Montag, 03.09.2018
Ein immer noch seltener Anblick: Nur in jedem sechsten mittelständischen Unternehmen hat eine Frau das Sagen.

Foto: jacoblund/Thinkstock/Getty Images

Ein immer noch seltener Anblick: Nur in jedem sechsten mittelständischen Unternehmen hat eine Frau das Sagen.

Personal
Analyse der KfW

Zahl der Chefinnen im Mittelstand ist weiter gesunken

Der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die von einer Frau geführt werden, ist ohnehin nicht groß. In den vergangenen Jahren ist er aber noch einmal geschrumpft, zeigen Zahlen der KfW. Bei größeren Mittelständlern ist der Anteil am geringsten.

Jedes sechste mittelständische Unternehmen in Deutschland wurde im Jahr 2016 von einer Frau geführt. Laut einer Analyse der staatlichen Förderbank KfW gab es in dem Jahr 608.000 Chefinnen im Mittelstand. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Laut der KfW-Analyse ist der Anteil der Unternehmen, die von einer Frau geführt werden, seit einem Höchststand im Jahr 2013 (19,4 Prozent) damit um 3 Prozentpunkte gefallen – und damit auf den tiefsten Wert seit 2010.

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Die Analyse zeigt zudem, dass der Frauenanteil in der Führungsspitze mit der Größe des Unternehmens kleiner wird: So hatten zwar immerhin 17,1 Prozent der Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten eine Chefin, aber weniger als ein Zehntel der größeren Mittelständler mit 50 oder mehr Beschäftigten. Frauengeführte Unternehmen beschäftigen daher auch lediglich 10 Prozent aller Erwerbstätigen im Mittelstand und erzielten nur 7 Prozent des Gesamtumsatzes. 

Frauen gründen seltener Unternehmen

Der niedrige Anteil von frauengeführten Unternehmen insgesamt dürfte auch mit der geringen Gründungsbereitschaft von Frauen zu tun haben, vermuten die Experten. Der Frauenanteil unter den Gründern sank zwischen 2013 und 2016 ebenfalls und zwar von 43 auf 40 Prozent.

In der Analyse wird dafür unter anderem die gute Lage am Arbeitsmarkt als Grund genannt. Frauen (und Männer) müssten eben nicht gründen, weil sie auch so einen guten Job finden könnten. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb legt allerdings einen weiteren Grund nahe: zu wenige Vorbilder. Die beiden weiblichen Studienautoren haben in einem Experiment mit 547 BWL-Studierenden gezeigt, dass die Motivation, selbst ein Unternehmen zu gründen, signifikant steigt, wenn eine junge Frau Kontakt zu einer Unternehmerin (statt zu einem männlichen Unternehmer) hat.

Erst kürzlich hatte eine Analyse der Jobplattform Stepstone ergeben, dass Frauen auch deutlich seltener als Männer mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen.