Mittwoch, 06.06.2018

Illustration: ojogabonitoo/Thinkstock/Getty Images

Auf der hohen Kante: Wer während seiner regulären Arbeitszeit über ein Zeitkonto Überstunden anspart, kann später davon zehren - etwa in Form von Gleitzeit oder einem Sabatical.

Personal
Aktuelle Studie

Zeitwertkonten für mehr Flexibilität im Beruf

Eine aktuelle Studie zeigt: Nur jeder siebte Mittelständler bietet seinen Mitarbeitern Zeitwertkonten (ZWK) an, um deren Work-Life-Balance zu verbessern. Genutzt werden die ZWK zumeist für Vorruhestandsregelungen.

Fast neun von zehn Unternehmen wollen ihren Mitarbeiter ein besseres Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit ermöglichen. Sogar in Vorstellungsgesprächen sind die betrieblichen Möglichkeiten, eine ausgewogenere Work-Life-Balance zu erreichen, immer öfter ein Thema. Noch stehen allerdings  finanzielle Anreize wie eine Gehaltserhöhung oder ein Diensthandy im Vordergrund. Zeitwertkonten haben viele Mitarbeiter noch nicht auf dem Radar.

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Dabei bietet bereits jedes dritte Unternehmen seinen Mitarbeitern Vorruhestandsregelungen an. Gut ein Viertel der Unternehmen berichtet von Mitarbeiteranfragen nach mehr Urlaubstagen. Fast jeder fünfte Beschäftigte möchte bezahlt freigestellt werden – etwa, um ihre Angehörigen zu pflegen.

Auch der Fachkräftemangel spielt bei der Nutzung von Arbeitszeitkonten eine Rolle: Jedes zehnte Unternehmen denkt darüber nach, wie es seine Mitarbeiter auch über das Renteneintrittsalter hinaus beschäftigen kann. Dies sind die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie von der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten und FRANKFURT BUSINESS MEDIA – Der F.A.Z.-Fachverlag, zu dem auch Markt und Mittelstand gehört, hervorgeht. Dafür wurden rund 320 Geschäftsführer, Vorstände und Personalleiter in Unternehmen in Deutschland befragt.

Info

Best-Practice-Beispiel Harold Scholz

Mitte 2015 führte der Hersteller von Farbpigmenten und -pasten  Zeitwertkonten ein. Pro Mitarbeiter und Jahr stellt das in Recklinghausen ansässige Unternehmen dafür 750 Euro bereit, die auf die Direktversicherung einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) und Zeitwertkonten verteilt wurden. Daneben haben Beschäftigte die Möglichkeit, Teile ihre Gehalts umzuwandeln und auf das ZWK einzuzahlen. Auch nicht in Anspruch genommene Urlaubstage lassen sich so übertragen. Rund 5 Prozent der Mitarbeiter nutzen diese Möglichkeiten regelmäßig.

Um die Nachfrage der Mitarbeiter nach mehr Flexibilität in der Gestaltung ihrer täglichen Arbeitszeit zu bedienen, setzen drei Viertel der Betriebe auf Flexi- bzw. Gleitzeitkonten. Vor allem mittelständische Betriebe und Industrieunternehmen wenden sie häufig an.

Mitarbeiter lassen vor allem Überstunden gutschreiben

Während unbezahlter Urlaub in vielen Betrieben möglich ist, finden sich Altersteilzeitmodelle noch nicht bzw. nicht mehr in der Mehrheit der Unternehmen. Zeitwertkonten mit dem Ziel einer Finanzierung von teilweisen oder vollständigen Freistellungen im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB) IV hat bereits mehr als ein Fünftel aller befragten Unternehmen implementiert. Dieses Instrument dient dafür, bei saisonalen Schwankungen flexibler reagieren zu können. Je größer ein Unternehmen ist, desto eher nutzt es ein Zeitwertkonto. Je größer ein Unternehmen ist, desto eher nutzt es ein Zeitwertkonto, so die Studie.

Die Gründe, warum  mittelständische Unternehmen oft auf Zeitwertkonten verzichten, sind vielfältig: Die Mehrheit ist der Ansicht, durch andere betriebliche Regelungen bereits arbeitnehmerfreundlich aufgestellt zu sein. Etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen lehnt Zeitwertkonten angesichts der  Risiken im Zusammenhang mit der gesetzlichen Beitragsgarantie und unzureichender Rentabilität in der Niedrigzinsphase grundsätzlich ab. Außerdem, so heißt es in der Studie, würden Zeitwertkonten von der Belegschaft kaum  nachgefragt.

Dort, wo es ZWKs gibt, lassen Mitarbeiter vor allem Überstunden auf den Konten gutschreiben. Bei sieben von zehn Betrieben wurde diese auch explizit angeordnet. Bei zwei Fünfteln der befragten Unternehmen werden auch Sonderzahlungen, etwa das Urlaub- oder Weihnachtsgeld, regelmäßig in Gutschriften auf das Zeitwertkonto umgewandelt.

Info

Die Studie „Zeitwertkonten – Nutzungsmöglichkeiten und Chancen in der modernen Arbeitswelt“ ist bei der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten erschienen, herausgegeben von FRANKFURT BUSINESS MEDIA – Der F.A.Z.-Fachverlag. Bei Fragen zur Studie wenden Sie sich bitte an den Studienautor Guido Birkner, E-Mail: guido.birkner@frankfurt-bm.com.