Donnerstag, 20.08.2020
Unternehmerin Jeannine Budelmann: Jedes Elternpaar muss für sich und das Kind den passenden Weg suchen.

Foto: WJD/Pia Jennert

Unternehmerin Jeannine Budelmann: Jedes Elternpaar muss für sich und das Kind den passenden Weg suchen.

Personal
KOLUMNE WIRTSCHAFTSJUNIOREN DEUTSCHLAND

Wie das Familienleben bei einem Unternehmerpaar funktioniert

Das erste Mal Eltern zu sein, ist für jedes Paar eine Herausforderung. Wie Unternehmerpaare Firma und Kinder unter einen Hut bringen können, berichtet die stellvertretende Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Deutschland, Jeannine Budelmann.

Schlaflose Nächte, volle Windeln, schlimmes Bauchweh, erste Zähne – wie anstrengend die erste Zeit mit Kind ist, wird von Außenstehenden gerne unterschätzt. Woher kommt eigentlich die Vorstellung, dass selig schlummernde Babys tagelang still in ihrem Stubenwagen liegen, während Mama und Papa perfekt frisiert und konzentriert ihrer Arbeit nachgehen können? Die Realität jedenfalls sieht meist anders aus: Unausgeschlafen (und mit einer völlig neuen Verantwortung konfrontiert), bekommen wir vom Nachwuchs permanent unsere physischen und psychischen Grenzen aufgezeigt.

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Was für alle jungen Eltern gilt, gilt natürlich auch für Unternehmerpaare. Nur sind hier einfache Lösungen für die Kinderbetreuung nicht vorgesehen und Role-Models für die Aufgabenteilung leider Mangelware. Vielfältig sind dafür die organisatorischen Herausforderungen und Anforderungen ans Mikro- und Makromanagement, denen ein Unternehmerehepaar mit Kind gerecht werden muss: Wer kann und darf wie viel arbeiten? Wie lässt sich unternehmerische Verantwortung teilen oder gar abgeben? Kann man ein Baby eigentlich mit zum Kunden nehmen?

Mein Mann und ich haben uns, als wir Eltern wurden, dafür entschieden, unsere Tochter von Beginn an halbtags zu Hause betreuen zu lassen und uns die restliche Zeit mit unserem Kind zu teilen. So hatte sie viel Zeit mit uns und wir mit ihr. Und wir haben sie tatsächlich (fast) überallhin mitgenommen – in den Betrieb genauso wie auf Veranstaltungen. Für uns drei war es der richtige Weg. Heute, als knapp Dreijährige, spielt unsere Tochter mit derselben Selbstverständlichkeit Lageristin wie Verkäuferin, Softwareentwicklerin wie Marketingchefin.

Auch wenn es anstrengend war und ist: Ich möchte Mut machen zum Thema Kind und Karriere. Ganz klar: Es gibt nicht den einzig richtigen Weg. Aber ich bin sicher, dass jedes Elternpaar ihn für sich und seine Kinder definieren kann – anerkennend, dass auch Eltern Menschen mit Rechten und Bedürfnissen sind. Und wer irgendwann einmal wieder eine Nacht durchgeschlafen hat, dem kommen die alltäglichen Unternehmerprobleme ganz klein vor!