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Politik > Kommentar

AfD und Die Familienunternehmer: Der lautestmögliche Weckruf

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 3 Min.

Der Verband Die Familienunternehmer hat die falsche Entscheidung getroffen und ungeschickt kommuniziert. Aber was dahintersteckt, sollte die demokratischen Parteien hinter dem Ziel vereinen, die Nöte der Betriebe ernst zu nehmen.

Demonstranten von Die Familieunternehmer. Foto: Picture Alliance
Vielen Familienunternehmern steht das Wasser bis zum Hals. Ob die Aufhebung des AfD-Kontaktverbots durch Verbandschefin Marie-Christine Ostermann ein guter Schritt ist, ist mehr als fraglich. Aber die Politik muss die Nöte gerade der inhabergeführten Unternehmen endlich ernst nehmen und handeln. Foto: Picture Alliance

27.11.2025 von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand

Bühnen können brennen, wenn man sie für die baut, die gern zündeln. Und genau das tut die laut Verfassungsschutz rechtsextreme AfD allzu gern. Die Idee, Politik mit vernunftgeleiteter, von Transparenz geprägter Diskussion zu führen, ist an sich großartig. Deswegen ist es auch auf den ersten Blick begrüßenswert, wenn die Präsidentin der Familienunternehmer, Marie-Christine Ostermann, Dinge ausspricht wie: „Unsere Meinung über die AfD hat sich nicht geändert. Ihre Politik ist demokratieschädigend und wirtschaftsfeindlich. Der einzige Unterschied ist jetzt: Wir sagen ihnen ins Gesicht, was wir von ihrer Politik halten.“ Und das auf Bundesebene bestehende „Kontaktverbot“ zur AfD aufzuheben.

Das Problem ist nur, dass es dieser Partei nicht um Vernunft geht. Man kann mit einem Eskimo darüber diskutieren, wie viele Weißtöne es gibt. Aber die Basis dieser Diskussion ist die allgemein anerkennte Wahrheit, dass Weiß nicht Schwarz ist. Mit der AfD ist es schwieriger, so zu argumentieren. Und es ist trügerisch zu glauben, dass man die Partei so als das entlarven kann, was sie ist: wirtschaftsfeindlich. Wir alle, Verbände, Medien, Politik, Ökonomen, sollten noch viel besser erklären, warum die AfD-Wirtschaftspolitik so schädlich für den Standort ist. Und dafür sorgen, dass möglichst alle Unternehmerinnen und Unternehmen an einen besseren Weg glauben als an diesen Nonsens der Rechten.

Umso wichtiger ist aber der Umkehrschluss für die Schwarz-Rote Regierung: Nehmt die Sorgen der Betriebe ernst!

Thorsten Giersch, Chefredakteur

AfD-Programmatik im Check

Laut Umfragen können sich mehr als ein Fünftel der Firmenlenker vorstellen, die AfD zu wählen. Man kann großes Verständnis dafür entwickeln, dass sie sich von den Regierungen der vergangenen Jahre weder ausreichend wertgeschätzt noch verstanden fühlen. Aber was die AfD an Wirtschaftspolitik anbietet, schadet praktisch allen deutschen Betrieben. Um einige Bespiele zu nennen – mal abgesehen von der schwierigen Nähe zu Russland:

Im Parteiprogramm zur Bundestagswahl 2025 steht, dass die AfD den Ausstieg Deutschlands aus dem Euro-System und die Wiedereinführung einer nationalen Währung wünscht. Selbst ein „Dexit“ ist für die Partei eine Option. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) würde das zu einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 5,6 Prozent führen rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze kosten. Laut Ökonomen wäre der Zugang zu Deutschlands wichtigsten Märkten, und das sind die in Europa, dann stark beschränkt. Zig Tausende Insolvenzen inklusive.  

Auch die AfD-Steuerpolitik wird nur auf den ersten Blick einladend für Unternehmen. Klar, das Abschaffen von Grundsteuer, Gewerbesteuer, Energiesteuer und Erbschaftsteuer klingt traumhaft. Das Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat errechnet, dass dann aber pro Jahr 50 Milliarden Euro fehlen würden. Ein Staat mit so einem Finanzloch muss Investitionen massiv streichen, was die Betriebe direkt spüren würden.

Drittens würden es sich Investoren zweimal überlegen, ob sie hierzulande ihr Geld lassen. Von den dringend benötigen Fachkräften, die aus dem Ausland hierher ziehen müssen, mal ganz zu schweigen. Ein anderes Thema ist die Energiepolitik. Die AfD will die Energiewende rückabwickeln und stattdessen Kernkraft reaktivieren. Ob das überhaupt möglich wäre, ist das eine. Aber planbar niedrige Stromkosten würden so auf keinen Fall entstehen, im Gegenteil.

Der Weg, die AfD auf Bundesebene zu normalisieren, kann nicht gut enden. Unternehmen tun gut daran, sich von einem Verband zu distanzieren, der das tut. Denn die Käufer ihrer Produkte im Ausland und die Investoren registrieren die Diskussion hierzulande genau. Umso wichtiger ist aber der Umkehrschluss für die Schwarz-Rote Regierung: Nehmt die Sorgen der Betriebe ernst! Und damit ist gemeint: Handelt mit größer Entschlossenheit. Die Entscheidung des Verbandes Die Familienunternehmen sollte als der lautestmögliche Weckruf verstanden werden.

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