschen weiter? Und vor allem: Gibt es eine bessere Alternative als gleich ein Gesetz? Die Antwort auf Frage Nummer eins lautet: Der „Väterurlaub“ kann sein Ziel nicht erreichen, weil er keins hat. Vätern soll schlicht erspart bleiben, die Tage nach der Geburt etwas von ihrem regulären Urlaub nehmen zu müssen. Kein Kind wird deshalb mehr geboren.

Jedem Elternteil fallen zig Dinge ein, wo es der Staat ihnen leichter machen könnte, nicht digitalisierter Ämterkram inklusive.Was kommt als nächstes? Drei Wochen Sonderurlaub für die Kita-Eingewöhnung? Zwei Wochen bei der Einschulung? Meine These ist, dass sich die allermeisten Arbeitgeber heutzutage da flexibel zeigen, auch bei Männern. Ein Zwang braucht als Grundlage den Gegenbeweis, sprich eine Studie.

Frage Nummer zwei: Helfen die Väterwochen der Gesellschaft, familienfreundlicher zu werden? Nein, denn wenn ein Vater keine zehn Urlaubstage mehr übrig hat für die Phase nach der Geburt seines Kindes, wird er auch mit zehn zusätzlichen Tagen wohl eher eine Kegeltour zum Ballermann unternehmen, als seiner Frau zu helfen. Und es braucht kein Gesetz, damit Arbeitgeber ihren Leuten den Wunsch erfüllen, nach der Geburt Urlaub nehmen zu dürfen. Wer seine Mitarbeiter so schlecht behandelt, hat in diesen Zeiten bald keine mehr.
 
Das Vorhaben ist sogar kontraproduktiv: Zum einen sorgt Familienfreundlichkeit mit der Brechstange nicht für die richtige Mentalität, sondern nur für Bürokratie und falschen Zwang. Zudem ist es ungerecht: Alle Väter bekommen zwei Wochen Urlaub, egal, ob sie sich wirklich engagieren oder nicht. Und schließlich muss irgendwer für die zehn Arbeitstage bezahlen, wenn die Väter nicht im Dienst sind. In der Regel werden die Kolleginnen und Kollegen im direkten Umfeld schlicht mehr arbeiten müssen. Oder es geht voll auf die Personalkosten. Dann ist entsprechend weniger Spielraum für Gehaltserhöhungen für die, die sie verdient hätten.
 
Dass es - drittens - Wichtigeres zu regeln gäbe, steht außer Frage. Das Ehegattensplitting ist eine Erfindung aus dem vorigen Jahrhundert, setzt falsche Anreize und ist reformbedürftig. Oder das Elterngeld: Hier würde eine andere Logik viel besser das Ziel erreichen, dass sich Väter stärker beteiligen: Derzeit wird ein 13. und 14. Monat gezahlt, wenn sich das zweite Elternteil, in der Regel der Mann, auch mindestens zwei Monate frei nimmt. Viel effektiver wäre die Logik 10+6, also dass Eltern 16 Monate Elterngeld bekommen, wenn sich einer der beiden mindestens sechs Monate ums Kind kümmert.
 
Außerdem wäre es dringend angebracht, die Arbeitgeber zu entlasten – auch um das Miteinander zu fördern. Das geht an einer Stelle, die nicht wehtut: Die Fristen für das Beantragen von Elternzeit lassen sich problemlos verlängern. Derzeit reicht es, wenn ein werdender Vater oder eine werdende Mutter sieben Wochen vor der Geburt Elternzeit einreichen. Arbeitgeber haben gerade angesichts der Personalengpässe damit kaum Zeit zu reagieren, was oft auch zulasten der Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung geht. Das gilt insbesondere für Mittelständler mit begrenzter Personaldecke. Man kann von Eltern erwarten, dass sie ihre Planungen frühzeitiger gestalten. Eine Frist von 15 Wochen hätten für die Unternehmen einen großen Effekt und kaum Nachteile für die werdenden Eltern.

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