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Politik > Kommentar

70 Jahre Bundeswehr: Nie gab es mehr Geldverschwendung

| Thorsten Giersch

Bundeswehr Geldverschwendung: Zum 70. Jubiläum zeigt sich die Truppe stark – doch System, Bürokratie und Beschaffung versagen. Milliarden versickern, Aufrüstung stockt. Warum Pistorius’ Warnungen endlich Folgen haben müssen.

Bundeswehr-Uniformen im Flecktarn mit deutscher Flagge auf dem Ärmel.
Bundeswehr-Uniformen im Flecktarn: Die Truppe leistet viel, doch Geldverschwendung und marode Strukturen bremsen die Einsatzbereitschaft. (Foto: shutterstock)

In dieser Woche feierte nicht nur Kanzler Friedrich Merz seinen 70. Geburtstag, sondern auch die Bundeswehr. Ausgelassene Stimmung wäre unter den Kameraden angebracht – nämlich Wut über die Geldverschwendung. Ein Zustandsbericht.

Von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand

Wenn die Bundeswehr ein Mensch wäre, wäre sie einen Tag jünger als Bundeskanzler Friedrich Merz. Und man würde sie wohl als eine schizophrene Persönlichkeit bezeichnen. Das ist an ihrem 70. Geburtstag stärker spürbar denn je. Das, was die Soldaten im Einsatz tun, ist effektiver und besser eingespielt denn je in ihrer Geschichte. Doch leider sind die Fähigkeiten der Menschen nicht alles, was entscheidet. Ihr Gerät und die Abläufe im „Backoffice“ spielen nun einmal auch eine Rolle, eine sehr große.

Respekt für die Truppe – Kritik fürs System

Die Wahrnehmung der Bundeswehr sollte entsprechend differenziert ablaufen – und das gilt auch für das, was die Gesellschaft denkt: Soldatinnen und Soldaten erfahren zu wenig Respekt. Wünschenswert wären Szenen, wie sie in den USA alltäglich sind, wo die Oma an der Ampel zu einem Uniformierten gern mal „Thank you for your service“ sagt.

Aber die Bürokratie in der Bundeswehr und den abgeschlossenen Funkhäusern, die kann man kaum hart genug kritisieren. Spätestens 2014, als Russlands die Krim überfallen hat, hätte sich viel mehr tun müssen.

Aber stattdessen stehen wir in Zahlen ausgedrückt so da: zweieinhalb Divisionen, die kleinste Marine seit je und überalterte Luftstreitkräfte. Zum Vergleich: Bei der Wiedervereinigung vor 35 Jahren hatte das Heer zwölf Divisionen und Marine sowie die Luftstreitkräfte waren deutlich besser aufgestellt.

Dann begann die große Abrüstung, die man wahlweise als Verschlankung oder Kaputtsparen bezeichnen kann. Und nun fehlt auch noch das Material, das wir aus guten Gründen an die Ukraine abgegeben haben.

Ankündigungen reichen nicht

Die Zukunft wird zeigen, ob wir die massive Aufrüstung wirklich brauchen. Aber wenn man sie ankündigt, wenn man den Menschen wie dieser Tage Verteidigungsminister Boris Pistorius sagt „Es ist kein Alarmismus, wenn ich sage: Unsere Art zu leben ist in Gefahr“, dann muss man auch handeln. Sonst zweifeln die Menschen im In- und Ausland an uns. Und nichts wäre gefährlicher.

Ein Beschaffungswesen außer Kontrolle

All die Hunderte Milliarden versichern derzeit im System. Es scheint so, als ob das Beschaffungswesen der Bundeswehr mit dem Geld nichts anfangen kann. Ein Beispiel: In die Digitalisierung der Landstreitkräfte flossen 20 Milliarden Euro, aber das Heer funkt immer noch analog. Software-Pannen ist da noch ein Euphemismus. Es gibt zig weitere solcher Fälle.

Wer kontrolliert diese Geldvernichtung? Was sagt der Verteidigungs- und Haushaltsausschuss? Wo bleiben Konsequenzen, wie sie in jedem normalen Unternehmen üblich wären? Unsere Soldatinnen und Soldaten haben mehr verdient, aber der Steuerzahler auch – und all die, die mit diesen Milliarden an anderer Stelle Sinnvolles hätten tun können.

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