Freitag, 06.01.2017
Bessere Arbeit durch bessere Architektur: In den Büroräumen von Easysoft soll Offenheit und Kreativität die Mitarbeiter inspirieren.

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Bessere Arbeit durch bessere Architektur: In den Büroräumen von Easysoft soll Offenheit und Kreativität die Mitarbeiter inspirieren.

Personal
Ergonomische Einrichtung

Wie die Büroausstattung zu Produktivität führen kann

Moderne Büroräume und offene Wohlfühlarchitektur sollen die Teamarbeit fördern, ergonomische Sitzmöbel die Mitarbeiter motivieren. Steigt so die Produktivität?

Viele deutsche Angestellte fühlen sich nicht gerade wohl im Büro. Das liegt auch am Equipment ihres Arbeitsplatzes. Eine langsame, fehlerträchtige oder umständlich zu bedienende technische Ausstattung schafft Unmut und mindert die Produktivität, wie Sharp Business Systems herausfand. Das kostet Büromitarbeiter in Deutschland pro Jahr 10.000 Minuten oder 20 Tage – mithin einen ganzen Monat Arbeitszeit. (Über die Studie haben wir auch in unseren „Zahlen der Woche“ berichtet.)

Der Grund für diesen Missstand liegt keineswegs in der Unfähigkeit des Einzelnen, sondern in der mangelhaften Organisation und in veralteten Bürosystemen in den Unternehmen. Über unsinnig verteilte Dokumente im Netzwerk der Unternehmens-IT klagt rund ein Drittel der Mitarbeiter, und in die Jahre gekommene Gerätschaften ärgern ein Viertel.

Knapp die Hälfte der Mitarbeiter ist davon überzeugt, dass ihnen der Einsatz neuer Technologie zu mehr Produktivität verhelfen und ihre Motivation insgesamt steigern würde.

Büroräume sollen Kreativität unterstützen

Andreas Nau, Geschäftsführer von Easysoft: Kreative Büromöbel bringen mehr Produktivität bei den Mitarbeitern.

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Andreas Nau, Geschäftsführer von Easysoft: Kreative Büromöbel bringen mehr Produktivität bei den Mitarbeitern.

„Bei der Arbeit soll eine positive Grundstimmung herrschen“, sagt Andreas Nau, Geschäftsführer von Easysoft. Das 1994 gegründete Unternehmen bietet Softwaresysteme für Bildungsmanagement und Personalentwicklung an. Erst im Juli hat das Unternehmen an seinem Hauptsitz in Metzingen ein neues Firmengebäude bezogen – ausgestattet mit einem durch und durch modernen innenarchitektonischen Konzept.

Die Ausstattung kostete zwar mehr Geld als ein herkömmlicher Innenausbau. Doch das Ergebnis ist es dem Schwaben Nau wert. „Als Softwareunternehmen brauchen wir Kreativität und Produktivität. Die Raumgestaltung wirkt da unterstützend“, sagt er. „Wir haben in den früheren Projekten festgestellt, dass sich höhere Investitionen in die Raum- und Büroausstattung tatsächlich rechnen. Nach eineinhalb Jahren verbesserte sich die Produktivität der Mitarbeiter.“

In zehn Jahren hatte der Firmenchef mit vier Neubauprojekten zu tun. Für sein jüngstes, 2.000 Quadratmeter großes Objekt gab der Unternehmer rund eine Viertel Million Euro aus – für 60 individualisierte Arbeitsplätze auf zwei Etagen sowie das Bistro im dritten Stockwerk.

Ergonomische Sitzmöbel schaffen mehr Produktivität

Im ersten und zweiten Stock sind die lichtdurchfluteten Großraumbüros mit Stellwänden und Besprechungsbereichen ausgestattet. Trotz des Open-Space-Konzepts muss es auch klassische Büros für vertrauliche Arbeiten und diskrete Besprechungen geben.

Neben den ergonomischen Vorgaben weisen die Arbeitsplätze komfortable und funktionale Aspekte auf. Die Schreibtische lassen sich verstellen, die Arbeitsflächen mit Stellmotoren hochfahren, so dass beispielsweise mehrere Mitarbeiter spontan ein gemeinsames Projekt an einem Monitor auf Augenhöhe besprechen können. Naturholz, Bilder und Farben bestimmen die Atmosphäre des Raums.

Auch Licht ist eine wesentliche Komponente in diesem Zusammenspiel der Materialien und optischen Wirkungen. Dafür sorgt eine LED-Steuerung. Morgens herrscht in den Räumen ein warmer Farbton, von Mittag an wechselt er zu einem kühleren Tageslichtblau. Auf die Lichtgestaltung der Büros können die Mitarbeiter selbst Einfluss nehmen mit einer vom Unternehmen selbst entwickelten App.

Klimasteuerung durch Büromöbel

Bei Wärme und Kühlung stehen auch einfachere Mittel zur Verfügung. Beispielsweise der Klimastuhl von Klöber. Hier sind in der Sitz- und Rückenfläche Heizungs- und Lüftungselemente eingebaut. So lassen sich bis zu 37 Grad Celsius – die typische Körpertemperatur eines Menschen – einstellen.

Die Lüftung wiederum führt überschüssige Wärme vom Körper ab und sorgt dafür, dass nach Unternehmensangaben 95 Prozent Feuchtigkeit auf der Sitzfläche und 74 Prozent auf der Rückenfläche verdunsten – das bietet eine kühlende Wirkung.

Mit jedem Grad, das die Klimaanlage im Sommer nicht herunterkühlen muss, werden etwa 4 Prozent elektrische Energie weniger verbraucht. Die Stromversorgung der Bestuhlung läuft über eine Akkuladung, die etwa zwei Arbeitstage lang die Funktionen Heizen oder Lüften bedienen kann.

Büromöbel sorgen für Bewegung

Bei stundenlanger Arbeit am Schreibtisch ist zudem Bewegung wichtig. „Im Büro sollen sich Menschen wohlfühlen. Das geht am besten mit dynamischem Sitzen,“ sagt Thomas Köhl, Inhaber des gleichnamigen Sitzmöbelherstellers in Rödermark. Sein Konzept eines Bürostuhls macht eine ständige Bewegung auch während konzentrierter, langwieriger Tätigkeiten am Arbeitsplatz möglich.

Erreicht wird der Effekt durch ein Zwei-Kammer-Luftkissen, das ins Sitzpolster des Bürostuhls eingelassen ist und Wirbelsäule und Muskulatur aktiviert. Ähnlich wie bei einem Gymnastikball werden im Airseat durch Mikrobewegungen Spannungswechsel in der Rückenmuskulatur angeregt. Eine ständige leichte Beckenkippung sorgt für einen Ausgleich der Sitzhaltung.