Donnerstag, 28.06.2018

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Blick in die Ferne: Die Zahl der Geschäftsreisen im deutschen Mittelstand steigt.

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Weniger Hotelübernachtungen bei Geschäftsreisen

Die Zahl der Geschäftsreisen im deutschen Mittelstand steigt. Doch immer häufiger buchen die Unternehmen aus Kostengründen keine Hotelübernachtung. Sorgen bereiten ihnen die Entwicklungen im Flugverkehr.

154,5 Millionen Geschäftsreisen haben kleinere und mittelständische Unternehmen im vergangenen Jahr gebucht. Das ist ein Plus von über zwei Prozent im Vergleich zu 2016. Etwa jeder dritte Angestellte war 2017 beruflich unterwegs. Die Reisen ließen sich die Mittelständler über 40 Milliarden Euro kosten. Das geht aus einer Untersuchung des Verbandes Deutsches Reisemanagement  (VDR) hervor. Dabei wurden zwischen Januar und März 2018 Telefon- und Onlineinterviews mit 800 Personen geführt, die für das Management der Geschäftsreisen ihrer Unternehmen zuständig sind. VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier, im Brotjob Leiter des Globalen Travel Managements beim Pharmakonzern Merck, führt den Anstieg der Geschäftsreisen auf das anhaltende Wirtschaftswachstum zurück. 

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Gerade im Mittelstand stehen jedoch die Reisekosten auf dem Prüfstand. Um die Ausgaben so gering wie möglich zu halten, verzichten viele Geschäftsreisende auf eine Hotelübernachtung. 63 Prozent fahren am selben Tag wieder zurück. Wenn doch ein Hotel gebucht wird, ist für 94 Prozent der Mittelständler der Preis für die Übernachtung von großer Bedeutung. „Das ist das Auswahlkriterium Nummer eins“, sagt Carnier. Neben den Übernachtungskosten spielen persönliche Empfehlungen und die Anzahl der Sterne bei der Wahl des Hotels eine wichtige Rolle. Die meisten Mittelständler entscheiden sich für ein Drei-Sterne-Hotel. 

Air-Berlin-Pleite hat Auswirkungen auf den Mittelstand

Die überwiegende Mehrheit der Geschäftsreisen deutscher Unternehmen ist innerdeutsch. Die drei wichtigsten ausländischen Reiseziele sind laut der Befragung die USA, China und Großbritannien. Von den direkten Nachbarländern ist Frankreich das häufigste Ziel. Trotz turbulenter politischer Zeiten haben nur zwei Prozent der Mittelständler Reiseverbote für bestimmte Länder ausgesprochen. Wenn „Travel Bans“ verhängt werden, gelten sie vor allem für die Türkei. Außerdem meiden Unternehmen Krisengebiete mit kriegerischen Auseinandersetzungen.

Da die meisten Flüge im Mittelstand für Inlandsstrecken gebucht werden, hatte die Insolvenz der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Air Berlin, erhebliche Auswirkungen auf den Geschäftsreisesektor. Fast jede zweite Firma beschwert sich darüber, dass nach der Air-Berlin-Pleite die Lufthansa und andere Fluggesellschaften ihre Preise zum Teil erheblich erhöht haben. Außerdem ärgern sich Mittelständler über geringere Platzkapazitäten und häufigere Flugausfälle.

Je größer ein Unternehmen ist, desto häufiger bezahlt es seine Rechnungen mit Firmenkreditkarten oder sogenannten Individual Pay Cards. Das sind Kreditkarten, welche die Firma ausgibt, die aber mit dem privaten Konto der Mitarbeiter verknüpft sind. Die Angestellten gehen also in Vorleistung für ihr Unternehmen und bekommen die Ausgaben anschließend erstattet. Auch mehr als jeder zweite Mittelständler verwendet Firmenkreditkarten. Die Abrechnungen laufen jedoch über ein zentrales Firmenkonto. Individual Pay Cards gibt es im Mittelstand eher selten.