Donnerstag, 22.08.2013
Generation Y stellt andere Forderungen an Führungskräfte.

Brand X Pictures/Thinkstock / Getty Images

Generation Y stellt andere und vor allem neue Forderungen an Führungskräfte.

Personal
Anforderungsprofil Führungskräfte

Zukunftsmodell Führungskräfte 2.0

Die Generation Y hat nicht nur andere, sondern ganz neue Bedürfnisse. Deswegen werden auch nur jene Führungskräfte erfolgreich sein, die im Web 2.0 heimisch sind, ist sich der Unternehmer Jan Westerbarkey sicher.

Markt und Mittelstand: Es gab kürzlich eine Boyden-Studie, die besagt, dass von Führungskräften verstärkt Soft-Skills gefordert werden. Wir hatten letzte Woche einen Experten im Gespräch, der vertrat die These, dass das Optimum in der Synthese liegt. Seines Erachtens braucht es heute den traditionellen und durchsetzungsfähigen Firmenpatriarchen, der aber die notwendigen Soft-Skills hat, um auf die sehr eigenen Bedürfnisse einer neuen Generation einzugehen.

Wie schätzen Sie das ein, welche Soft-Skills sind Ihres Erachtens entscheidend bei Führungskräften?

Jan Westerbarkey: Grundsätzlich sind Medienkompetenz und Medientraining für Führungskräfte jeden Alters, Abteilung und Position unerlässlich. Besonders die informelle und indirekte Kommunikation läuft sonst an ihnen vorbei. Zudem gibt es eine Erwartungshaltung der Generation Y die nur über Chat nicht aber über Mail jederzeit erreichbar sind. Genauso wie die Meinungsbildung und PR zu Produkten und Dienstleistungen immer stärker digital und nicht Print-geprägt stattfindet.

Eine Führungskraft sollte wissen, wie man sich in Foren bewegt und über Geschäfts-Netzwerke verbindet. Jede Wahl zeigt, welche Reichweite soziale Medien haben und wie schnell man über sie drohende Empörungsstürme abwendet. 

Jan Westerbarkey ist Geschäftsführer vom Unternehmen Westaflex.

Jan Westerbarkey ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Westaflex, ein deutscher Haustechnik-Hersteller u. a. für Wellrohre und Schalldämpfer.

MuM: Welche Soft-Skills sind entscheidend?
Westerbarkey: Eigentlich gelten die gleichen Verhaltensregeln wie im zwischenmenschlichen Miteinander: Aufrichtigkeit und ehrliches Interesse am Gegenüber, selbst wenn dieser anonym ist. Überheblichkeit kann sogar schneller entlarvt werden, als durch tiefschürfende Recherchen. Die digitale Reputation bedeutet auch größtmögliche Transparenz.
Anspruchsvoller wird es bei der Steuerung von internationalen Teams und Home Office Partnern, sowie Freelancern. Hier hilft die Klaviatur von Multimedia, die allerdings beherrscht sein will. Neben Sprach- und kulturellen Unterschieden wird das Beherrschen von Technologie entscheidend. Es hilft, wenn sich gestandene Führungskräfte aufs Coaching durch Kinder oder junge Fachkräfte einlassen.

 

MuM: Welche neuen Technologien sind für Sie wichtig?
Westerbarkey: Wichtig oder bedeutend sind grundsätzlich all jene Kanäle, die auf den eigenen Webseiten und Prospekten beworben werden. Vielleicht ist es auch die Entscheidung, auf welchen Plattformen Kommunikation und Dialog angeboten wird. Im Fall von Westaflex ist beispielsweise die Wahl gegen Xing und in Präferenz für LinkedIn gefallen. Gleiches vollzieht sich beim Wechsel zu Google Plus zu Lasten von Facebook für den B2B-Dialog.

MuM: Haben Soft-Skills Einfluss auf den Umsatz und wenn ja, welchen?
Westerbarkey: Ohne Social Skills wäre kein Umsatzanstieg und keine Exportsteigerung möglich. Leider ist es so, dass die sozialen Plattformen sehr unterschiedlich zu bedienen und zu monitoren sind. Eine allgemeine Standardisierung von Werkzeugen und Skills ist in Unternehmen wünschenswert. Unsere Erfahrung zeigt, nach anfänglicher zeitlich hemmender Startphase, hat sich mittlerweile eine förderliche Routine eingespielt, die zu deutlichem Mehrumsatz führten. Neue Medien sollten initial geschult und dann im Schneeball-Prinzip tradiert und verfeinert werden. Es gibt leider noch wenig Benchmarking von Unternehmen dazu untereinander.

MuM: Welcher Führungsstil lässt Mitarbeiter effizienter arbeiten?
Westerbarkey: Es ist die uneingeschränkte Rückendeckung und Vorbildfunktion durch Führungskräfte, die Mitarbeiter-Potenziale heben. Führung bedeutet Sachverstand und Leitbild vorzugeben, nicht stellvertretend umsetzen, sondern gemeinsam Werte zu erarbeiten. Auch bekannt unter: Social Media Guidelines. Jeglicher Führungsstil muss authentisch und visionär sein. Web2.0 Tools sind Gemeinschafts- und Team-Werkzeuge.

MuM: Wenn  Sie Führungskräfte einstellen würden, was wären Ihre Prioritäten?
Westerbarkey: Während früher die Frage nach Wehr- oder Ersatzdienst eine gewisse Bedeutung hatte, ist es heute das Ehrenamt und das soziale Engagement. Gepaart mit einer Lern-Neugier ist das die beste Voraussetzung in Projekt-übergreifenden Teams eingesetzt zu werden. Die erste Priorität hat somit das außerbetriebliche Engagement.
Danach kommen grundlegende Fähigkeiten mit Office- und Web Tools arbeiten zu können. Hier sind tatsächlich Open Source Produkte gemeint, die sehr stark konfigurierbar sind.
Und letztlich die fachliche Kenntnis, wohl wissend, dass diese am schnellsten veraltet, sofern kein Teamwork und lebenslanges Lernen in der Arbeitshaltung vorliegt.